Nikola Fechter ist Österreichs Aushängeschild in Sachen Mode. Im Interview plaudert die Wiener Designerin über die Fashion Week in Berlin, die Trends der Zukunft und den Style von Gregor Schlierenzauer.
Du warst auf der Fashion Show in Berlin – wie war’s?
Die Berliner Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen – ein bisschen Underground, um nicht zu sagen abgefuckt, aber sehr cool. In diesem Kontrast leuchten die Kleider umso mehr und die Abendkleider schauen noch wertiger aus. Die Berliner selbst waren sehr hilfsbereit und kompetent. Einfach eine tolle Stadt.
Welche Bedeutung hat im Vergleich dazu Wien als Modestadt?
In Österreich ist Mode mehr Avantgarde und Künstlerisch, aber weniger verkaufsorientiert. Von hier aus international Fuß zu fassen und ein Label zu gründen ist eher schwierig – weil wir international gesehen klein und unbedeutend sind. Bis jetzt gibt es eigentlich nur den Helmut Lang – und der ist zig Male gescheitert, bevor er DER Helmut Lang geworden ist. Wir haben zwar nicht 15 Designer pro Jahr, die Gucci-Status erreichen, aber wir sind definitiv ein kreatives Volk.
Was sollte Mode deiner Meinung nach sein: kunstvoll oder tragbar?
Mode ist für mich weniger Kunst, mir ist die Tragbarkeit ganz wichtig. Das Niko Fechter-Kleid soll die Mädels oder Damen zehn Jahre begleiten, ohne dass es an Stil verliert. Ich will Lieblingsstücke machen und nicht Sachen, die nach zweimal Tragen fad geworden sind. Im Vergleich ist das wie Red Bull: Das kann jeder trinken und trotzdem ist es einen schöne Marke.
Du gibst mit deiner Mode Trends vor – was kommt in den nächsten Monaten auf uns zu?
Der allgemeine Trend geht zur Echtheit der Stoffe, also weg von Lycra, Viskose und Nylon und hin zu Kaschmir, Baumwolle und Seide. Das darf dann auch ein bisserl teurer sein, dafür hast du etwas wirklich Feines an. Bei den Farben wird uns bis zum Winter sicher noch Marineblau begleiten. Dunkelblau ist momentan das neue Schwarz. Und bei den Materialen machen wir jetzt wieder viel mit Jeans-Stoffen und Leder.
Warum machst du eigentlich keine Mode für Männer?
Ich mache Mode für Männer, aber nur Maß im Atelier und nicht von der Stange. Das liegt einerseits daran, dass ich die Männer gerne selbst begutachte. Ich muss bei Männermode das Objekt sehen, für das ich schneidere. Andererseits hat mich die Damenmode bis jetzt so eingenommen, dass ich derzeit überhaupt nicht an eine Herrenkollektion denken kann.
Gregor Schlierenzauer hat dich in Berlin bei der Fashion Week besucht. Wie hat er sich style-mäßig geschlagen?
Was er sehr gut gemacht hat: Er hatte eine richtig tolle Begleitung. Seine Freundin ist wirklich fesch und dass die Dame richtig gestylt ist, ist mal das Wichtigste. Der Gregor selbst könnte gerne mal auf ein Maß-Sakko bei mir vorbeischauen, das wäre dann noch besser für ihn. In Berlin hat er sich aber bemüht, allerdings er hat mich vorher auch gefragt, was er anziehen soll.
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