Hannes Arch

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“Respektieren, akzeptieren und auf dem Boden bleiben.” Das ist das Lebensmotto von Hannes Arch. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass der in Österreich geborene Extremsportler im Laufe seiner Karriere die höchsten Gipfel der Welt bestiegen hat, von den höchsten Gebäuden gesprungen ist und bei waghalsigen Kunstflugmanövern wenige Meter über dem Boden die Schwerkraft aufzuheben schien.

Dieser Allround-Abenteurer begann seine sportliche Laufbahn sehr früh und arbeitete sich rasch in mehreren Disziplinen an die Spitze. Schon mit 16 Jahren bekam er den österreichischen Flugschein für Sonderpiloten und widmete sich dem Drachenfliegen. Mit 19 war er bereits staatlich geprüfter Berg- und Schiführer und mit 23 einer der besten Bergsteiger und Kletterer Österreichs.

Schließlich rundete er seine Outdoor-Ausbildung mit dem Studium der Sportwissenschaften ab und unterrichtete Sportklettern an der Universität Graz. Kurz vor Abschluss des Studiums folgte er jedoch seiner Flugleidenschaft, wurde Testpilot des Schweizer Gleitschirmherstellers Paratech und machte sich rasch einen Namen in der Szene. Er nahm an internationalen Gleitschirmbewerben teil und gilt als Pionier des “Gleitschirm-Kunstflugs”. Sein Talent und sein Flugwissen weckte rasch das Interesse wichtiger Sponsoren. Im Jahre 1995 gründete Hannes zusammen mit seinen Schweizer Kollegen Ueli Gegenschatz und Andi Hediger das Red Bull Acro Team, das mit seinen ungewöhnlichen und spektakulären Stunts die Marke Red Bull in der Free Flying Szene etablierte und schließlich zur Gründung der Red Bull Airforce in den USA und kürzlich auch des Aerobatix Teams in Südamerika führte.

Ein Jahr nach der Gründung des Acro Teams ging Hannes mit seiner Liebe zum Fliegen einen Schritt weiter und wechselte vom Freien Fliegen zum Motorflug. 1998 begann er mit Kunstflug zu experimentieren und ab 2001 trainierte er mit der dreifachen Kunstflug Weltmeisterin Catherine Manoury. Im selben Jahr gewann der talentierte Newcomer die Schweizer Meisterschaft in der Kategorie Advanced und verdiente sich damit einen begehrten Platz im Schweizer Kunstflug Nationalteam.

SPORTLER UND GESCHÄFTSMANN

Im Jahr 2000 verband Hannes seine Leidenschaft für den Extremsport mit seinem unternehmerischen Talent und gründete die Airpro GmbH, seine eigene Firma für Filmproduktionen und Stunt-Koordination. Als Spezialist für Film- und TV Produktionen im Flugbereich zählte die Firma rasch einige große Namen zu ihren Kunden, darunter auch den bekannten Modedesigner und Filmemacher Willy Bogner. Bogner beauftragte Airpro damit, einen Audi für eine Szene in dem von der Kritik hoch gelobten IMAX-Film “Ski to the Max” zum Fliegen zu bringen. Hannes koordinierte den spektakulären Stunt, für den das Fahrzeug an den größten Sport-Paragleiter der Welt gehängt wurde.

Wenige Jahre später drückte Hannes der Gleitschirm-Szene erneut seinen Stempel auf, als er mit Red Bull X-Alps einen knallharten internationalen Wettbewerb organisierte. In diesem außergewöhnlichen Rennen gegen die Zeit hatten die besten Gleitschirmpiloten der Welt die gesamten Alpen von Österreich bis Monaco ausschließlich zu Fuß und in der Luft zu durchqueren. Modernste Medientechnologien und ein Live GPS Tracking System erlaubten den Fans, das Rennen sieben Tage die Woche rund um die Uhr online mitzuverfolgen. Red Bull X-Alps etablierte sich schnell als eines der extremsten Adventure Races der Welt und wird 2011 erneut ausgetragen.

Trotz seiner zunehmenden geschäftlichen Aktivitäten baute Hannes auch seine sportliche Karriere kontinuierlich aus. Im Jahr 2000 wagte er zusammen mit Ueli Gegenschatz als erster einen B.A.S.E Jump von der gewaltigen, 1800m hohen Nordwand des Eiger, einem der beeindruckendsten Gipfel der Schweizer Alpen. 2003 machten sich Arch und Gegenschatz erneut auf, um eine weitere Nordwand bergab zu bezwingen, nämlich die des Matterhorns. Auf dem berüchtigten Gipfel mit Europas höchstem „Exit“ blieben den beiden Extremsportlern nur zwei Sekunden um ihre Schirme zu öffnen.

