Gregor Schlierenzauer, der erfolgreichste Skiflieger aller Zeiten, über Tiefenwärme, scharfe Messer und das perfekte Rendezvous.
Du bist am 7. Jänner 20 geworden. Über welches Geschenk hast du dich besonders gefreut?
Über ein Kochmesser. Es ist ein japanisches Hocho-Messer aus 36-fach gefaltetem Stahl und es ist sehr scharf. Ich koche gern, deshalb hat mir dieses Geschenk ganz besondere Freude gemacht.
Welcher deiner Erfolge hat dich selbst am meisten überrascht, weil du dir deiner Tagesverfassung nicht ganz sicher warst?
Das waren sicher die Skiflug-Weltmeisterschaften in Oberstdorf im Februar 2008, wo das Training eigentlich überhaupt nicht funktioniert hat. Es ist mir dann aber gelungen, einen Turn-Around zu machen und sogar Weltmeister zu werden – das waren einzigartige Momente.
Was war die bislang schmerzvollste Erfahrung deiner Laufbahn?
Der Innenbandriss, den ich mir beim Training nach der letzten Saison zugezogen habe. Das war eine sehr niederschmetternde Erfahrung nach so einer Rekord-Saison. Da wollte ich einfach nur Ski testen, um im nächsten Winter noch eins draufzusetzen und dann verletz’ ich mich! Das war schon ein Challenge ...
Welches Handwerk würdest du lernen, wärest du nicht Sportler?
Designer: Gewand, Möbel, Fotografie und Filme; also alles, was mit Style zu tun hat. Für solche Sachen hab ich mich schon immer sehr begeistern können.
Wer sind deine fotografischen Vorbilder?
Sven Hoffmann. Er fotografiert viel in Schwarzweiß, ist sehr retrospektiv unterwegs; vor allem hält er die Kleinigkeiten im Leben fest, die oft als selbstverständlich hingenommen werden. Wenn man aber dann sein Bild davon sieht, denkt man sich: „Boah, das ist eigentlich auch eine geile Sache!“
Welche internationalen Modedesigner findest du denn spannend?
So gut kenne ich mich auch wieder nicht aus, aber mir taugen bestimmte Marken wie Billabong, Quiksilver oder auch Zara. Diesel und Levi’s finde ich auch sehr cool.
Und welche österreichischen?
Uuh, da fallen mir jetzt keine ein.
Helmut Lang war zu seiner aktiven Zeit weltbekannt. Könnte dir gefallen.
Helmut Lang? Muss ich mal googeln.
Bleiben wir bei deinem Handwerk: Wie wichtig ist die Flugkorrektur durch die Hände?
In gewisser Weise sind Arme und Hände sehr wichtig, in anderer Hinsicht spielen sie kaum eine Rolle. Wenn du gut vom Tisch wegkommst und der Absprung gelungen ist, kann man die Arme zu gewissen Korrekturen hernehmen. Wenn man mal nicht so gut in Form ist und vom Absprung nicht profitiert, dann kommen die Hände ins Spiel. Die können dann umso wichtiger sein, um in der Luft so viele Meter wie möglich gut zu machen. Das können aber nicht viele!
Du bist am linken Ohr taub. Wie wirkt sich das auf dein Balancegefühl aus?
Gott sei Dank gar nicht, weil es von Geburt an so ist, das hat sich alles von selbst eingestellt.
Bist du ein disziplinierter Mensch, oder brauchst du manchmal einen Tritt in den Hintern?
Nein. Ich trau’ mich zu sagen, dass ich schon von mir aus ein sehr disziplinierter Mensch bin. Ich brauche eigentlich niemanden, der mir sagen muss, was ich zu tun habe, oder dass ich jetzt endlich trainieren gehen soll.
Kannst du eigentlich die manchmal hysterische Begeisterung um deine Person nachvollziehen. Und könntest du auch so leidenschaftlich Fan von jemandem sein wie viele deiner Bewunderer?
