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Red Bull Stratos nähert sich mit Riesenschritten seiner Verwirklichung! Die Luft- und Raumfahrtexperten der Mission haben die Resultate der Testsprünge bekanntgegeben. Felix Baumgartner ist zufrieden und doch etwas besorgt.

Landung gelungen. In der letzten Mai-Woche konnte das Red Bull Stratos-Team drei wichtige Tests durchführen:

• Den Absprung aus der Druckkapsel
• Bungee-Sprünge im Druckanzug, um den Absprung einzustudieren
• Skydives aus 8.000 m im Druckanzug

Absprung aus der Druckkapsel. Im Sage Cheshire Aerospace in Lancaster in Kalifornien wurde die Druckkapsel an einem 40.000-Tonnen-Kran befestigt, um ihre Aufhängung am Ballon zu testen. Mit dieser Simulation prüfte das Projekt-Team, wie die Druckkapsel auf Baumgartners Bewegungen reagiert und ob diese Reaktionen seinen Absprung gefährden können.

Schon die geringste Drehung bei einem ungenauen Absprung könnte nicht nur Baumgartners Ziel verhindern, als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer zu durchbrechen, sondern auch zu einem gefährlichen „Flat spin“ führen, sobald der Österreicher eine Schicht mit höherer Luftdichte erreicht.

„Wir wussten noch nicht, ob die Kapsel stabil bleibt, wenn er den Sitz nach vorne schiebt, aussteigt und abspringt“, sagte Luke Aikins, Luftstratege und Skydiving-Berater bei Red Bull Stratos. „Aber das schaut nach dem Praxistest sehr gut aus.“

Bungee-Sprünge im Druckanzug. Geradezu surreal mutete die Szenerie beim nächsten Test an. Eine Gruppe herausragender Luftfahrtexperten und Testpiloten versammelte sich in einem verlassenen Jahrmarktsgelände, um eine Weltpremiere mitzuerleben: Einen Bungee-Sprung mit Druckanzug und Helm.

„Felix bekommt dadurch ein Gefühl dafür, wie er abspringen muss und seine Vorwärtsrotation kontrollieren kann“, kommentierte Art Thompson, der Technische Direktor des Projekts.

Nach mehreren Sprüngen aus einem Korb, der in gut 60 Meter Höhe an einem Kran befestigt war, hatte Baumgartner seine Aussteigetechnik nahezu perfektioniert. „Es gibt immer noch eine Unbekannte: Was passiert mit meinem Körper, wenn ich die Schallmauer durchbreche? Nach diesen Tests sind wir was die Absprungtechnik betrifft einen Schritt weiter“, erklärte Baumgartner.

Neue Skydives aus großer Höhe. Zum Abschluss der Testwoche führte das Team über der Wüste von Perris in Kalifornien einige Skydives aus fast 8.000 Metern Höhe durch.

Ziel war es zunächst, einen sauberen Absprung aus dem Flugzeug zu erreichen. Außerdem wollte Baumgartner die Beherrschbarkeit des unter Druck stehenden Anzugs sowie verschiedene Körperpositionen im Flug beurteilen und ausprobieren, wie sich ein Druckabfall während des Flugs auswirkt. Schließlich testete er auch sein neues „Chest Pack“-System, mit einem eigenen Release-System, um bei der Landung freie Sicht zu haben. Baumgartners Technik und die verbesserte Ausrüstung harmonierten dabei perfekt.

„Bei jedem Test lernen wir dazu“, freute sich Baumgartner. „Jetzt gehen wir zurück ins Labor und entwickeln weiter an der Ausrüstung. Wir testen bis zur Perfektion und widmen uns dann den nächsten Schritten. Mit den Resultaten bin ich äußerst zufrieden.“

Der Blick nach vorn. In Ende Juli werden wir auf einer Air Force Basis in San Antonio, Texas, unsere gesamten Systeme, inklusiver der Kapsel, einer besonders intensiven Testreihe unterziehen. Dor werden Bedingungen in 36.500 Metern Höhe und Temperaturen bis zu minus 70 Grad Cesius simuliert. Sind die Ergebnisse positiv, folgen Ballonsprünge aus immer größeren Höhen.

Auch wenn Baumgartner mit den bislang erzielten Fortschritten sehr zufrieden ist, blickt er sehr besonnen und vorsichtig nach vorn: Trotz unzähliger technologischer Tests könne man einen menschlichen Fehler nie ausschließen. Daher gestand er ein: „Es kann immer etwas passieren, an das man vorher einfach nicht gedacht hat.“

Baumgartner gibt auch zu, dass er sich bei dieser Mission mit dem Thema Tod auseinandersetzt: „Ich habe überlegt, ob ich meine Mutter aus Österreich hierher bringen soll oder nicht. Wenn alles gut läuft, hätte ich sie liebend gerne an meiner Seite, weil meine Mutter dann natürlich die erste Person wäre, mit der ich sprechen möchte. Aber für den Fall, dass etwas schiefgeht, möchte ich sie definitiv nicht dabei haben. Ich will nicht, dass sie einen Unfall erlebt.“

Der ehemalige NASA-Crew-Chirurg Dr. Jonathan Clark, der als Medizinischer Direktor der Mission fungiert, geht an das Thema Risiko ganz nüchtern heran: „Wir haben mit Joe Kittinger einen Mann im Team, der 1960 einen ähnlichen Sprung geschafft hat. Wir haben erfahrene Testpiloten, wir haben hochkarätige Luft- und Raumfahrtexperten. Das wird kein Stunt; wir wollen vielmehr demonstrieren, dass eine Rettungsaktion außerhalb der Atmosphäre, freier Fall und Wiedereintritt in die Atmosphäre möglich sind.“

„Wir machen große Fortschritte“, sagte Baumgartner. „Schon bald werden wir unser Projekt umsetzen – daher ist es ein gutes Gefühl, perfekt vorbereitet zu sein.“

Dr. Clark betonte außerdem die Anwendungsmöglichkeiten, die sich aus den bei Red Bull Stratos gewonnenen Daten ergeben können: „Momentan ist das Rettungssystem des Space Shuttle auf eine Höhe von 30.500 Meter zertifiziert. Und warum? Weil Joe Kittinger aus dieser Höhe gesprungen ist. Es gibt viele Unternehmen, die sich als kommerzieller Raumtransporter für Touristen oder für Forschungen in der oberen Atmosphäre etablieren wollen. Diese Systeme brauchen, besonders in der Test- und Entwicklungsphase, ein Rettungssystem. Mit dem Know-how, dass wir uns hier aneignen, können wir ihnen hoffentlich helfen.“

www.redbullstratos.com

 


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