Acht Stunden und 50 Minuten saß Sigi Grabner am zwölften Tag seiner Einmal bis ans Ende der Welt und retour-Tour im Sattel. Was der Snowboard-Gesamtweltcupsieger 2009 auf den 205 Kilometern von Comillas nach Etxebarria erlebt hat, erzählt er im folgenden Blog.
Nach dem heutigen Tag sind 2152 Kilometer – und damit genauso viele Euro – auf dem (Wings for Life-)Konto. Morgen geht’s über die Grenze nach Frankreich hinein. Ansonsten habe ich heute die Strecke retour an der Atlantikküste genommen und keine besonderen Vorkommnisse zu melden ... Außer, dass ich mir ein halbes Kilo extrem saftig ausschauende Birnen als Proviant gekauft habe und meine Verdauung davon besonders gut wurde und ich ein paar Mal unfreiwillig Pause machen musste ... Obwohl ich untertags sowieso immer Pausen zum Essen einlege oder an besonderen Orten stehen bleibe und genieße, wie schön es ist. Die Atlantikbucht von Laredo war so ein Ort. Fantastisch! Für die berühmten Höhlen von Altamira hier in der Nähe muss ich mir das nächste Mal Zeit nehmen, heute wollte ich das gute Radfahrwetter – nicht zu viel Sonne – ausnützen, um viele Kilometer zu machen.
Deshalb die Wahl der Küstenroute, doch mit dem schnellen Dahinrollen wurde es nichts! Denn auch die Küstenroute hatte ihre Tücken: Es geht ständig auf und ab, ein kleiner Hügel 200 Meter hinauf, dann wieder hinunter, der nächste kleine Hügel 300 Meter hinauf und so weiter. Und wenn in der Tagesabrechnung dann 2457 Höhenmeter herauskommen (ohne einen einzigen wirklichen Berg), dann war das Ganze kein so leichter Ausrolltag wie ich geplant hatte, sondern intensives Intervalltraining ... Trotzdem, es ist eine wunderschöne Radroute am Atlantik mit einem Traumblick aufs Meer, aber man darf sie nicht unterschätzen. Was ich sagen will: Es war ein Beißertag heute!
Rund um Bilbao gab es sehr viel Verkehr, die Region ist hoch industrialisiert und bevölkert, ich bin nördlich über Gernika (DAS berühmte Guernica) und Markina-Xemein ausgewichen. Zum Schluss habe ich mich circa 15 Kilometer lang verfahren, weil meine Karte andere Namensbezeichnungen hatte als die lokalen Ortsschilder. Inzwischen bin ich ja von Kantabrien in die autonome Baskische Provinz Euskadi gelangt. Die hier herrschende Sprachenvielfalt (manche Ortsschilder sind baskisch, manche baskisch/kastilian, manche nur kastilian) macht die Orientierung schwer und treibt ortsfremde Radfahrer zur Verzweiflung …
Wie immer baut mich spätestens am Abend die regionale Küche wieder total auf: Ich übernachte in einem traditionellen steinernen Landhotel mitten in der Landschaft, das früher eine alte Schmiede war, und sitze fast bis Mitternacht bei einem herrlichen frischen, extra für mich noch auf Holzgrill gebratenen Fisch – genau!
Sigi Grabner
Kommentare
Einen Kommentar hinzufügen