schiester_bogensperger Roland Bogensperger/Red Bull Photofiles.

Extrem-Läufer Christian Schiester bloggt von seinem Trip durch die Wüste Gobi. Kapitel 2: Die Abenteuer der chinesischen Küche. Von Running Sushi und winzigen Hunden.

Hallo!

Nach einer spannenden Anreise und einem stürmischen Empfang war es für Christian Schiester an der Zeit Ruhe einkehren zu lassen und sich mit den allgemeinen Gepflogenheiten in Urumqi vertraut zu machen. Schon nach kurzer Zeit stand fest: In China sind viele Dinge anders als in Österreich.

Eine kurze Dusche und ein Nachmittagsschläfchen ließen mich zwar die „Schrecken“ des Sandsturms schnell vergessen, die Nachwehen des Jetlags konnte ich aber noch nicht gänzlich ablegen. Dennoch beschloss ich, meinem immer stärker werdenden Hunger nachzugeben und machte mich auf den Weg – nicht in eines der sieben Restaurants unseres riesigen Hotels, sondern wieder zurück in die Stadt, um die örtlichen kulinarischen Spezialitäten kennen zu lernen.

Nach kurzer Suche fiel meine Wahl auf ein interessantes Restaurant, in dem mitten auf den Tischen ein Topf mit kochendem Wasser stand und daneben kleine Boote auf einem künstlichen Fluss vorbeischwammen – Running Sushi auf traditionell. Meine anfängliche Begeisterung wich schnell, als die Kellnerin meine Ratlosigkeit erkannte und ohne Kommentar ein ganzes Teller Fleischrollen in die Brühe schüttete. Der intensive Geruch und die eigentümliche Konsistenz machten mich skeptisch. Meine Gedanken wanderten unweigerlich zu dem winzigen Hund, der mich Minuten zuvor lautstark auf dem Gehsteig attackiert hatte. Auf mein Nachfragen hin wurde mir aber freundlich erklärt, dass Hundefleisch hier nicht gegessen wird.

Ich machte mich auf die Suche nach anderen Gerichten, doch es wurde nicht besser. Fischköpfe, Schnecken, Pilze, Krebse und Oktopus-Tentakeln schwammen an mir vorbei. Der Inhalt in meinem Kochtopf wuchs schnell an, das Teller blieb aber bis auf kleine Kostproben fast leer. Bald war mir der Appetit vergangen und ich änderte den Menüplan auf ein einfaches Sesambrot um die Ecke. Eines steht also fest: Traditionelles Essen hier hat mit den Gerichten in österreichischen China-Restaurants absolut nichts zu tun. Geschmäcker sind eben verschieden.

Im Anschluss spazierte ich noch durch die Straßen der Stadt und verschaffte mir einen Überblick. Vor nicht einmal einem Jahr wurden bei Unruhen in Urumqi 184 Menschen getötet. Hintergrund dieser Tragödie sind die seit Jahren anhaltenden Spannungen zwischen der chinesischen Zentralregierung, der von ihr abhängigen Provinzregierung und den Autonomiebestrebungen der Uiguren. Davon merkt man heute nichts mehr, auch wenn auffallend viele stark bewaffnete Sicherheitsleute durch die Straßen patroullieren und die Beamten offensichtlich großen Respekt genießen. Dennoch ist die Atmosphäre freundlich, es herrscht emsiges Treiben auf den Straßen und die Leute sind trotz schlechter Englischkenntnisse aufgeschlossen und für ein Schwätzchen zu haben.

Bis bald mit dem nächsten Update aus China!

Christian Schiester

Schiesters Gobi-Tagebuch Teil 1: Stürmischer Empfang

www.christian-schiester.com


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