Hot Chip hat mit "One Life Stand" wohl eines der schönsten Alben des Jahres veröffentlicht. Im Interview sprechen die Dancefloor-Helden über ihr herzhaftes Werk mit etwas weniger Köpfchen.
Die Combo Hot Chip gibt es seit dem Jahr 2000 und seit damals geht es für die Londoner eigentlich nur steil bergauf. Wirklich erfolgreich sind die Jungs seit 2006: Das damals veröffentlichte Album „The Warming“ schaffte es in den UK-Charts auf Platz 34 und wurde vom Magazin Mixmag zum „Album Of The Year“ 2006 gekürt. 2008 legte Hot Chip die Platte „Made in the Dark“ nach, die vor allem aufgrund der Single „Ready for the Floor“ in dauerhafter Erinnerung bleiben wird. Das aktuelle Sammelsurium „One Life Stand“ geht schon jetzt ab wie eine Rakete: Platz 11 in den UK-Charts – vielleicht der große Durchbruch der Band?
Für eine Band, die oft als “intellektuell” eingestuft wurde, wirkt das neue Album ganz schön emotional.
Felix Martin: Es ist ein offenes Album, das von Herzen kommt. Gefiltert durch den Kopf und die Eier.
War das beabsichtigt: mehr Offenheit, weniger Eier?
Joe Goddard: Schon. Viele haben uns für zu clever gehalten. Wir hatten selbst das Gefühl, dass das nicht ganz stimmt und wir wollen nicht missverstanden werden.
„One Life Stand“ erinnert an alte House-Platten: der Sound, die Lyrics. Alles ist sehr positiv, während Dance-Music heute doch eher dunkel und anonym daherkommt.
Joe: Das stimmt. Wir wollten ein Gefühl erzeugen, das alte House-Platten liefern oder ein DJ-Set, beim dem plötzlich ein Funke alles entzündet. Einen Moment, in dem sich alle in die Arme fallen.
Alles klingt nach perfektem Pop. So wie die Pet Shop Boys immer wie die Pet Shop Boys klingen.
Alexis Taylor: An dieser Platte haben wir viel länger gearbeitet als an den Vorgängern. Wir haben uns die Stücke oft angehört und sie ständig bearbeitet. Ingesamt ein Jahr, während wir früher recht schnell geschrieben und aufgenommen haben. Natürlich ist der Prozess auch sehr von unseren Erfahrungen als DJs beeinflusst worden. Und von der Musik, die wir sonst hören.
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Haben euch eure zusätzlichen Projekte inspiriert? Alexis und Joe veröffentlichten ja Soloalben und Al war mit LCD Soundsystem auf Tour.
Alexis: Wie hatten trotz der anderen Projekte einen klaren Plan für dieses Album: 10 Tracks, die alle sehr kompakt und fokussiert sein sollten. Für andere kreative Ideen hatte jeder seine Spielwiesen außerhalb der Band – völlig unabhängig von Hot Chip.
Joe: Für mich war es auf jeden Fall eine schöne Zeit. Ich hatte nicht den Drang, jede neue Idee in einem Hot Chip-Song unterzubringen. Deswegen ist meine Soloplatte “Harvest Festival” entstanden. Danach wieder zur Band zurückzukehren, war etwas ganz Besonderes.
Ihr habt euer neues Album im Rough Trade-Shop (London) präsentiert. Was bedeutet dieser Plattenladen für euch?
Alexis: Als ich jung war, hab ich praktisch alle meine Platten dort gekauft und sehr viel Zeit dort verbracht. In-Store-Konzerte sind auch super, weil man sonst nie so nah ans Publikum kommt: Sie stehen einen Meter vor dir und können gleichzeitig die Platte kaufen. Diese Nähe zum Publikum ist bei der letzten Tour etwas zu kurz gekommen. Es gibt einfach keinen besseren Plattenladen auf der Welt, oder?
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Alle Infos zur aktuellen Red Bull Music Academy in London findet ihr auf www.redbullmusicacademy.com. Dort könnt ihr euch übrigens auch das offizielle Academy-Magazin „Daily Note“ downloaden.
Hot Chip haben übrigens auch einen Train Wreck Mix für das Red Bull Music Academy Radio geliefert.
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