kurier_svindal_spiess Foto: Erich Spiess/ Red Bull Photofiles.

Aksel Lund Svindal (27) ist Sonnyboy, Familienmensch und Goldmedaillengewinner. Ein Gespräch über Konkurrenzkampf im Ski-Zirkus und norwegische Mode-Sünden.

Manche Leute sagen, dass noch so viele Weltcup-Titel eine olympische Medaille nicht ersetzen können. Geht es dir genauso?
Nein. Ich glaube nicht, dass es uns Skifahrern so geht. Unser Weltcup ist groß und wichtig, speziell die Rennen in Österreich und der Schweiz. Olympische Spiele sind natürlich etwas Besonderes. Aber es wäre nicht dasselbe zu gewinnen, wenn man zuvor noch nie etwas gewonnen hat und nur ein „lucky race“ hingelegt hat.

Auf deinen ersten Titel im Gesamtweltcup folgte eine schwere Verletzung. Hast du dir jemals gedacht „So, das war’s jetzt!“, oder hast du immer damit gerechnet, wieder zurückzukommen und erfolgreich zu sein?
Ich wusste immer was ich wollte, nämlich in den Weltcup zurückkehren. Was ich während meiner Auszeit am meisten vermisst habe, war nicht das Gefühl zu gewinnen, sondern der Lifestyle und meine ganzen Freunde auf der Tour.

Du hast einen sehr skibegeisterten Background. Deine Familie muss sehr stolz auf dich sein.
Familie ist enorm wichtig, wenn man Skifahrer werden will. Wenn du aufwächst, brauchst du viel Hilfe beim Training, mit der Ausrüstung und so weiter. Ohne meine Familie hätte ich es nie soweit gebracht. Sie wissen, worum es im Skisport geht und deshalb genießen sie die Erfolge umso mehr.

Deine Großeltern waren, nachdem deine Mutter verstorben ist, ein wichtiger Faktor in deinem Leben. Schreibst du ihnen einen Teil deines Erfolges zu, weil sie dich als Kind unterstützt haben?
Wenn du zwei Kinder hast, die Ski fahren und du noch dazu nicht in der Nähe eines Skigebietes lebst, gibt es vieles, um das du dich kümmern musst. Als meine Mutter starb, war mein Vater plötzlich allein mit zwei Kindern, die sechs und acht Jahre alt waren und beide aktive Skifahrer waren. Er musste sich außerdem um seine Firma kümmern. Glücklicherweise sind wir eine enge Familie. Großeltern, andere Familien und Nachbarn haben uns unterstützt.

Welchen Beruf hättest du gewählt, wenn du kein Top-Skifahrer geworden wärst? Wärst du deinem Vater in die Geschäftswelt gefolgt?
Ich würde wahrscheinlich etwas ähnlich konkurrenzbetontes machen, bei dem sich das Pensum an Arbeit auch im Resultat umschlägt. Wenn es kein anderer Sport geworden wäre, dann ein Geschäft, in dem meine Bemühungen für den Erfolg ausschlaggebend sind.

Waren deine Familie und Freunde mit in Whistler um dich beim Feiern deiner Super-G-Goldmedaille zu unterstützen?
Ja, viele Familienmitglieder waren in Whistler – mein Vater und seine Frau, mein Bruder und mein Onkel, sowie die Tante und die Cousins aus Minnesota. Das war großartig.

Es gibt eine Facebook-Gruppe, welche die ausgefallenen Outfits der Norwegischen Curling-Mannschaft feiert. Dein Zeug ist auch ziemlich auffällig. Hat euch ein anderes Team zu diesen Farben inspiriert oder kam die Idee ganz woanders her?
Unsere Bekleidungsfirma kommt aus Japan. Ich glaube, irgendein japanischer Designer hatte einen Riesenspaß, als er unsere Hosen kreierte. Ich mag sie jedenfalls sehr.

Wie hart war es, sich nach den Olympischen Spielen wieder an den Weltcupzirkus in Kvitfjell (Norwegen) anzupassen? Hat der heimatliche Schnee geholfen?
Es ist immer schwer wieder durchzustarten, nachdem man so viel von sich selbst hergegeben und so etwas Großes wie die Olympischen Spiele erlebt hat. Der heimatliche Schnee in Kvitfjell hat geholfen, aber nach Olympia hatte ich ein wenig Schwierigkeiten wieder in den Rhythmus zu kommen, um auf meinem Level zu fahren.

Bei den nächsten Olympischen Winterspielen in Russland wirst du erst 31 sein. Glaubst du, dass du noch zwei Olympische Spiele in deiner Karriere schaffst?
(Lacht). Darüber denke ich überhaupt nicht nach. Jeder Tag ist für sich aufregend genug. Es gibt also keinen Grund so weit in die Zukunft zu denken.

Kjetil André Aamodt und du waren über Jahre hinweg Norwegens Aushängeschilder in Sachen Skisport. Gibt es zurzeit Talente, die in eure Fußstapfen treten könnten?
Kjetil Jansrud (der in Vancouver die Silbermedaille im Riesenslalom gewann, Anm.) wird sehr stark werden.

Du giltst als einer der Sunnyboys deines Sports. Wie schaffst du es, die Freundschaft zu deinen Rivalen beiseite zu lassen, wenn du dieselben Rennen wie sie gewinnen willst?
Man kann auch befreundet bleiben, wenn Olympiamedaillen oder Weltcuptitel auf dem Spiel stehen. Es geht darum, Respekt für die anderen Athleten und ihre Leistungen zu zeigen. Wenn dich jemand besiegt, weil du einen Fehler gemacht hast, dann hast du die Schuld nur bei dir selbst zu suchen. Und wenn du dein Bestes gegeben und trotzdem nicht gewonnen hast, ist es fair. Irgendjemand war dann besser als du. Deshalb musst du noch mehr trainieren und vielleicht auch von den anderen lernen.

www.aksellundsvindal.com


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