Natascha Badmann Red Bull Content Pool

Triathletin Natascha Badmann ist nach dem Trainingslager auf Gran Canaria auf der Durchreise in der Schweiz, bevor sie nach Hawaii abfliegt, zur Ironman World Championship. Seit ihrem schweren Unfall vor vier Jahren ist nichts mehr wie früher. Dieses Jahr hat sie aber  definitiv die Form, um in Hawaii über die Ziellinie zu laufen und damit wieder die alte Natascha zu werden. Wir trafen die Schweizerin zum Interview.

Natascha, du bist in der Schweiz auf Durchreise von Gran Canaria nach Hawaii. Was ist anstrengender: das Training oder der Medien- und Organisationsrummel?
Ich bin tatsächlich nur hier, um aus- und gleich wieder einzupacken und dazwischen ein paar Interviews zu geben. Doch ich habe auch noch intensive Trainingseinheiten. Die Erholung kommt im Moment zu kurz. Das wird dann wieder anders, wenn ich auf Hawaii bin. Doch ich geniesse es sehr, noch mal in der Schweiz zu sein. Diese Vielfalt, der Herbst, die Sonne, das ist sagenhaft.

Vor wenigen Monaten hast du auf Lanzarote deinen ersten Ironman nach vier Jahren beendet. Wie fühlte sich das an?
Es war gigantisch. Ich dachte: Yes, jetzt hab ich's wieder! Und das auch noch in einer akzeptablen Zeit und auf dem Podest! Die Zeit hätte stehen bleiben dürfen.

Auch jetzt, eine Woche vor Hawaii, scheinst du in guter Form zu sein. Wie gut bist du?
Wäre ich Amerikanerin würde ich womöglich sagen: I'm the best. Wir Schweizer sind ja etwas zurückhaltender. Ich bin besser als in Lanzarote und meine Formkurve zeigt nach oben. Das stimmt mich zuversichtlich. Anderseits denke ich: Wenn ich noch ein halbes Jahr mehr Zeit hätte für den Aufbau, wäre ich noch besser. Aber ich bin absolut zufrieden und glücklich, wenn auch noch nicht am Limit.

Steigen damit auch deine Erwartungen an dich in Hawaii?
Ich habe keine Erwartungen, ausser, Freude zu haben und den Wettkampf zu geniessen. Meine medizinische Prognose war: Du machst nie mehr einen Triathlon. Jetzt kann ich das wieder. Das ist eine riesige Genugtuung. In Hawaii zu finishen ist ein Traum. Ein Ironman ist immer hart, das war schon so, als ich in meiner absoluten Höchstform war. Einen Wettkampf ohne Krise habe ich noch nie erlebt. Ich gehe Hawaii ähnlich an, wie beim ersten Mal, als ich dort startete.

Vor deinem Unfall warst du die beste auf der Langdistanz. Wo stehst du heute?
Ich werde oft gefragt, ob es mein Ziel sei, Hawaii noch einmal zu gewinnen. Das ist es nicht. Ich will über mich siegen. Ich habe auf Hawaii nichts mehr zu beweisen. An einem guten Tag gehöre ich zur erweiterten Weltspitze. Es ist ein Privileg überhaupt dort starten zu dürfen.

Hast du nicht einen Startplatz auf Lebenszeit?
Das dachte ich auch. Aber der Qualifikationsmodus wurde geändert und auch ich musste wieder einen Ironman und zwei Semi-Ironman-Wettkämpfe machen, um ins Profifeld aufgenommen zu werden.

Hast du Angst, dass es wieder nicht klappen könnte?

Ich habe Respekt. Einmal habe ich mich auf Hawaii wegen der Klimaanlagen erkältet. Seither halte ich mich vor ihnen fern. Ein anderes Mal war das Wasser nach einem Erdbeben verschmutzt und ich wurde krank. Wo ich es beeinflussen kann, schliesse ich Zwischenfälle weitgehend aus, aber es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren.

Denkst du noch über den Unfall auf der Radstrecke in Hawaii nach und fährst du deswegen anders als früher?
Grundsätzlich habe ich mit dem Unfall abgeschlossen, auch wenn ich auf dem Rad trainiere. Ich bin aber im Strassenverkehr noch vorsichtiger geworden, als ich es schon war. Ich ziehe mich gut sichtbar an, in Gran Canaria bin ich mit einem dreifarbigen Vorderrad gefahren.

Ist dieser Ironman auf Hawaii ein Neuanfang für dich?
Ja, das ist er. Ich habe mich lange verglichen mit vorher. Aber niemand bleibt einfach gleich, jeder verändert sich. Die letzten zwei Jahre bereitete ich mich mit der Hoffnung auf Hawaii vor, dass ich es vielleicht schaffe. Dieses Jahr sagen meine Trainingsresultate, dass es absolut realistisch ist.

Was ist dieses Jahr anders, als die Jahre zuvor?
Nach dem Unfall und der langen Rehabilitation fehlte mir schlicht der Trainingsstand und die Konstanz. Die letzten Jahre hatte ich immer wieder sehr gute Trainings, dann wurde ich wieder krank. Das ist nicht erstaunlich. Erst seit diesem Jahr habe ich wieder die Konstanz, um drei Wochen voll durch zu trainieren und ich werde immer besser. Das ist der Lohn für die letzten drei Jahre.

Hast du dich vielleicht auch etwas entspannt in diesem Jahr?
Ja, ich bin jetzt auch lockerer, besonders natürlich seit ich sehe, dass ich es erreicht habe. Vorher war der Wille da, aber mein Körper war nicht belastbar genug.

Hawaii ist dein Schicksal – oder wie siehst du das?
Hawaii ist sicher ein grosser Teil meines Schicksals. Die zweiten gut zwanzig Jahre meines Lebens waren wesentlich davon geprägt. Hier habe ich Glücksgefühle erlebt, die ich nie für möglich gehalten hätte und ebenso Tiefpunkte, die ich mir vorher nicht vorstellen konnte. Hawaii hat mir alles gegeben und auch alles wieder genommen. Aber mein Leben geht auch ohne Hawaii weiter. Auch das ist eine Erkenntnis der letzten Jahre.

Alles zum Thema Ironman WM 2011 am Montag,11.10.2011, 00:15 bei ServusTV.

 


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