Red Bulletin

The Art of Energy

JosPirkner

Jos Pirkner und seine fabelhafte Schau von Kraft und Bewegung.

Von der Gilde der bulgarischen Schafhirten abgesehen, sagt man den Berufen des Dirigenten und des Bildhauers die höchste Fitness-Quote bis ins hohe Alter nach. Die Herrschaften werden jenseits der achtzig erst so richtig lebendig. Für die Musiker mag er nicht reden, sagt Jos Pirkner, aber für die Bildhauer kann er schon sagen, dass Körper und Geist gleichermaßen so beansprucht werden, dass keiner davon je aus dem Training kommt. Das könnte für gesunde Lebenshaltung stehen, trotz zu viel Zigaretten und zu wenig Schlaf.

„Zuerst die Hirnarbeit, dann vierzig Tonnen Lehm“, sagt der Künstler, „das eine ist sinnlos ohne das andere.“

Vierzig Tonnen Lehm, wirklich? Mit wie vielen Gehilfen?
Geholfen werde ihm beim Hereinschleppen ins Atelier, und da ist zuerst das Eisengerüst zu machen mit dem, was er Hasengitter nennt, Leiter rauf, Leiter runter, da müssen aber schon längst die Proportionen erkannt, skizziert und umgesetzt sein, so viel also zum Hirn. Dann eben die appetitlichen 20-Kilo--Packungen, wie sie vom Lehmfabrikanten seines Vertrauens aus Italien kommen, es addiert sich auf zweitausend Ladungen im Lauf der Zeit. Dann geht jeder einzelne Batzen Lehm durch seine Hände, wird ans Gitter des Metallgerüsts geklatscht, modelliert, geklopft, strukturiert oder geglättet, mit einem Stück Holz als ein-zigem Werkzeug. Und wenn die fertige Bronze – Teil für Teil eines riesigen Ensembles – aus der Gießerei kommt, geht die Oberflächenbehandlung los, das Feilen, das Schleifen, das Schweißen und Flexen.

Ende nächsten Jahres wird die Bullenherde fertig sein und damit das „Architektur und Kunst“-Thema der Red Bull-Firmenzentrale in Fuschl abschließen. Es wird die größte Bronzeplastik Europas sein, nicht aus Absicht, es wird sich bloß nicht vermeiden lassen. Dies schon wegen der ganz normalen Mächtigkeit der Viecher, die da als Symbol für Energie aus einem Vulkan ins Freie drängen, hinterdrein die Lava, wenn man so will.

Denn der Übergang zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion ist fließend, wie immer bei Jos Pirkner, drum braucht man gar nicht zu versuchen, ihm ein Etikett aufzupicken, er steht für sich selber.

Bei der bisher größten Werkschau des Künstlers (sie läuft den ganzen August über im Salzburger Hangar-7) werden zum ersten Mal zwei der insgesamt vierzehn Bronzebullen zu sehen sein – Kunst auf der Höhe unserer Zeit, geschaffen aus teilweise uralter Technik mit archaisch anmutenden Ritualen, wenn etwa bei der Berliner Traditionsgießerei Noack das auf zwölfhundert Grad erhitzte Metall in die Form fließt. Die Noacks, in vierter Gießer-Generation, -nennen sich eine biodynamische Gießerei, alle Formstoffe kommen ohne umweltbelastendes Material aus. Selbst das verdächtig anmutende Silikon zerfällt wieder in sauberen Sand, ein leicht irritierender Gedanke für die Errungenschaften der Schönheitschirurgie, aber dort wird das hoffentlich irgendwie anders funktionieren.

Lies die ganze Geschichte in der August-Ausgabe des Red Bulletins.


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