Moodymann © Ritchie Hopson / Red Bull Photofiles

Bisher gab Moodymann, der mysteriöse Deephouse-Producer aus Detroit keine Interviews. Was passiert, wenn er sich dann doch zu einer Lecture bei der Red Bull Music Academy einfindet?

Bekleidet mit einer XXXXL-Jacke, übergroßen Schuhen und einem braunen Papiersack, aus dem der Hals einer Cognac-Flasche ragte, schlürft Kenneth Dixon in die Lecture Hall der Red Bull Music Academy in London. Begleitet von seiner Entourage, die ihm während seiner Lecture die Haare flechten und sich um das Eis in seinem Drink kümmern werden, ist das der praktisch erste öffentliche Auftritt des geheimnisumwobenen Produzenten aus Detroit.

Seine rauhe, auf simplen Soul-Loops basierende Musik, die er unter Namen wie Moodymann, KDJ oder J.A.N (Just Another Nigga) veröffentlicht, genießt Kultstatus. Auf Fotos war bisher meistens nur die Sillhouette seines Afro zu sehen, während er sich bei Shows hinter einem Vorhang versteckte.

     

Für die Red Bull Music Academy brachte er erstmals seine unter dem Namen „Soul Skate“ bekannte Rollschuhparties nach Europa: wie in den 80ern legt er statt im Club in einer Rollschuhdisco auf. So geschehen beim Red Bull Music Academy Rollerskate Jam. Und erstmals läßt er sich zu einem Interview verführen. Hier die Highlights, in leicht zensurierter Version.

Vinyl:
„Ich lege Vinyl auf, keine Frage. Da komme ich her und das wird sich nicht ändern. Wer an einer 60 Jahre alten Platte riecht, weiß was ich meine. Und außerdem, das sollten die Jungs wissen: Nicht nur bei der Musik bevorzugen die Mädels 12-Inch“.

DJ:
„Er war der wichtigste DJ. Wenn man mit dem Auto an einer roten Ampel stand, hörte man seinen Sound im Auto nebenan. Dann forderte Mojo alle Autofahrer auf, das Licht einzuschalten und plötzlich hatten alle rundherum das Licht eingeschalten. Er war immer da, obwohl die meisten Leute ihn nie gesehen haben. Damals lief im Radio alles, von Kraftwerk, Marvin Gaye bis Led Zeppelin.”

Rollerskating:
„Wir haben eine Rollerskating-Disco an jeder Ecke in Detroit. Und alle paar Jahre, nicht oft, machen wir einen Rollerskating Jam. Ich hab viel geskatet als ich jung war, hatte dann eine lange Pause und seit 7-8 Jahren skate ich wieder viel. Die Mädels sind so schön dort und ich war die ganzen Jahre über anscheindend am falschen Ort.“

Detroit:
„Es gibt niemand in Detroit, der nicht für die Autoindustrie arbeitet oder Musik macht. Jeder hat eine Kirche und Liquorstore an der Straßenecke. Viele wollen wegziehen und Detroit ist eine sterbende Stadt und ich werde mit ihr sterben. Ohne diese Stadt wäre ich nicht, was ich heute bin.“

     

Erfolg:
„Ich war nie erfolgreich, hatte aber immer genug zum Leben und um meinen Freunden zu helfen. Von meinen Platten hatte ich nie besonders viele gepresst, vielleicht 2500 oder so und deshalb gibt es heute auch keine großen Unterschiede zu damals, also man noch locker 10.000 Stück verkaufen konnte.“

Equipment:
„Es geht nicht darum, was man hat, sondern was man macht. Egal, ob du Drogen verkaufst, oder sonst was, du musst es gut machen. Du kannst mit einem Kasettenrekorder und einer Platte einen großartigen Track machen und die in ihren Millionen-Dollar Studios machen nur Mist. Ich verwende seit Beginn das selbe Equipment weil ich es kenne und habe einen Laptop, aber keine Ahnung, was ich damit machen soll. Es funktioniert für mich und ich fühle mich wohl, das ist das wichtigste.“

Die volle Lecture von Moodymann bei der Red Bull Music Academy gibt es hier zu sehen. Sein Set beim Red Bull Music Academy Rollerskating Jam wurde aufgenommen und ist hier zu hören.


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