Red Bull Flying Bach

Red Bull Flying Bach: Tänzer Benny Kimoto im Interview

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Bald wirbeln die B-Boys in Wien zu Johann Sebastians Musik durch die Luft: Red Bull Flying Bach gastiert im Burgtheater. Mit dabei ist auch der Schweizer Tänzer Benny Kimoto. Wir trafen den 31-Jährigen zum Interview.

Du lebst schon seit 13 Jahren in Deutschland. Wie haben sich deine Wege mit denen der Flying Steps gekreuzt?

Ich bin nach Berlin und wollte dort ursprünglich zusammen mit einem guten Freund eine Tanzschule besuchen. Nach bestandener Aufnahmeprüfung, habe ich dann aber schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Zum Glück hat sich dann das mit den Flying Steps ergeben. Ich kannte die Crew schon vorher. Wir hatten immer wieder gegeneinander gebattelt. Ich bin dann ziemlich schnell aufgenommen worden und konnte Shows mittanzen. Die Flying Steps waren damals in das Musikprojekt Music Instructor involviert. Wir traten die ganze Zeit in Fernsehshows und auf großen Bühnen auf.

Ganz generell: Wie verdient man als B-Boy Geld?
Indem man eigene Shows entwickelt, an Galas auftritt, mit Sponsoren zusammenarbeitet oder Unterricht gibt. Wir haben im Jahr 2000 das Battle of the Year, den wichtigsten internationalen B-Boy Wettkampf, gewonnen. Das hat unseren Namen zusätzlich bekannt gemacht. Nach Music Instructor haben wir mit den Flying Steps dann auch selber Musik produziert.

Ihr macht das jetzt schon seit Jahren. Hat das Red Bull Flying Bach-Projekt da überhaupt einen besonderen Stellenwert?

Auf jeden Fall! Flying Bach hat das Ganze noch mal auf ein neues Level gebracht. Wir werfen dafür unsere ganze Erfahrung in die Waagschale, gehen alles hochprofessionell an. Sowohl vom Tänzerischen, wie auch von der Show her, ist etwas ganz Spezielles entstanden. Unsere ganze Energie ist derzeit auf die Show, auf eine gute Performance fokussiert. Wir wollen dem Publikum aber immer das Beste bieten.

Wie schwer war es, klassische Musik, Ballett und B-Boying zusammenzubringen?

Darauf werden wir immer wieder angesprochen. Viele denken, dass das extrem schwer war, weil Klassik ja überhaupt nicht mit HipHop oder Breakdance zusammenpasst. Aber das war für uns gar nicht so ein großes Thema. Die Meisten von uns tanzen schon seit fast zwanzig Jahren, zu allen Arten von Musik. Wir haben Erfahrung. Das Schwere daran war, die klassische Musik wirklich zu verstehen. Nicht nur einfach die Melodie raus zuhören, sondern den Aufbau wirklich zu verstehen.

Also war die Musiktheorie die Herausforderung?

Ja, genau. Wir mussten lernen, dass es in jedem Stück ein Thema gibt, das immer wieder auftaucht, in verschiedenen Stimmen und in verschiedenen Variationen. Da wir zu den einzelnen Stimmen tanzen, darf man sich von dem, was in den anderen Stimmen passiert, nicht ablenken lassen. Aber hat man’s mal verstanden, muss man einfach alles perfekt durch choreographieren, und dann ist auch das kein Problem mehr.

Wie lang hat es gedauert bis Ihr das draufhattet?

Wir haben sieben Wochen zwischen acht und zwölf Stunden am Stück gearbeitet. Das war auf jeden Fall eine harte Zeit.

Hörst du die Musik von Bach auch privat?
Ab und zu. In letzter Zeit aber eher nicht. Wir haben mit all den Proben und Aufführungen einfach eine extrem hohe Dosis gehabt. Da höre ich privat meist was Anderes. Das wäre aber mit HipHop genau gleich. Aber klar, wenn jetzt im Auto oder so mal klassische Musik läuft, hört man das jetzt natürlich ganz anders. Da versucht man das dann auch zu verstehen, sei es jetzt Mozart oder Beethoven oder sonst irgendwas.

