Die Wüste hat ihn wieder: Am vierten Tag nach seiner Ankunft hat sich Christian Schiester aus Kairo verabschiedet und in die Weiten der Sahara aufgemacht – allerdings nicht ganz ohne Probleme …
Christian Schiester: Schon vor dem Rennstart hat mich Ägypten ziemlich in Atem gehalten. Gestern habe ich die Pyramiden von Gizeh besucht und bei Sonnenuntergang eine spontane „Bergetappe“ gestartet. Am „Gipfel“ der Cheopspyramide bot sich mir in tiefem Abendrot ein atemberaubender Ausblick über die Stätte des Weltwunders mitten zwischen dem Häusermeer Kairos und den Weiten der Sahara. Die Idylle war allerdings nur von kurzer Dauer. Die heraneilenden Polizisten waren von meinem Gipfelsturm weniger begeistert. Nur durch einen tiefen Griff in die Schmiergeldtasche konnte ich die Bekanntschaft mit dem hiesigen Gefängnis vermeiden.
Auch danach war an Ruhe nicht zu denken: Eine rasante Fahrt durch ein etwas düsteres Viertel, Schüsse in einer Seitengasse, ein stundenlanges Hubkonzert im nächtlichen Stau und schließlich noch eine ausgelassene Hochzeitsfeier bis in die Morgenstunden mitten im Hotel. Das konnte mich trotzdem nicht von meinem Schlaflager am Balkon abhalten: Auch wenn ich kaum ein Auge zugetan habe, konnte ich meinen selbst erdachten „Ultra-Light-Schlafsack“ – hauchdünn aus Seide inklusive Alu-Biwak – testen. Mit Erfolg: Zwar werde ich in den kalten Wüstennächten des Öfteren frieren, aber so erspare ich mir wieder etwas Gewicht und Platz in meinem Rucksack. Der wiegt jetzt übrigens neun Kilogramm, also um zwei weniger als im letzten Rennen.
Müde ging es am Morgen zum Equipment-Check, bei dem es, nach kurzer Diskussion über den Sinn meines Schlafsackes, grünes Licht gab. Etwa zu Mittag sind wir mit dem Bus in Richtung Sahara gestartet, um früh genug im ersten Camp, Farafra, einzutreffen. Aber auch dieses Mal meinte es das Glück nicht gut mit mir: Ein Motorschaden ließ uns drei Stunden am Straßenrand warten, insgesamt sind wir jetzt schon über elf Stunden unterwegs – von Schlaf auch weiterhin keine Spur!
Die Wüste kann ich durch das dunkle Fenster nur schemenhaft erkennen. Eines steht jedoch fest: All die Anstrengungen der letzten Tage, der Lärm, der Smog, der Verkehr und die Korruption hier haben eine große Vorfreude in mir geweckt. So konnte ich auch dieser Situation etwas Positives abgewinnen und werde hoch motiviert in ein langes, anstrengendes und definitiv heißes Rennen starten. Die erste Etappe trägt den viel versprechenden Namen „Arabic Night“ – ich bin daher schon sehr gespannt, was mich auf den fast 35 Kilometern erwartet.
Run on, Christian Schiester
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