Wie schafft es dieser erstaunlich bodenständige Mann, seine Karriere als Extremsportler mit der eines Unternehmers zu vereinbaren? “Am Ende geht es einfach um Ehrlichkeit, auf dem Boden zu bleiben und sich selbst treu zu bleiben”, erklärt er. “Ich versuche die Dinge, die ich liebe, mit Projekten, von denen ich überzeugt bin, zu verbinden. Bei allem was ich tue ist mir wichtig, dass ich mit dem Herzen dabei bin.”

NEWCOMER ALS SENKRECHTSTARTER

Vom Bergsteigen und Klettern bis Paragleiten und B.A.S.E Jumping hat Hannes nichts ausgelassen. In seiner neusten Leidenschaft, dem Kunstflug, war er jedoch ein relativer Newcomer. Im Jahr 2003 kaufte er eine Edge 540 und begann an Flugshows und Kunstflug-Events in ganz Europa teilzunehmen. Im selben Jahr wurde ihm die Leitung des Red Bull Air Race in Zeltweg übertragen und beim zweiten Event in Budapest war er zusammen mit den weltbesten Kunstflugpiloten als Testpilot mit dabei. Auch in den Jahren 2004 und 2005 übernahm er wieder die Funktion der Rennleitung und spielte eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der schwierigen Rennstrecke und bei der Entwicklung des Reglements. Aber den talentierten Newcomer hielt es nicht lange hinter den Kulissen. 2006 begann er ein hartes Training mit dem bekannten französischen Piloten Patrick Paris, der Hannes als “einen der talentiertesten und vielversprechendsten Piloten” mit dem er je gearbeitet habe bezeichnet. Unter Patricks Betreuung gelang Hannes 2006 eine Top-Platzierung bei den Europäischen Kunstflugmeisterschaften in der Schweiz. Als Newcomer beeindruckte er sowohl seine Gegner als auch die Judges mit seinem aggressiven Stil und erreichte den ersten Platz in der Kategorie Freestyle.

Als Neuling unter lauter Veteranen gab Hannes zu, dass er noch eine Menge zu lernen hat. “Unter allen Extremsportarten, mit denen ich mich in den letzen 20 Jahren beschäftigt habe, stellt der Kunstflug physisch und psychisch weitaus die größten Anforderungen.“, meint er. „Man kann sich absolut keine Fehler leisten und muss seine eigenen Grenzen genau kennen.“ Zu seinem Glück scheinen seine Grenzen sehr weit gesteckt zu sein. Und er kämpfte hart. Doch trotz eines starken Auftakts mit Platz vier im erst zweiten Rennen der Saison in Rio de Janeiro erwies sich die Spekulation über einen möglichen Titelgewinn im ersten Rennjahr als voreilig. Die Saison 2007 sollte sich jedoch als eine extrem wichtige Lernkurve in der Air Race-Karriere des Österreichers herausstellen, bei der Arch den besten Piloten der Welt hautnah zuschauen und wichtige Tipps bekommen konnte.

Gerade zum Saisonbeginn 2008 machte sich diese Erfahrung des Vorjahres mehr als bezahlt: Beim ersten Stopp der Saison in Abu Dhabi (VAE) sorgte Arch für eine Sensation mit Platz zwei – seinem ersten Podestplatz beim Red Bull Air Race. Glückstreffer? Von wegen! Arch dominierte die Serie 2008 mit Top-Platzierungen bei allen acht Rennen des Jahres, darunter Platz eins in Budapest (HUN) und Porto (POR). Beim Saisonfinale in Perth (AUS) kam die Krönung einer atemberaubenden Saison: der Weltmeistertitel 2008. Während der ganzen Red Bull Air Race World Series 2008 durfte Arch nur einmal nicht aufs Stockerl klettern – und auch dann feierte er einen souveränen vierten Platz in San Diego (USA).

