Oliver Stone empfing The Red Bulletin zum Interview nach einer harten Nacht. Aber die Regie-Legende war ausreichend erfrischt vom Tischtennis, um sehr farbig über seine Recherchen im Drogenmilieu zu berichten, seine Zeit in Vietnam, den Zorn der Jugend und Buddhismus.
The Red Bulletin: In Ihren Klassikern – von „Platoon“ bis „Wall Street“ – waren die Protagonisten Alter Egos des jugendlichen Stone. Gilt das auch für die Drogendealer aus „Savages“?
Oliver Stone: Diese Figuren haben nichts mit mir gemein. Abgesehen davon, dass ich in meinen jüngeren Jahren ein wenig so wie sie hätte sein können. Ich trug die gleiche Gewalttätigkeit in mir, und ich mag Dope – ich meine, ich mochte Dope. Ich identifiziere mich als Regisseur mit meinen Charakteren. Aber das war nicht mein Lifestyle, ich habe das nie gemacht.
Sie kamen nie in Versuchung, in diese Welt hineinzuschnuppern?
Jetzt, da ich als dramatischer Erzähler etabliert bin, kann ich sagen: Als junger Mann tat ich alles, um zu überleben, auf dieser und jener Seite des Gesetzes. Als ich 25 war, fuhr ich Taxi, ich machte allen möglichen Scheiß, um mich über Wasser zu halten. Nur so konnte ich zwei Drehbücher pro Jahr schreiben – in der Hoffnung, den Durchbruch zu schaffen. Aber ich habe viel von jener Zeit vergessen.
Warum haben Sie Dope aufgegeben?
Ich will von nichts süchtig werden, ich will kein Sklave sein.
Das Bild der Drogenwelt in „Savages“ ist trotzdem beängstigend realistisch.
Wir stellten ja auch haufenweise Recherchen an. Wir bauten ein echtes Gewächshaus für das Dope, wir sprachen mit Agenten der Drogenbehörde DEA und mit den Mexikanern. Außerdem verbrachte ich, wie schon bei „Scarface“ (Stone schrieb das Drehbuch zu Brian De Palmas Klassiker; Anm.), einige Zeit mit den Leuten von der anderen Seite des Gesetzes.
Sie meinen die Drogenkartelle?
Ja. Während der Proben mit den Schauspielern holten wir ein paar wichtige Drahtzieher des Drogengeschäfts dazu – Experten für Geldwäsche, Männer fürs Grobe, eine Frau, die mit einem Topdealer zusammen gewesen war. Mit Benicio del Toro (im Film der Führer eines Drogenkartells, Anm.) und meinem Produzenten Fernando Sulichin fuhr ich nach Tijuana, um eine der großen Nummern zu treffen.
Wen meinen Sie?
Das kann ich nicht sagen. Kein Kartellboss, aber er war ein wichtiger Geldwäscher.
Wie haben Sie diese Leute gefunden?
Wir hatten viele lateinamerikanische Verbindungen – aus der Zeit, als ich meine Dokumentationen über Fidel Castro und Hugo Chávez drehte. Nicht, dass die uns Namen genannt hätten. Aber jemand meinte: „Da gibt es diesen Kerl in Tijuana, der mit einem Kartell zusammenarbeitet.“ Ein faszinierender Typ; wir trafen ihn, und er stellte uns anderen Leuten vor. Wir mussten aber ein paarmal hinreisen, um sein Vertrauen zu gewinnen.
Was mussten Sie dafür tun?
Beim ersten Mal verlief das sehr formell. Beim zweiten Mal tranken Benicio, Fernando und ich mit ihm 25 Gläser Tequila zum Lunch, wobei ich mich überhaupt nicht betrunken fühlte. Im Lauf des Tages brachte er uns in eines seiner Büros; überall liefen Chihuahuas umher. Im Hinterzimmer stellte er den Tequila her – nach einer Formel, die ein alter Chinese entwickelt hatte. Da waren Taranteln drin, Skorpione, Klapperschlangen, eine Kobra, Stierpenisse – widerlich, aber all das kommt in diesem großartigen Tequila zusammen.
Lesen Sie das ganze Interview mit Oliver Stone in der Juli-Ausgabe des Red Bulletin.

Red Bulletin: „Ich habe ein Recht wütend zu sein“