zarate_roittner GEPA pictures/Felix Roittner.

Red Bull Salzburgs neuer Mittelfeld-Zauberer Gonzalo Zarate über Maradonas Motivationsstärke, Selbstvertrauen am Ball und den Reiz argentinischer Grillpartys.

Willkommen in Salzburg. Wie geht es dir in deiner neuen Heimat?
Es ist herrlich, und ich bin von der Mannschaft sehr gut aufgenommen worden. Ich mag die wunderschönen alten Gebäude hier und schätze es, in einer Stadt zu wohnen und dennoch auch gleich in der Natur zu sein. Ich habe zwar noch nicht viel Zeit gehabt, mich umzusehen, aber ich will unbedingt auf die Berge rund um Salzburg.

Wie hast du dich bisher eingelebt? Ist deine Familie auch schon in Österreich?
Es geht mir sehr gut. Ich habe ein tolles Haus gefunden, und meine Frau und meine Tochter sind auch bei mir. Ohne die beiden würde es mir ja langweilig werden.

Wie bist du in Argentinien zum Fußball gekommen?
Fußball ist in meiner Heimat eine große Sache, und du bekommt die Liebe zu diesem Sport quasi in die Wiege gelegt. So war es auch bei mir. Ich habe von klein auf mit dem Ball gespielt und dann mit sechs Jahren angefangen im Verein zu kicken. Ich hätte mir zu dieser Zeit aber nie gedacht, dass ich jemals mit Fußball mein Geld verdienen würde, darum war es zu dieser Zeit auch nur ein lustiges Hobby. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, dass ich besser bin als die anderen. Ab dann habe ich mich auch richtig dahintergeklemmt
und jede freie Minute am Fußballplatz verbracht.

Du hattest aber auch jede Menge Konkurrenz in der eigenen Familie.
Ja, ich habe sechs Brüder, und als Kinder haben wir uns am Platz nichts geschenkt. Ich denke sehr gerne an diese Zeit zurück, weil wir so viel Spaß hatten. Aber es ist auch heutzutage noch so. Wenn ich in meine Heimat zurückkehre, treffen wir uns alle und spielen zusammen Fußball und tratschen über die guten alten Zeiten.

"Diego Maradona ist wie ein Bruder für die Spieler gewsesen." - Gonzalo Zarate

Wie hast du das bittere Aus der Argentinier bei der WM erlebt?
Ich habe natürlich wie alle Menschen in Argentinien mitgezittert, aber mir war eigentlich schon vor dem Turnier klar, dass wir nicht ins Finale kommen werden. Argentinien hat in der Offensive sehr gute Spieler, aber in der Verteidigung hat die Nationalmannschaft große Schwächen. Im Spiel gegen Deutschland haben sich diese dann auch offenbart, und wir sind fürchterlich untergegangen.

Der Vertrag von Diego Maradona wurde nicht verlängert. War dies die richtige Entscheidung?
Ich finde nicht. Diego ist für jeden Fußballer in Argentinien ein Vorbild. Er ist ein Nationalheld in meiner Heimat, und er konnte die Spieler perfekt motivieren. Taktisch und technisch war er wohl nicht die optimale Besetzung, doch dafür gab es andere; Diego war dafür wie ein Bruder für die Spieler.

Ist die WM 2014 ein Thema für dich?
Klar träumt jedes kleine Kind davon, bei einer Weltmeisterschaft spielen zu können, aber in Argentinien gibt es so viele herausragende Spieler. Da ist es nicht so einfach, in die Nationalmannschaft aufgenommen zu werden. Aber ich werde mein Bestes tun, um in Brasilien dabei sein zu können.

Wie sehr fehlt dir deine Heimat?
Am meisten fehlen mir meine Familie und meine Freunde. Aber ich spiele nun bereits seit 2007 in Europa und habe mich daran gewöhnt, weit weg von Argentinien zu leben. Dank Internet sehe ich sie zumindest „virtuell“ ab und zu, und meine Frau und meine Tochter geben mir die Stärke und mindern mein Heimweh. Leider schaffen wir es nicht, öfter als einmal im Jahr nach Argentinien zu fliegen, dafür ist die Wiedersehensfreude dann umso größer. Was mir aber auch fehlt, ist das argentinische Rindfleisch und diese großen Grillpartys, die wir in meiner Heimat jedes Wochenende zelebrieren.

Was ist der Unterschied zwischen der argentinischen und der österreichischen Mentalität?
Die österreichische konnte ich noch nicht so gut kennenlernen, daher habe ich nur den Vergleich mit der Schweiz. In Argentinien geht es etwas lockerer und stressfreier zu. Auch die Menschen nehmen das Leben einfach so, wie es grad kommt, und es geht nicht immer alles nur um Geld und Regeln. Ich bin aber froh, hier spielen zu dürfen und einen geregelten Tagesablauf zu haben.

"Ich bin auch privat ein Kämpfer, der immer gewinnen will." - Gonzalo Zarate

Wie sieht es mit deinen Deutschkenntnissen aus?
Noch nicht wirklich gut, aber ich habe schon Unterricht. Es ist natürlich nicht leicht für mich, neben dem Fußball eine neue Sprache zu lernen. Ich habe ohnehin wenig Freizeit, und diese will ich dann mit meiner Familie verbringen. Aber mir ist klar, dass ich Deutsch lernen muss, auch, um mich mit den Jungs im Team besser verständigen zu können. Mir geht es ein wenig ab, auch abseits des Platzes mit meinen Teamkameraden etwas zu unternehmen.

Wo liegen am Platz deine Stärken und Schwächen?
Ich denke, dass ich am Ball recht stark bin. Ich kann sowohl in der Offensive viel bewegen als auch defensiv den Ball halten und verteidigen. Auch mein Abschluss ist nicht so schlecht. Meine Schwächen liegen derzeit sicherlich noch im mentalen Bereich. Ich bin erst sehr kurz in dieser Mannschaft, und deshalb fehlt mir noch das Selbstvertrauen. Wenn ich den Ball bekomme, fühle ich mich teilweise noch etwas unsicher und habe nicht das blinde Verständnis mit meinen Mitspielern. Aber um ihre Laufwege zu kennen, muss man einfach eine Zeitlang zusammenspielen, dann funktioniert das schon.

Und im privaten Bereich?
Zu meinen Stärken zählt, dass ich sicherlich ein guter Familienvater bin. Meine Tochter und meine Frau sind die absolut wichtigsten Menschen in meinem Leben, für sie würde ich alles tun. Weiters bin ich auch im privaten Leben ein Kämpfer, der immer gewinnen will. Probleme sind da, um gelöst zu werden, und das nehme ich zumeist in die eigene Hand. Über meine Schwächen rede ich nicht gerne. Das ist wahrscheinlich meine größte Schwäche. Was ich sonst noch nicht allzu gut mache, müsst ihr bei meiner Frau erfragen.

Welche sportlichen Ziele hast du dir in Österreich gesteckt?
Der Meistertitel ist eigentlich Pflicht. Salzburg hat mich geholt, und ich möchte dem Verein auf jeden Fall die Titelverteidigung ermöglichen. International gehören wir sicherlich in die Champions League. Der Verein hat im Vorjahr gezeigt, dass man in der Europa League mit den Besten der Besten mithalten kann. Die logische Steigerung muss die Qualifikation für die Königsklasse sein.

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www.redbulls.com
 


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