Red Bulletin

Siena im Galopp

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Für zwei Tage im Jahr setzt die italienische Stadt die Gegenwart außer Kraft und fällt in einen ungezügelten Rausch, auf dem Rücken von zehn Pferden.

Siena, Piazza del Campo, 2. Juli 2010. Es ist Abend, zwanzig ­Minuten nach sieben, und 20.000 Menschen drängen sich auf diesem wunderbaren, muschelförmigen Platz. An dessen einem Ende rangeln neun Pferde und deren Reiter um ihre Positionen, stoßen und bedrängen einander, die Reiter auf dem nackten Pferderücken setzen Knie und Ellbögen ein. Zwei gespannte ­Seile ­begrenzen den Startbereich. Vom hinteren Seil abgetrennt ein zehntes Pferd, nervös wie sein Reiter. Die Menge schaut zu, ­gespannt, aufgeregt.

Der mossiere bedient das vordere Seil. Er startet das Rennen, sobald das zehnte Pferd sich durch eine Gasse geschoben hat,
die sich neben dem hinteren Seil auftut, und gleichzeitig die ­anderen neun Rösser korrekt postiert sind. Doch noch herrscht Chaos, also zwingt der Mossiere alle Reiter noch einmal aus dem Geviert. Nach einer Runde geht’s zurück. Wieder wird gestoßen und geschubst. Wieder müssen alle heraus. Mal um Mal wiederholt sich dieses Spiel. Der Geräuschpegel der Zuschauer steigt mit jedem dieser Manöver, fällt als Echo zurück auf die Piazza. Letztes Jahr dauerte es zwei Stunden, den Palio zu starten.

Ich ahne, woran es liegt: Solange das zehnte Pferd sich nicht korrekt durch die Gasse schiebt und damit indirekt das Rennen startet, ist auch der Mossiere machtlos. Noch ein wesentlicher Faktor beeinflusst offensichtlich den Beginn: Die Reiter scheinen miteinander zu verhandeln, zucken mit den Schultern, schütteln die Köpfe, diskutieren angeregt. Offenkundig geht es dabei um Geld, viel Geld, und solange diese Verhandlungen nicht abgeschlossen sind, wird nichts passieren, wird sich keiner richtig aufstellen, und so lange nimmt auch das zehnte Pferd seine ­Position nicht ein.

Lies die ganze Geschichte in der August-Ausgabe des Red Bulletins.


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