schiester_etappe1 Roland Bogensperger/Red Bull Photofiles.

Extrem-Läufer Christian Schiester bloggt von seinem Trip durch die Wüste Gobi. Kapitel 3: Zittern im Zelt und gefährliche Streckenabschnitte.

Hallo!

Die erste Nacht in der Wüste hat wohl keinem der Teilnehmer Spaß gemacht. Im Zeltlager wurden wir von einem starken, kühlen Wind empfangen. Nach Sonnenuntergang fielen die Temperaturen auf 5°C, was den meisten Athleten eine ungemütliche Nacht bescherte. So waren alle froh, als wir am Morgen aus unseren Zelten krabbeln und uns an die Startlinie stellen konnten.

Von einem kleinen Dorf aus ging es unter den neugierigen Blicken der Einwohner los in die weiten Ebenen der Gobi. Über einen hart getrampelten Pfad führte uns der Weg vorbei an grünem Gestrüpp und einer kargen Landschaft. Mehrere Teilnehmer stürmten wie wild los und setzten sich vom Starterfeld ab. Ich hielt mein Tempo und fiel schnell einige Plätze zurück. Anfangs sorgte der Wind noch für willkommene Abkühlung. Nach etwa 15 Kilometern erreichten wir die ersten Hügelketten. Anspruchsvolle Steigungen trieben uns den Schweiß auf die Stirn. Diese Bedingungen liegen mir und ich konnte Platz um Platz aufholen.

Gefährlich steile Abwärtspassagen und Kletterstellen bremsten mich etwas ein. Mein verletzungsbedingtes Ausscheiden in Australien ist mir noch gut in Erinnerung, daher beschloss ich auf der ersten Etappe kein Risiko einzugehen und vorsichtig zu laufen. Nach 32 Kilometern erreichte ich mit einer Zeit von 03:21:40 als Zweiter das Ziel. Nur der Brite Dan Parr war in etwa fünf Minuten schneller als ich. Ich bin mit meiner Leistung heute sehr zufrieden. Ich hab schnell einen guten Rhythmus gefunden, mein Tempo gehalten und mich an der Spitze festgesetzt. Insgesamt haben wir heute über 600 Höhenmeter zurückgelegt und eine recht anstrengende Etappe absolviert.

Trotz des guten Auftakts gilt es aber weiterhin kühlen Kopf zu bewahren. Es ist erst ein Tag vorbei und noch liegen 218 Kilometer vor uns. Ich habe ein gutes Gefühl für dieses Rennen und genügend Energiereserven. Morgen werde ich daher locker starten und mich darauf konzentrieren keinen Fehler zu machen. Übrigens freut es mich, dass dieses Mal ein weiterer Österreicher am Rennen teilnimmt. Bernd Tritscher aus Saalfelden hat heute den hervorragenden neunten Rang belegt. Mit dabei ist außerdem ein alter Bekannter: Peter Osterwalder, der die Atacama 2009 auf Platz zwei beendete.

Run on, Christian Schiester


Koordinaten:
Nord 43°27‘32‘‘, Ost 88°49‘61‘‘

Ranking nach Etappe 1:
1. Dan Parr (UK)03:16:41
2. Christian Schiester (AUT)03:21:40
3. Jimmi Olsen (DEN)03:41:11
4. Johan Peterson (NZL)03:43:45
5. Chao Wei (CHN)03:44:35
6. Peter Osterwalder (SUI)03:45:00
7. Penbin Chen (CHN)03:49:51
8. Anders Jensen (DEN)03:57:30
9. Bernd Tritscher (AUT) 04:09:30
10. Ricky Paugh (USA)04:15:59

Schiesters Gobi-Tagebuch Teil 1: Stürmischer Empfang
Schiesters Gobi-Tagebuch Teil 2: Andere Länder, andere Sitten

www.christian-schiester.com
 


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