Sensationelles EM-Silber von Doppler/Mellitzer bei der Beach Volleyball-EM in Berlin. Nik Berger analysiert das Spiel unsere zwei Beach-Heros.
Wenn man die EM von Clemens Doppler und Matthias Mellitzer analysieren möchte, muss man sich zunächst die Wochen vor dem Turnier in Berlin ansehen. Der Negativlauf des Jahres 2009 hatte sich eigentlich fortgesetzt. Beginnend mit dem Sturz beim Training in Rio von Clemens durch eine Glasscheibe und einer unkonstanten Leistung in den Grand Slam Turnieren. Und als sich das Team so richtig einspielte, brach sich Matthias den kleinen Finger.
Wegen der Verletzung von Melli war es nicht mal sicher, ob er in Klagenfurt überhaupt antreten kann. Hätte er nicht spielen können, wäre das ein Supergau gewesen. Gerüchte kamen auf, dass Sponsoren vielleicht die Unterstützung für die beiden einstellen werden. Der Druck war also enorm.
Noch in Gesprächen im Team haben sowohl Trainer als auch ich darauf gedrängt, dass beide Athleten bis an und über ihre Grenzen gehen sollen und müssen. Nach dem ersten Spiel in Klagenfurt war dann die Nervosität abgefallen und zum ersten Mal kamen sie in eine Art Spielrausch. Sie gewannen Sätze, in denen sie hinten waren und drehten schon verloren geglaubte Partien noch um.
Soviel 3-Satz-Partien sie bis dahin verloren hatten, so viele gewinnen sie zurzeit. Matthias zeigte sich selbst, seinem Partner und den Zusehern, dass er einer der besten Blockspieler der Welt ist und Spiele dadurch entscheiden kann. Und das er keineswegs der ist, den viele Anfangs belächelt haben.
Mit dieser Vorgeschichte ging es zur EM nach Berlin, wo sie ein ums andere mal die knappen Partien gewonnen haben, perfekt eingestellt vom Trainer und immer mehr an sich glaubend. Selbst die stärksten Gegner waren keine unüberwindbare Hindernisse mehr. Mit diesem Gefühl und der Tatsache, dass sie nichts zu verlieren haben, wurden sie nach Klagenfurt auch richtig konstant, was sonst nicht der Fall war.
Dass 3 Matchbälle im Finale gegen die Niederländer Nummerdor/Schuil vergeben wurden, ist schade. Es wurden aber auch 4 im 2. Satz der Gegner abgewehrt und der Satz gewonnen.
Ich glaube, man kann die letzten vier Wochen noch gar nicht wirklich analysieren kann – sicher ist, dass sich bei den Jungs ein im Kopf gelöst hat und das man da noch was erwarten kann.
Wir hatten als Marschrute vorgegeben, dass wir nach den ersten zwei Saisonen im Hauptbewerb gesetzt sind. Denn wenn du keine Qualifikation spielen musst, sparst du Kräfte. Da stehen Matthias und Clemens jetzt. Sie spielen in zwei Wochen als letztes World Tour Turnier noch Den Haag, wo sie viele Punkte mitnehmen wollen, aber sie beginnen die Olympiaqualifikationssaison 2011 im Hauptbewerb - und das ist enorm wichtig.
Doppler/Mellitzer werden natürlich den Herbst durchtrainieren und noch das eine oder andere Turnier bestreiten. Aber da wird das Hauptaugenmerk bereits auf der Saison 2011 liegen. Die zwei sind ein Team, das für den Erfolg sehr viel trainieren muss. Bei ihnen kommt nicht immer alles von alleine wie bei manch anderen Teams. Auch diese Abstimmung wurde nun gefunden und man weiß, wann man wie trainieren muss.
Nochmals zu den Spielstärken der beiden: bei Mellitzer ist es der Block, der weltklasse ist, dazu seine Physis. Bei Clemens ist es die Allroundausbildung als Beach Volleyballer, die ihn zum Besten seines Faches in Österreich und einer der besten der Welt macht, dazu ein knallhartes, effizientes Service.
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