schiesterwueste Roland Bogensperger/Red Bull Photofiles.

Extrem-Läufer Christian Schiester bloggt von seinem Trip durch die Wüste Gobi. Kapitel 4: brennende Berge und eine bevorstehende Schlacht.

Hallo!

Heute standen wir bereits um 6 Uhr morgens an der Startlinie. Es waren sehr hohe Temperaturen vorhergesagt, daher wurde der Start vorverlegt. Im diffusen Licht ging es also viele Kilometer über Schotter und Geröll, die Bedingungen waren vorerst noch angenehm. Wie üblich stürmten Dan Parr und Chao Wei wieder voraus, ich folgte im Sicherheitsabstand von einigen Minuten.

Kurz nach dem ersten Checkpoint drehte die Route nach rechts ab direkt in die Flaming Mountains. Dieses „Gebirge“ bestehend aus lehmigem Sand und losen Steinen trägt seinen Namen aus zwei Gründen: Wegen des roten Untergrund sieht es so aus, als würden die Berge glühen und brennen. Außerdem ist es hier brennend heiß. Steine und Lehm reflektieren und speichern die Sonnenstrahlen, die Hitze steht flirrend über dem Boden.

Die Sonne stand mittlerweile sehr hoch und die Temperaturen klettern über die 40°C. Im Flimmern vor mir konnte ich den Chinesen und ganz klein auch noch den Engländer erkennen. Beide konnten nur mehr gehen, also beschloss ich eine Attacke zu starten. Nach vielen kräfteraubenden Kilometern über tiefen Sand und hohe Dünen war ich an Wei vorbei.

Es ging weiter zu einem feuerroten Hochplateau mit unzähligen winzigen Hügeln, durchzogen nur von kleinen Gräben. Wie im Slalom ging es über die Kuppen und zwischen ihnen hindurch, über mir nur noch der tiefblaue Himmel und Berggipfel in der Ferne. Die sirrende Hitze und das Flimmern der Luft versetzten mich in einen eigentümlichen Zustand. Nur noch meine tiefen Atemzüge und der sanfte Wind waren zu hören. Wie in Trance lief ich durch dieses Traumland – einer der schönsten Läufe meines Lebens! Nach Regen und trostlosem Terrain hat mich nun die Wüste endlich wieder!

Jan Parr kam bis zum Ziel nicht mehr in Sicht, als Zweiter erreichte ich nach 36 Kilometern mit einer Zeit von 03:38:50 das Ziel. Obwohl ich mit einem Tagessieg geliebäugelt habe – in der Sahara und Atacama habe ich jeweils die vierte Etappe gewonnen -, bin ich mit meiner Leistung sehr zufrieden. Der Engländer läuft bisher wie von einem anderen Stern und wird nur schwer zu biegen sein. Aber wir sind erst bei der Hälfte angelangt, noch liegen 121 Kilometer vor uns. Morgen wird die Entscheidung fallen: 99 Kilometer führen uns durch das Turpan Bassin, den heißesten Ort Chinas und den zweittiefsten Punkt der Welt. Bei -150 Metern Seehöhe werden Temperaturen von über 50°C erwartet. Vor uns liegt eine wahre Schlacht, die weit über zehn Stunden dauern wird. Ich werde zu Beginn wieder mein eigenes Tempo gehen, aber dann gibt es nur mehr eines: Angriff!

Bis dahin werde ich mich so gut es geht regenerieren. Das Camp befindet sich in einer wunderschönen, alten Tempelanlage, gebaut aus Lehm und Holz, eingebettet in diese traumhafte Wüstenlandschaft.

Run on, Christian Schiester

Koordinaten:
Nord 42°56‘89‘‘, Ost 89°32‘67‘‘

Ranking nach Etappe 4:
1. Dan Parr (UK) 11:34:40
2. Christian Schiester (AUT) 12:24:45
3. Johan Peterson (NZL) 13:39:26
4. Anders Jensen (DEN) 14:08:35
5. Chao Wei (CHN) 14:41:03 (inklusive Zeitstrafe 1:00:00)
6. Bernd Tritscher (AUT) 14:41:23
7. Jimmi Olsen (DEN) 14:44:17
8. Penbin Chen (CHN) 15:03:05 (inklusive Zeitstrafe 1:15:00)
9. Brian Lang (CAN) 15:29:32

www.christian-schiester.com
 


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