João Barbosa © Red Bull Photofiles

João Barbosa kennt die Red Bull Music Academy aus allen Perspektiven. Im Interview erzählt der Produzent von Buraka Som Sistema über den Vibe von London, Theremine und dezentes Sampling.

Das portugiesische Soundsystem Baraka Som Sistema war in den letzten Jahren überall dort zu hören, wo die wildesten Partys im Sinne der neuen World-Music gefeiert wurden: angolische Rhythmen, bekannt als Kuduro treffen auf Baile Funk, HipHop und Rave-Sirenen. Für das Album „Black Diamond“ darf sich João Barbosa sogar einen MTV Europe Music Award in sein Studio stellen. Er ist für die wilden Beats der Truppe verantwortlich und ist in London bei der Red Bull Music Academy im Studio-Team.


Du warst schon 2002 als Teilnehmer bei der Red Bull Music Academy dabei und bist jetzt im Team. Was hat sich all diese Jahre über verändert?
Nichts und alles. Es ist immer noch derselbe großartige Vibe. Es gibt noch immer dieselbe Ansprache am Anfang. Dann ist aber alles anders. Vor acht Jahren in São Paulo war die Academy noch sehr auf DJs ausgerichtet, was mich damals sehr gestört hat. Ich komme aus der Producer-Ecke und hab erst später mit dem Auflegen begonnen und war etwas unterfordert dort.

Für dich hat sich in den Jahren danach mit deinem Projekt Buraka Som Sistema viel getan.  Letztes Jahr bist du als Vortragender wieder zurückgekommen.
Ja, wir haben in Barcelona eine Lecture gehalten. Es war schön zu sehen, wie das alles gewachsen ist in den Jahren. Jetzt sind hier Musiker, Producer und alle arbeiten miteinander. Also viel mehr, so wie ich mir das vorstelle.

Und was ist jetzt deine Rolle in London?
Ich bin im Studio-Team. Das heißt, ich betreue die acht kleinen Studios, die es gibt. Dort arbeite ich mit den Teilnehmern an deren Sachen, helfe ihnen, wenn es wo Probleme gibt oder mache einfach Beats. Es ist super, weil ich im Studio sein kann und nicht für meine Projekte arbeite, sondern ganz andere Dinge mit Leuten mache, die ich sonst nie getroffen hätte.

Zum Beispiel?
Es ist eine extrem gute Theremin-Spielerin da. Ich habe noch nie mit diesem Instrument gearbeitet.

Was kann man in dieser Zeit wirklich lernen?
Sehr viel. Viele Teilnehmer haben zum Beispiel noch nie mit Logic gearbeitet und fangen hier an. Das ist ein kompliziertes Programm und ein wichtiger Schritt, wenn man professionell arbeiten will.

Wie schaut dein Tag so aus?
Heute habe ich zum Beispiel ausnahmsweise für Buraka Som Sistema was gemacht. Ich arbeite an einem Track und verwende dabei ein Sample. Das Label, „Made Decent“, will aber dass ich es herausnehme, weil sie es nicht lizensieren können und wir so Probleme bekommen könnten. Jetzt haben ich einfach jemand gesucht, der mir möglichst gut das Original nachsingen kann. Das ist das gute hier, es gibt Dutzende sehr gute Leute.

In ein paar Tagen ist der erste Teil der heurigen Red Bull Music Academy vorbei. Was steht noch an?
Jetzt müssen alle ihre Tracks fertig machen und es wird hektisch.

Die Lecture von Buraka Som Sistema bei der Red Bull Music Academy 2009 in Barcelona gibt es hier zu sehen, einen Mitschnitt von ihrem Auftritt im Club Cargo in London ist auf Red Bull Music Academy Radio hier zu hören.

 


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