SchiesterNacht © Roland Bogensberger

Nach Platz zwei beim Sahara Race spricht Extremläufer Christian Schiester (42) über fette Nüsse, feiern mit Bier und Guglhupf – und wie man sich in einer Schneehöhle auf die australische Hitze vorbereitet.

Christian, wie lange wird dir die Sahara-Tour noch in den Knochen stecken?

Zwischen sechs und sieben Wochen. Obwohl ich bereits wieder trainiere, fühlt sich’s beim Laufen an, als wäre die Handbremse angezogen.

Ein Urlaub würde dir jetzt allemal zustehen ... Wie viele „echte Urlaubstage“ gönnt sich ein Christian Schiester eigentlich pro Jahr?

Keine. Für mich beginnt jeder Tag mit einem Lauf, bei dem ich mich auf den Tag mental vorbereite. Danach Medienarbeit im Büro, mittags und abends wieder ein Lauf … Training ist für mich wie Zähneputzen, alltäglich. Das ist vielleicht die Basis, warum ich auch mental immer stärker werde: Ich weiß, dass ich meine Hausaufgaben mache.

Das Training für Australien (April 2010), der dritten Station im 4 Deserts Cup, hat also schon begonnen: Was kannst du als Perfektionist nach dem Sahara-Abenteuer noch verbessern?

Na ja, zunächst werde ich den Schlafsack IM Rucksack festbinden. (Anm.: Der Verlust des Schlafsacks in der Sahara bescherten dem Steirer eine Zeitstrafe und schlaflose Nächte.) Das war schon eine schmerzvolle Erfahrung. Punkto Nahrung werde ich mehr Nüsse mitnehmen, also mehr fette Sachen und dafür auf das eine oder andere verzichten. Sehr bewährt haben sich auch die Red Bull Energy Shots. Ohne die laufe ich keinen Meter mehr durch die Wüste.

Und was kannst du beim Equipment verbessern?

Genug, denn es passiert immer wieder was. In der Atacama sind mir beispielsweise die Schuh-Gamaschen, die vor Sand schützen sollten, gerissen. Jetzt verwende ich ein neues Material, ein Gummi-Plastik-Gemisch, das besser funktioniert. Auch am Schuh selbst feile ich. Zurzeit wird für mich in Japan ein Schuh entwickelt, der nicht für den Handel bestimmt ist. Der wird in Australien erstmals zum Einsatz kommen. Dieses „Versuchskaninchen-Dasein“ ist ganz lässig und motiviert mich zusätzlich. Da muss man sehr penibel sein.

Schaut man sich eigentlich manches von der Konkurrenz ab?

Ich schau’ schon, aber ich schau nicht ab. Ich versuche da meinen eigenen Weg zu gehen. Wenn mich ein Italiener überholt, muss ich deswegen nicht am nächsten Tag die gleichen Socken anziehen. Außerdem: Was für andere gut ist, muss ja noch lange nicht für mich gut sein.

Bereitest du dich auf das Australien-Abenteuer anders vor als auf die Sahara?

Jetzt muss ich einmal über den Winter und die Kälte drüberkommen. Ich werde sehr viel Zeit in den Bergen verbringen, diesmal mit Tourenski. Ich werde mich auch oben im Schnee eingraben, einige Kerzen anzünden, bis alles zueist, und ein wenig die Einsamkeit üben. Das macht den Kopf frei fürs Training. Es ist so: Man kann auch in der Kälte für die Hitze trainieren. Ich habe ja auch für die Antarktis im Sommer trainiert und bin damals bei minus 37 Grad als Einziger übergeblieben. Australien wird allerdings – vom Terrain her – die härteste Probe im 4 Deserts Cup.

Zum engsten Favoritenkreis zählst du in Australien allemal ...

Ich komme natürlich mit einem absoluten Siegeswillen dorthin. Ich habe jetzt gesehen, dass es geht. Zugleich bin ich aber auch nur ein Mensch, dem jederzeit eine Verletzung oder ein Missgeschick passieren kann. Vorbereiten werde ich mich jedenfalls penibel, um topfit an der Startlinie zu stehen. Und abgerechnet wird dann im Ziel.

Letzte Frage: Wie feierst du eigentlich deine Erfolge?

Ich trinke ja grundsätzlich keinen Alkohol. Wenn ich ins Ziel komme, gönne ich mir den Luxus und trinke ein kaltes Bier. Aber eine wirkliche Feier ist für mich, wenn ich mich zuhause mit der Familie zusammenzusetze und einen Gugelhupf esse. Das ist eine der schönsten Belohnungen, die ich mir vorstellen kann.
 


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