Ich verstehe die Leidenschaft meiner Fans schon, weil ich ein Typ bin, der sehr jung und sehr erfolgreich ist – no na! –, aber trotzdem am Boden geblieben ist und natürlich rüberkommt. Damit können sich viele Leute identifizieren. Sie nehmen mich als Vorbild dafür, dass man scheinbar Unmögliches erreichen kann. Das kann ich schon nachvollziehen, aber ob ich selbst so viel Fan-Leidenschaft für jemanden anderen aufbringen könnte? Hmm, weiß ich nicht ... klar habe ich auch meine Vorbilder gehabt, denen ich nachgeeifert habe. Ich bin aber noch nie um drei in der Früh vor deren Haus gestanden, um anzuklopfen oder deren Namen zu schreien.
Machen das manche deiner Fans?
Nein, so extrem ist es jetzt nicht. Aber zum Beispiel in Polen sind das schon andere Dimensionen. Da findet das Springen um sieben am Abend statt, die Leut’ stehen aber schon um sieben in der Früh vorm Hotel und rufen meinen Namen.
Wer hat dich in letzter Zeit in Verlegenheit gebracht?
Eigentlich gar keiner – und in Richtung Mädchen gesehen (schmunzelt verlegen), dazu habe ich einfach zu wenig Zeit. Nein, da kann ich mich nicht dran erinnern.
Was bringt dich aus der Ruhe und wie erlangst du sie wieder?
Was mich aus der Ruhe bringen kann? Wenn viele Dinge gleichzeitig eintreffen oder viele Leute gleichzeitig etwas von mir wollen. Was mich wieder zur Ruhe bringt, ist Musik hören oder Fotografieren gehen. Wenn das alles nichts hilft, heißt’s ab in die Infrarot-Kabine.
Klingt ja sehr geheimnisvoll.
Da geht man rein und entspannt durch Infrarotstrahlung, die eine Tiefenwärme im Körper erzeugt, anders als die heiße Raumluft bei einer finnischen Sauna. Das ist meine liebste Regeneration während der Wettkämpfe. Kann man aber mittlerweile auch in vielen öffentlichen Saunas ausprobieren.
Welche Zeitschriften liegen bei dir daheim regelmäßig rum?
„Red Bulletin“, „Sportmagazin“, „Sportwoche“, manchmal die „Seitenblicke“, ab und zu auch ein Freeski-Magazin.
Wie sagst du zu deinen Eltern?
Mama und Papa.
Du bist allein daheim und hungrig. Was bereitest du dir zu?
Je nach Lust und Laune. Entweder gute Nudeln oder ein Steak. Momentan ist eher die asiatische Partie meines, chinesische Pfanne, also Wok, oder Hendl mit Ananas, solche Sachen halt.
Du bist zu zweit daheim und hungrig. Was steht am Menü?
Das kommt ganz drauf an, wer „der Zweite“ ist (lacht schallend). Wenn’s allerdings ein guter Hase ist, dann muss ich mir was einfallen lassen. Da muss schon einmal die Tischdekoration passen. Kerzen, romantische Stimmung, gute Musik, Drinks. Beim Kochen muss ich gerüstet sein, weil ich ja nicht weiß, was sie mag. Es gibt ja auch Vegetarierinnen, da muss man eigentlich alles parat haben. Von Tofu bis Eispalatschinken mit Schlagobers und Himbeeren. Für den Fall des Falles.
Rot- oder Weißwein?
Weiß.
Kamera oder Pinsel?
Kamera.
Ski oder Snowboard?
Ski.
Berge oder Meer?
Mmmh, ... beides.
Wüste oder Oase?
Oase.
Pelz oder Fleece?
Fleece.
Skateboard oder Fahrrad?
Skateboard.
Apfelstrudel mit Vanillesauce oder mit Schlag?
Schwierige Entscheidung! Beides gewaltig... am beschten boads!
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