In der Show mischen sich rein klassische Passagen vom Klavier und Cembalo mit Beats. Wer hat die produziert?
Zwei Produzenten aus Berlin, Ketan und Vivian Bhatti. Die haben das echt gut hingekriegt. Das sollte ja auf keinen Fall billig klingen. Wir wollten einfach, dass da auch ein bisschen Abwechslung reinkommt. Das gibt uns als Tänzern auch wieder Power, wenn da ab und zu ein Beat zu hören ist. Es ist auch gut, dass wir nicht 75 Minuten nur zu Klassik tanzen müssen, sondern ab und zu auch die Beats kriegen, da uns das dann auch wieder Power gibt und ein bisschen Abwechslung in der Show. Und die Musik ist ja immer noch von Bach: Die beiden haben einfach seine Melodien mit elektronischen Beats gemischt.

Am Spektakulärsten ist beim B-Boying die ganze Akrobatik, die Powermoves. Ist man da nicht limitiert auf Dauer?
Wir beschränken uns nicht auf die Powermoves. Darauf haben wir sehr stark geachtet. Wir nehmen alles Mögliche mit rein: Popping, Locking, House Dance, klassischen Tanz und eine kleine Storyline. Bis jetzt ist den Zuschauern nicht langweilig geworden.

Für den klassischen Tanz ist die Japanerin Yui Kawaguchi zuständig. Wie hat da die Abstimmung geklappt? Sprechen Tänzer generell die gleiche Sprache?

Man findet sich eigentlich sehr schnell; vor allem menschlich hat’s gleich funktioniert. Sie ist eine extrem umgängliche Person. Sie hat noch diese echte japanische Mentalität, geht mit allem und jedem extrem respektvoll um. Und die Versuchung, so zu tanzen wie sie, war auch nicht extrem groß, da wir das schlicht nicht können. Wir versuchen uns da anzupassen, aber es ist mehr eine Art Austausch.

Wie viele Stunden tanzt Du pro Tag?

Momentan haben wir fast täglich einen Auftritt, und der dauert fast achtzig Minuten. Allzu viel können wir daneben also gar trainieren. Wir sind aber meistens schon drei, vier Stunden vor Showbeginn in der Halle und machen Stretching und wärmen uns auf. Insgesamt sind das schon einige Stunden, in denen wir uns körperlich betätigen. Die Energie wird aber für den Abend gespart.

Hältst Du eigentlich noch den Weltrekord im Headspin?
Nein. Das ist elf Jahre her. Die Leute von der „Guinness Show der Rekorde“ hatten damals diese Idee. Und da wir unsere CD promoten wollten, konnten wir das gleich damit verbinden.

Wie hoch lag der Rekord?

Ich glaube, ich habe damals 62 Drehungen auf dem Kopf gemacht.

Hast Du das seither mal zu toppen versucht?
Nein. So ein Rekord ist mir persönlich nicht wichtig. Aber ich weiss, dass ich früher – sogar schon zwei, drei Jahre vor dem Rekord – schon über 100 Drehungen gemacht habe.

Dein Crewkollege Lil Ceng hat 2009 am BC One in Paris teilgenommen. Wann hast Du zuletzt Battle-Luft geschnuppert?

Das ist schon eine Weile her, zumindest was die offiziellen Battles betrifft. Das war beim Red Bull Beat Battle 2007. Momentan haben wir gar keine Zeit mehr, um so etwas vorzubereiten. Dafür muss man ganz anders trainieren als für eine Show. Irgendwann muss man halt an die Zukunft denken und etwas auf die Beine stellen, mit dem man genug Geld verdienen kann. Aber wir machen schon immer wieder mal ein Underground-Battle irgendwo.

Du hast es eben angesprochen: Um als B-Boy überleben zu können, muss man hochkonzentriert arbeiten und fit bleiben. Das bedeutet auch kein Alkohol, kein Nikotin, kein Gras und viel Schlaf, oder?
Ja, generell schon. Ab und zu gehen wir aber auch mal feiern und trinken ein Glas. Ansonsten achten wir sehr auf die Gesundheit. Das ist ganz wichtig.

Hast Du schon Ideen, was nach dieser Show kommt?

Ich will solange wie’s geht auf der Bühne stehen. Das ist das, was ich liebe und was ich schon immer machen wollte. Klar wird Flying Bach irgendwann vorbei sein – aber die Show ist so zeitlos, dass das Ende noch nicht absehbar ist.

Und was kommt dann? Flying Vivaldi? Flying Beethoven?

Eher nicht. Aber irgendwas mit Flying wahrscheinlich schon (lacht). Keine Ahnung. Wir überlegen uns auf jeden Fall etwas, mit dem wir die Leute schocken können.

 


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