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Sebastian Vettel: Eine Zehntelsekunde ist viel Zeit

Sebastian-Vettel (c) Getty Images


Die neue Formel 1-Saison steht vor der Tür. Am 17. März geht es los mit dem Grand Prix in Melbourne. Höchste Zeit also, Sebastian Vettel zum Gespräch zu bitten. Im Interview mit dem Red Bulletin plaudert der Dreifach-Weltmeister über sein neues Dienstfahrzeug, eine Reise nach Australien mit 10 Euro in der Tasche, seine Angst vorm Versagen und vieles mehr.


Wie fühlt sich der RB9 im Vergleich zum Vorgänger an?

Schon nach den ersten paar Runden beim Test in Jerez hatte ich mich an das neue Auto gewöhnt. Das ­Reglement hat sich gegenüber dem Vorjahr nicht allzu sehr ­verändert, insofern war die Umstellung nicht so groß. Wichtig ist, dass das Auto zuverlässig ist und funktioniert, auch Speed scheint da zu sein. In schnellen Kurven haben wir ein bisschen mehr Grip, das war von Anfang an auffällig. Ich glaube, dass es im Vergleich zum RB8 ein Schritt nach vorn ist.

Spürst du, ob du eine oder zwei Zehntelsekunden pro Runde schneller bist?
Abgesehen davon, dass wir das am Display im Auto ohnehin sehen: Ja. Eine Zehntelsekunde ist viel Zeit.

Spürst du unterschiedliche Geschwindigkeiten?
Eigentlich kaum. Der Wind ist leiser, als man denkt. Hören tut man eher die Motordrehzahl, die den Unterschied macht, aber der Motor klingt eben in jedem Gang gleich.

Nimm uns ein wenig im Rennauto mit: Was bedeutet es, wenn du nach dem Rennen sagst, dass du unterwegs deinen Fahrstil umstellen musstest?
Würde man all die Änderungen, die man während eines Rennens vornimmt, protokollieren, ergäbe das mehrere Seiten. Das muss man stark vereinfachen. Merke ich zum Beispiel, dass von einer Runde auf die nächste die Reifen nachlassen, heißt das, dass ich nicht mehr am gleichen Punkt bremsen kann, weil ich sonst rausfliege. Ich könnte jetzt langsamer werden, was ich aber nicht will. Daher muss ich die Situation mit jenen Parametern, die ich aktiv beeinflussen kann – Gas, Lenkung, Bremse, den technischen Verstellmöglichkeiten am Auto –, lösen. Das ist das Spiel, das wir spielen, Runde für Runde, Kurve für Kurve.
 


Es heißt, in der F1 würde man besonders schnell altern. Wie alt fühlst du dich?
Man reift im Motorsport definitiv schneller als in einem „normalen“ Leben. Man wird mit Entscheidungen und ihren Auswirkungen schneller und radikaler konfrontiert. Man reist und kommt rum, man erweitert zwangsläufig den Horizont. Außerdem hat man tendenziell mit älteren Menschen zu tun, während man als Student seine Erfahrungen eher unter Gleichaltrigen macht. Man ist darin geübt, Entscheidungen zu treffen. Wenn man so will, fängt das Erwachsenenleben als Rennfahrer früher an: Mit fünfzehn, sechzehn stellst du Weichen, die andere erst zehn Jahre später stellen müssen.

Wo ist deine Angstschwelle?
Das weiß man erst, wenn man in der Situation ist. Im Auto wägt man das Risiko auf Basis seiner Erfahrungen ab. Wenn man sich entschließt, ein Risiko zu nehmen, besteht eher die Angst, dass das Manöver in die Hose geht, dass man „versagt“. Diese Angst ist aber gut, sie macht dich wachsamer.

Hat sich dein Bild von Michael Schumacher gewandelt, seid ihr gegeneinander gefahren seid?
Neben Senna war natürlich auch Michael mein Held. Jetzt sehe ich eher den Menschen Michael im Vordergrund, nicht den Rennfahrer. Auf einer sportlichen Ebene war es natürlich wahnsinnig toll, gegen ihn zu fahren.

Wie viel Bargeld hast du so eingesteckt?
Irgendwas zwischen null und 400 Euro, je nachdem, wie lang mein letzter Besuch beim Geldautomaten her ist. Ich hab gern ein wenig Bares in der Tasche, trotz Kreditkarte. Am Getränkeautomaten in Japan oder am Parkautomaten hilft dir die unter Umständen nämlich wenig. Dass ich mit zehn Euro in der Tasche nach Australien fliege, ist eher die Ausnahme, aber schon vorgekommen. Allerdings kam ich mit diesen zehn Euro damals auch wieder nach Hause.

Deine letzte Investition über 100 Euro …
… war ein Nass-/Trockensauger für den Garten.


Wie wäre das Leben von Sebastian Vettel ohne Formel 1 verlaufen? Welcher WM-Titel war der schwierigste? Und wer macht im Hause Vettel eigentlich das Frühstück? Alle Antworten gibt es im großen Vettel-Interview in der aktuellen Ausgabe des Red Bulletin.
 

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