Nach zehn Tagen auf seiner Einmal bis ans Ende der Welt und retour-Tour hat Sigi Grabner bereits 1754 Kilometer zurückgelegt und damit ebenso viele Euro für Wings for Life gesichert. Der aktuelle Blog des 34-jährigen Snowboard-Gesamtweltcupsiegers 2009.
Heute bin ich wieder etwas später gestartet – gut geschlafen – und habe glatt vergessen, mich gegen die Sonne einzucremen. Sie ist nämlich wieder da und brennt prall auf des Radfahrers Arme, Beine und Nase! Ich hatte sie schon gar nicht mehr auf der Rechnung.
Meine Strecke ging heute durch das Bergland im Nationalpark (Parque National de Somiedo) – eine wunderschöne vielfältige Landschaft, sehr wild, verwittert, Felswände für Kletterer, daneben üppigste Vegetation und Laubbäume. Ich konnte einige Kilometer fürs Konto sammeln, weil ich lieber die verwinkelten Seitentäler entlang fahre statt auf den geraden Straßenstrecken dahinzupfeifen. Dort wird es schnell langweilig. Dabei waren die zwei Berge, die ich heute hinter mir habe, echte Herausforderungen. Der eine knapp 1100 Meter, der andere 1300 Meter hoch – keine nennenswerten Höhenmeter. Das fahren wir in den Alpen ganz locker … ja, das dachte ich auch. Sie stellten sich als kerzengerade Rampen heraus, mit einer Steigung von 15 bis 20 Prozent und das acht beziehungsweise zehn Kilometer lang hinauf! Ich musste die ganze Zeit stehend treten, so unglaublich steil und so unglaublich aggressiv waren diese Kantabrischen Zwerge. Und schauen so harmlos aus, das täuscht gewaltig. Unterschätzt mir nicht die Kleinen!
Auf der letzten Abfahrt von Pola nach Mieres del Camino sauste ich noch schnell über eine rote Ampel (war grad so schön im Schwung) und prompt holte mich 200 Meter weiter eine Polizeistreife mit Blaulicht ein und stoppte mich. Die „Guardia Civil“ wollte meinen Ausweis, por favor. Ich zeigte meinen Pass her, und der Polizist schaute sich ewig lang die vielen Stempel von den vielen Ländern an, die sich in neun Jahren Weltcup so ansammeln. Er glaubte, ich wäre auch da überall schon mit dem Fahrrad gewesen und klopfte mir begeistert auf die Schultern. Ich klärte ihn auf, aber auch meine Snowboardkarriere begeisterte ihn sehr, und ich habe einen Freund gefunden.
Spät noch gemütlich lang und gut essen, ist spanische Lebensart, und ich genieße das sehr. Ich esse am Abend immer Riesenportionen, die Teller sind quasi leer geschleckt, jede Köchin hat ihre Freude mit mir! So eine Tour wäre ja ohne verstärkte Nahrungsaufnahme überhaupt nicht möglich. Daher esse ich auch untertags ständig und kaufe unterwegs regelmäßig Nachschub. Vor den beiden heutigen Pässen habe ich das Wundermittel entdeckt: zwei Red Bull nacheinander samt einer Ladung cacahuettes con miel (Erdnüsse mit Honig) – der reinste Turbo …
Sigi Grabner
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