Elisabeth Osl (c) DomDaher/Red Bull Photofiles

Eine 23-jährige zierliche Kirchbergerin zieht aus, um österreichische Mountainbike-Geschichte zu schreiben. Ausgerechnet beim Heimrennen am 19. September in Schladming könnte Lisi Osl als erste österreichische Mountainbikerin den Gesamtweltcup für sich entscheiden.

1, 5, 5, 6, 6, 4, 1: So konstant großartig waren Lisi Osls bisherige Weltcupergebnisse in dieser Saison. Nun gilt es, beim großen Showdown am Samstag, den 19. September, auf der Schladminger Planai einmal mehr Konstanz und stahlharte Nerven zu beweisen.

Was wäre, wenn …

Zugegeben, es handelt sich um Zahlenspielereien. Und auch wenn die ehrgeizige Vollblut-Athletin Lisi Osl sich voll auf das Rennen konzentriert, das große Rechnen hat in ihrem Umfeld längst begonnen: Die Tirolerin hat 65 Punkte Vorsprung auf Konkurrentin Lene Byberg aus Norwegen, theoretische Chancen auf den Gesamtsieg werden auch noch der Kanadierin Catherine Pendrel zugesprochen. Schon ein elfter Platz könnte Osl auf der Planai genügen, um den Gesamtweltcup für sich zu entscheiden. Dann nämlich, wenn Lene Byberg bestenfalls Vierte wird. Sollte sich Byberg in Schladming auf Rang zwei klassieren, reicht Osl ein fünfter Rang. Im Falle eines Sieges von Byberg müsste sich Lisi jedoch auf Rang zwei platzieren. Einen Sieg benötigt hingegen die Dritte im Bunde, die Kanadierin Catherine Pendrel, um Lisi Osl und Lene Byberg noch gefährlich werden zu können. Osl würde in diesem Fall aber schon ein 30. Platz reichen. Beinahe schon ein Mountainbike-Krimi und Rechenspielchen, von denen die junge Kirchbergerin nichts wissen möchte: „Ich habe noch nie taktiert, jetzt mit angezogener Handbremse zu fahren, wäre wohl das falsche Rezept.“ In Schladming werden alle Augen auf sie gerichtet sein, ein enormer Druck: „Ich habe heuer schon viel mehr gewonnen als erhofft, möchte das einfach genießen, und dann schauen wir mal. Ich lasse mir sicher keinen Druck auferlegen, auch wenn das leichter gesagt, als getan ist.“

Konkurrenz gibt es nur auf dem Rad

Mit ihrer größten Konkurrentin, der Norwegerin Lene Byberg, verbindet Lisi eine Freundschaft: „Wir sind uns gestern bei der Streckenbesichtigung begegnet und haben schon ausgemacht, dass wir uns – egal, wie das am Samstag für uns ausgeht – am Abend auf ein Glaserl Wein treffen werden“, grinst Lisi. „Konkurrenz gibt es bei uns nur auf dem Bike. Als ich beim Weltcup in Kanada lediglich mit einem Mechaniker angereist bin, hat mir Lene angeboten, mich bei ihr im Zelt massieren zu lassen.“

„Strecke liegt mir nur im trockenen Zustand“

Gestern konnte die anspruchsvolle Strecke auf der Planai befahren werden: „Ein unglaublich harter Kurs, mit vielen steilen Anstiegen. Sorgen machen mir die vielen Graspassagen. Da kann ich echt nur die Daumen halten, dass es am Samstag nicht regnet oder zu nass ist, denn dann werden wir unsere Bikes an diesen Stellen sicher schieben müssen. Ein Nachteil für mich, läuferisch bin ich schwächer als die Norwegerin!“

Familie reist an

Beinahe wie daheim fühlt sich Lisi schon, seit sie am Dienstag in Schladming angereist ist: „Untergebracht bin ich direkt am Berg, wie daheim, das passt also gut so. Apropos daheim: Ich freue mich schon extrem, wenn am Samstag meine Leute aus der Heimat zur Unterstützung anreisen werden. Angefangen natürlich bei meinem Papa, meinen Schwestern bis hin zum Tourismuschef. Ich hoffe, ich kann eine tolle Show bieten.“ In Schladming formiert sich auch ein großer Fanclub aus der Heimat.

Großer Empfang in Kirchberg

Gesamtweltcup hin oder her. Kirchberg, die im positiven Sinne „mountainbike-narrische“ Heimatgemeinde von Osl, steht bereits jetzt völlig Kopf. Emsig wird bereits ein Empfang für die prominenteste Tochter der Gemeinde organisiert, dieser wird am kommenden Mittwoch ab 19 Uhr in Kirchberg stattfinden.
 


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