Nach einer so dominanten Saison in der schnellsten Motorsport-Serie der Welt im Jahr 2008 waren die Erwartungen vor der Red Bull Air Race World Championship 2009 so hoch wie noch nie. Beim traditionellen Saisonauftakt in Abu Dhabi (VAE) bewahrte der amtierende Weltmeister jedoch in der Hitze der Wüste einen kühlen Kopf und siegte souverän. Nur eine spektakuläre Vogelkollision beim nächsten Stopp der Saison in San Diego (USA) konnte einen Doppelsieg des Österreichers verhindern – Arch musste sich mit Platz drei zufrieden geben. In Windsor (CAN) belegte er mit zwei Strafsekunden wegen Incorrect Level den vierten Platz. Auch in Budapest (HUN) - vor „Heimpublikum“ konnte Arch - nur Platz vier belegen, und ein paar Wochen später im Hafen von Porto (POR) setzte sich Bonhomme im direkten Duell gegen den Österreicher durch und übernahm erstmals in der Saison 2009 die Führung in der WM- Gesamtwertung. Wie bereits 2008 sollte der Kampf um den WM-Titel beim letzten Stopp des Jahres entschieden werden – vor dem Rennen lag Bonhomme vier Punkte vor Arch. Der Österreicher kassierte in der Folge sechs Strafsekunden, Bonhomme siegte souverän vor 1,2 Millionen Fans am Strand von Barcelona. Arch sicherte sich Rang zwei in der WM-Gesamtwertung.

Neues Jahr, neuer Anlauf: 2010 begann turbulent und war geprägt von unerwarteten und für Hannes Arch unglücklichen Fügungen und Ereignissen. Auf eine fragwürdige Disqualifikation zu Saisonbeginn in Abu Dhabi (VAE) folgten fulminante Siege in Perth (AUS), beim Abbruchrennen (starker Regen) in Rio de Janeiro (BRA) und Windsor (CAN). Beim Saisonhighlight in New York (USA) folgte ein Rückschlag. Nach einer hervorragenden Rennwoche – durchwegs die schnellsten Zeiten – parkte Arch seinen Rennflieger im Finale nach einem Pylon-Hit nur am vierten Rang. Wenige Wochen nach dem verpatzten Lauf in der Millionenmetropole schlug der 43-Jährige am Lausitzring (GER) mit einem Sieg zurück. Auf Platz 1 in der Top-12-Runde folgte Rang 2 in der Runde der schnellsten acht Piloten. Doch auch Bonhomme schaffte den Sprung ins Finale der besten vier Piloten. Um dem Briten den Titel wegzuschnappen, hätte Bonhomme in Deutschland nicht über Rang 6 hinauskommen dürfen. Am Ende belief sich der Punkterückstand auf vier Zähler.

In einer packenden Saison waren für Arch vier Siege von sechs Rennen nicht genug, um zum zweiten Mal den WM-Titel bei der Red Bull Air Race World Championship 2010 holen. Doppelweltmeister Bonhomme konnte 2010 zwar nur zwei Stopps für sich entscheiden, doch seine Konstanz machte sich bezahlt.

Arch: „Ich habe 2010 vier Mal gewonnen. Vor Hunderttausenden Fans und gegen die besten Piloten der Welt. Ich hatte eine wirklich gute Zeit. Nach der Disqualifikation beim ersten Rennen in Abu Dhabi hätte ich niemals gedacht, dass wir noch vier Stopps gewinnen können! Es mag ein wenig verrückt klingen, aber das war meine bisher beste Saison in der Red Bull Air Race World Championship.“


Wenngleich das Red Bull Air Race nun eine Pause einlegt, findet man Hannes trotzdem in der Luft. 2006 hat er sich mit dem Helikopter Berufspilotenschein einen Kindheitstraum erfüllt. “So lange ich mich erinnern kann wollte ich immer lernen Hubschrauber zu fliegen”, erzählt er.“Es ist mir wichtig, mir die Faszination beim Fliegen zu bewahren, so dass sich die Sache nicht immer wie ein Job anfühlt. Man muss mit Leib und Seele dabei sein um die extremen Aspekte des Sports auszugleichen. Ohne diesen Spirit wäre das Fliegen sinnlos.”

Trotz seines dichten Terminplans ist der Freigeist aus der Alpenrepublik immer zu einer neuen Herausforderung bereit. In letzter Zeit findet man ihn des Öfteren auf einem Surfbrett mitten im Pazifik. Wenn er gerade mal „am Boden“ ist, verbringt er einen Großteil seiner Zeit auf Hawaii, wo er Sonne und Wellen genießt, um seine Batterien für neue Projekte aufzuladen. Und davon hat der Österreicher viele in der Schublade.

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