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Nach ihrem schweren Unfall ist Natascha Badmann auf dem Weg zurück an die Weltspitze. Für den Ironman Hawaii 2010 reicht es noch nicht. Doch die sechsfache Hawaii-Siegerin bleibt optimistisch.

Nachdem du deine Teilnahme am Ironman Hawaii bekannt gegeben hast, machst du zum ersten Mal Ferien auf Gran Canaria, wo du seit fast zwanzig Jahren trainierst. Kannst du die Zeit genießen?
Ich wünschte mir, ich hätte keine Ferien. Normalerweise wäre ich jetzt in den letzten Vorbereitungen für Hawaii. Stattdessen trainiere ich ganz leicht und kuriere eine weitere Grippe aus.

Nach deinem schweren Unfall vor drei Jahren fuhrst du noch eine halbe Stunde weiter. Was hat es gebraucht, damit du dich vom Unterfangen Hawaii 2010 abbringen ließest?
Mein geschwächtes Immunsystem hat mir keine Wahl gelassen. Ich war noch nie so oft krank wie in diesem Jahr. Ich hatte pro Monat zweimal die Grippe. Als ich mit dem Sport anfing, hat er mir erst ein gesundes Leben ermöglicht. Jetzt muss ich meiner Gesundheit zuliebe den Sport vorübergehend reduzieren.

Hast du eine Erklärung dafür?
Im Frühling habe ich mich übernommen. Im Half Ironman war ich schon letztes Jahr wieder an der Weltspitze dran. Da dachte ich, ich muss nur etwas mehr trainieren, dann klappt das auch über die volle Distanz wieder. Aber etwas mehr trainieren heißt bei mir eine bis zwei Stunden zusätzlich zu den acht Stunden, die ich in intensiven Phasen bereits auf dem Programm habe. Ich habe zum Beispiel vor dem ersten Training eine Stunde lang spezifische Kraftübungen für die Schultern, Rücken und Rumpf gemacht. Die Zeit fehlte mir in der Regeneration.

Du willst zurück zu deiner Form vom Herbst 2007. Wo stehst du auf dem Weg dorthin?
Das wechselt ständig. Hier auf Gran Canaria fuhr ich am ersten Tag in einer Stunde und 17 Minuten einen Berg hoch. In der Form meines Lebens, vor dem Unfall, brauchte ich für die gleiche Strecke eine Stunde 16. Aber ein einzelnes Resultat sagt nichts. Aber ich kann dieses Niveau nicht über drei Wochen halten, nicht einmal über drei Tage. Ich hatte dieses Jahr immer wieder super Trainings, schöpfte Hoffnung und zwei Tage später lag ich flach.

Was unterscheidet die Natascha vor dem Unfall von der danach?
Da muss ich überlegen. Ich bin geduldiger geworden. Vor dem Unfall wäre ich nicht eine Stunde lang im Wasser gestanden oder gelegen, um hundertmal die gleiche Armbewegung zu machen. Das Resultat ist, dass ich jetzt ein viel besseres Wassergefühl habe und mit weniger Anstrengung schwimme. Aber ich bin körperlich nicht mehr der gleiche Mensch wie vorher. Mein Kopf, mein Wille und meine Hartnäckigkeit müssen sich erst noch daran gewöhnen.

Aber du könntest auch in Hawaii starten, nur um das Ziel zu erreichen. Oder würde es dich schmerzen, Zehnte zu werden? Irgendwann wäre ich im Ziel, nach siebzehn Stunden oder so. Dass ich dann glücklich und gesund wäre, bezweifle ich.
Siebzehn Stunden – du dramatisierst!

Ich dramatisiere nicht. Die Weltspitze hat nicht geschlafen. Für einen zehnten Platz würde es bestimmt nicht reichen. Die Radstrecke würde ich wahrscheinlich in sechs bis sieben Stunden schaffen (statt in 4:52 Stunden, wie in ihren besten Zeiten, Red.) und der Marathon würde grausam. Ich könnte ihn sicher nicht durchlaufen, sondern müsste einen großen Teil gehen.
'Ich bin körperlich ein anderer Mensch als vor dem Unfall. Mein Kopf muss sich noch daran gewöhnen.

Wie geht es jetzt weiter?
Ich schmiede Pläne, denn ich will ja zurück an die Spitze. Seit meinem Unfall habe ich keinen Ironman mehr gemacht. Ich war zwar zweimal in Hawaii dabei, aber es war nicht daran zu denken, das Rennen zu beenden. Im nächsten Frühling will ich wieder einen Ironman bestreiten, wahrscheinlich den in Südafrika. Das ist ein Rennen, das ich sehr gern habe und das ich auch schon gewonnen habe.

Was wirst du am 9. Oktober tun, wenn deine Kolleginnen zum Ironman 2010 starten?

Ich werde sicher nicht nach Hawaii fliegen, um zuzuschauen, das tu ich mir nicht an. Ich würde sagen, es steht fifty-fifty, dass ich das Rennen zuhause in irgendeiner Form mit verfolge. Es interessiert mich natürlich schon was läuft und ich kenne ja auch viele, die mitmachen. Im Moment schmerzt es sehr, nicht dort zu sein. Auch Hawaii als Ort fehlt mir. Seit 1996 war ich bis auf einmal immer da.

Kannst du dem ganzen auch etwas Positives abgewinnen?
Das ist schwer. Aber der Herbst in der Schweiz ist schön, wenn sich die Wälder gelb und rot färben. Das habe ich die letzten fünfzehn Jahre verpasst. Das ist etwas Wunderschönes. Ich war schon lange nicht mehr drei Monate ohne Unterbruch zuhause. Gut ist auch, dass die Regeneration nach Hawaii wegfällt. Selbst wenn ich mir viel Zeit gebe, um ganz gesund zu werden, habe ich mindestens zwei Monate Vorsprung und kann früher das Wettkampftraining aufnehmen. Nächsten Frühling werde ich bereit sein.

Servus TV zeigt am Sonntag 3. Oktober um 21.15 Uhr eine Dokumentation über die Schweizer Ausnahmeathletin.

www.nataschabadmann.ch

 

 


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