RD_100220_HOTANDSALTY_0494_RW1 Foto: Ray Demski/Red Bull Photofiles.

In 850 Metern Tiefe suchten Julius Brink und Jonas Reckermann nach neuer Inspiration. Die Geschichte zweier Weltmeister und ihrer Tortur aus Schweiß und Salz.

„Zufriedenheit ist der Tod des sportlichen Erfolges.“ Dieser Satz stammt aus dem Mund von Beachvolleyball-Profi Jonas Reckermann (30). Mit seinem Partner Julius Brink (27) baggerte sich der Zwei-Meter-Hüne aus Köln 2009 zum Weltmeistertitel – gleich in der ersten gemeinsamen Saison. Die Red Bull-Athleten stellen für sich noch eine weitere Maxime auf. Sie lautet: Wenn du dich weiterentwickeln möchtest, handle außergewöhnlich. Konkret: Wenn du alle Arenen der Beachvolleyball-Welt kennst, suche nach neuen inspirierenden Orten.

„Die nächsten drei Jahre sind ein neuer Abschnitt in unserer Karriere“, sagt Abwehrspezialist Brink. „In der Vorbereitung wollten wir daher gezielt neue psychologische Reize setzen“, ergänzt Angreifer Reckermann. Leistung, Psychologie, Weiterentwicklung und Experimentierfreude. Ende Februar kumulierten diese vier Vorsätze in einer gemeinsamen Idee: Ein „Höllentraining“ am tiefsten Beachvolleyballplatz der Welt. Schwitzen und Baggern im Salzbergwerk, bei sommerlichen Temperaturen und umgeben von völliger Finsternis.

Schauplatz Merkers. Unter dem Thüringer 1.500-Seelen-Ort tut sich eine geschichtsträchtige Welt auf. Bis 1993 rackerten hier Bergmänner im weltgrößten Kalisalzwerk. Mehr als hundert Jahre lang gruben, sprengten und baggerten die Kumpel Stollen in den Boden. Hier absolvierten Brink und Reckermann am 20. Februar ihre Trainingseinheiten in 420 und 850 Metern Tiefe

Trainingsort 1, der Volleyballplatz und die Dunkelheit. Ein gelber Transporter stoppt im Bergwerk Merkers mitten in der Finsternis, 420 Meter unter der Erdoberfläche. Zwei Weltmeister, ihre Sparringpartner und ein halbes Dutzend Bergleute steigen aus. Dann geht das Licht an – Scheinwerfer sind ein kostbares Gut hier unten: Vor Julius Brink und Jonas Reckermann liegt der tiefste Beachvolleyballplatz der Welt. Die Trainingszeit ist doppelt kostbar hier. Die Weltmeister beginnen zu smashen, zu baggern und zu blocken. Einmal schießt ein scharfer Ball über die Grenze des Spielfeldes hinaus und verschwindet in der Dunkelheit. „Man kann diese Gedanken nie ganz ausblenden. Dass man sich so tief unter der Erde befindet. Das ist ein mystischer Ort“, wird Julius Brink später sagen.

Brink und Reckermann haben es bis an die Spitze geschafft, weil sie professioneller und härter arbeiten als die Konkurrenz. Konditions- und Mentaltrainer, Physiotherapeuten und Manager betreuen das Spiel- und Platzverhalten der beiden Weltmeister. „Wir setzen alles daran, bei den Olympischen Spielen 2012 in London auf unserem Zenit zu sein“, gibt Brink das Ziel vor. Der Weg bis zur Entzündung des olympischen Feuers wird hart und entbehrungsreich. Er beginnt bereits am 19. April mit dem Auftakt der Word Tour in Brasilia. 2010 steht außerdem die Heim-EM in Berlin am Programm. Das „Höllentraining“ ist für die Red Bull-Athleten ein Stein im Mosaik der Saisonvorbereitung. Es ist ein faszinierender Stein – ein außergewöhnlicher eben.

Trainingsort 2, Gewichte stemmen im Backofen. Schon seit einer Viertelstunde brettert der gelbe Lastwagen durch das unterirdische Höhlennetz von Merkers. Heute geht es noch tiefer. Brink und Reckermann stoßen in Regionen vor, in denen selbst im Winter sommerliche Temperaturen herrschen. 850 Meter unter der Erdoberfläche stoppt der Truck in einer Sackgasse. Es ist eine wunderschöne und superheiße Höhle. Knapp 30 Grad Celsius paaren sich an diesem Ort mit nur 35 Prozent Luftfeuchtigkeit. Eine trockene Hitze. Die Athleten laden ihr Trainingsgerät ab, und beginnen Gewichte zu stemmen. Im Backofen der Tiefe wechseln sich Kraft- mit Konditionsübungen ab. Sprints in der salzigen Hitze und Hanteltraining, ein vier Meter hoher Berg aus festem Salz wird zum Trainingsgerät – Sprungtechnik wird geübt.

Gegen 20 Uhr ist es Zeit aufzubrechen. Im Nachbarstollen gehen in einer Stunde 350 Kilogramm Sprengstoff hoch. Bergmann Uli gibt Gas. Für Julius Brink und Jonas Reckermann ist das „Höllentraining“ zu Ende. Der neue Karrierenabschnitt hingegen, hat gerade erst begonnen.

www.brinkreckermann.de


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