berger Red Bull Photofiles.

Beachvolleyballer Nik Berger (36) feierte ein Kurz-Comeback und holte sich den Staatsmeistertitel. Warum er die Quälerei genoss und was man von betrunkenen Maturanten lernen kann, verrät er hier.

Ein gebrochener Finger war der Grund für Nik Bergers Comeback im Profi-Sport. Aufgrund der Verletzung von Matthias Mellitzer ließ sich Berger von dessen Partner Clemens Doppler zum Einsatz bei der ÖM in Hartberg überreden. Der „alte Mann“ (Zitat Doppler) machte dort eine gute Figur und sicherte sich vergangenes Wochenende mit Clemens seinen 6. Staatsmeistertitel.

Gratulation zum Titel nach zwei Jahren Spielpause. Clemens Doppler meinte: „Seinen Körper wird der Nik bestimmt spüren.“ Wie schlimm war’s wirklich?
Es war wirklich schlimm! Wir hatten eine Partie am Freitag und zwei Spiele am Samstag, unter anderem gegen Gosch/Horst. Die hat ungefähr eineinhalb Stunden gedauert. Ich glaube nicht, dass ich schon mal so eine lange Partie gespielt hab. Den Muskelkater spür’ ich heute noch.

Klingt nach viel Arbeit für den Physiotherapeuten.
Ja, ich hatte am Samstagabend ja schon Zweifel und bin ziemlich in den Seilen gehangen – mit einer Oberschenkelverhärtung um genau zu sein. Aber unser Physio Mario hat ganze Arbeit geleistet. Er hat mich wirklich gequält und mich fürs Finale fit bekommen.

Was verliert man ohne Training schneller, Kondition oder Technik?
Bei mir war sicher der Körper das Problem, ich hatte ja auch schon eine Bandscheiben-Operation. Clemens und ich konnten vor dem Turnier auch nur viermal trainieren. Aber glücklicherweise hab ich ein „Goldhändchen“.

Ich bitte um Erklärung.
Das bedeutet, dass ich das Ballgefühl gleich wieder intus hatte, trotz der langen Pause vom Profisport. Das geht bei mir einfach nicht verloren. Clemens und ich hatten gleich beim ersten gemeinsamen Training wieder viel Spaß.

Ihr seit 2003 gemeinsam Europameister geworden, kennt euch also gut. War es nicht trotzdem eine Überraschung, fast ohne Training Meister zu werden?
Ja, eigentlich schon. Ausschlaggebend war sicher, dass Gosch/Horst ihr Halbfinale überraschend verloren haben. Wir haben gegen sie ja die Eineinhalb-Stunden-Partie verloren. Wenn wir im Finale noch einmal gegen Gosch/Horst gespielt hätten, wäre es sehr schwer geworden.

"Klagenfurt ist das Beach-Mekka, dort passiert der Hype" - Nik Berger

Ich habe gehört, dass du vor deinem Kurz-Comeback auf Maturareise warst.
Das stimmt. Robert (Nowotny, Niks ehemaliger Beach-Partner, Anm.) und ich sind beim DocLX X-Jam im Einsatz und trainieren dort mit den Maturanten.

Von betrunkenen 18-Jährigen zurück zum Profi-Sport. Das muss ein großer Kulturschock gewesen sein?
Nicht unbedingt. Wir haben in den drei Wochen fast jeden Tag Beachvolleyball gespielt. Einmal waren sogar Jungs dabei, die in der zweiten Bundesliga im Einsatz sind. Da ging es schon ein wenig mehr zur Sache. Man findet also auch auf Maturareisen gute Sparringpartner.

Und nach dem Training ging’s in die Disco?
Ja, auch am Nachtleben haben wir teilgenommen (lacht). Aber wenn man die dritte Woche unten ist, wiederholt sich das Ganze irgendwann. Ein wenig tanzen war aber schon drin. Und ein Bier nach der Partie.

Du hast 1993 mit Beachvolleyball begonnen. Wie hat sich der Sport in den letzten 17 Jahren verändert?
Die Spieler sind größer und athletischer geworden. Auch im Beachvolleyball gilt das Motto: höher, schneller, weiter. Wenn du heute körperlich nicht topfit bist, hast du keine Chance. Das war vor 17 Jahren noch anders. Ich habe ab 1999 mit Oliver Stamm begonnen, Know-How aus dem Ausland zu importieren. Wir sind zum Trainieren nach Brasilien gereist. Für die waren wir dort Sparringpartner.

Der Beachvolleyball-Grand-Slam in Klagenfurt steht vor der Tür. Wie viel Show verträgt der Sport?
Was die Veranstalter rundherum machen, ist ihre Sache. Ich war nie ein Fan von „Quiet pelase!“, wie beim Tennis. Klagenfurt ist das Beach-Mekka, dort passiert der Hype und alles ist hochprofessionell abgewickelt. Die Spieler freuen sich jedes Jahr darauf. Mit taugt das.

Was ist für Clemens Doppler und Matthias Mellitzer heuer möglich?
Ich denke, es kommt darauf an, ob Melli seine Verletzung aus dem Kopf bekommt. Medizinisch ist es kein Problem, weil alles getaped wird. Aber man muss mal damit klar kommen, dass man am Netz einen Ball mit 120 km/h blocken soll. Das ist Kopfsache. Wenn er das schafft, ist ein gutes Ergebnis drin.

www.doppler-mellitzer.com
 


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