dirtyrider Angermann.

Der letzte Blog unserer Eisernen Lady. Lisi mischt sich unter die Hare-Scramble-Teilnehmer. Ein Bericht über Schweiß, Staub und Dramen am Erzberg.

Sonntag: Der absolute Höhepunkt: Das Red Bull Hare Scramble

Bereits die Vorstartzeremonie, die den Auftakt des Rennens bildet, war ein unglaublich eindrucksvoller Anblick, welchen ich von meinem Logenplatz am Dach des Red Bull Defenders genießen konnte. Angeführt von Karl Katoch knattert dabei ein imposanter Tross von 500 Fahrern quer durch das Gelände zum Startplatz.

Im Kessel des Erzberges ging dann bei strahlendem Sonnenschein und drückender Hitze der spektakuläre Start vor sich. Im Gegensatz zu den tausenden Zuschauern, welche hinter den Absperrungen bleiben mussten und vom Ort des Geschehens aus wie winzige Pünktchen wirkten, konnte ich dieses Ereignis hautnah, face to face mit den Fahrern erleben. Nachdem die Fahrer die Startaufstellung eingenommen hatten, blieb mir noch Zeit, durch die Reihen zu spazieren und mich mit den wagemutigen Jungs (Mädels waren da unten sehr spärlich gesät – ich konnte nur eine Fahrerin entdecken) zu unterhalten.

„Warum nehmen die Fahrer diese extremen Strapazen und das Verletzungsrisiko so bereitwillig in Kauf?“ und „Was macht den Charakter des Erzbergrennens aus?“ waren die Fragen, die ich den Teilnehmern stellte. Für die Profifahrer steht ganz klar der Aspekt des Gewinnens im Vordergrund, obwohl sie sich des Risikos durchaus bewusst sind. Chris Burch sagte dazu so treffend „When I got on the plane I was actually asking myself: Do I really want to go there and get my ass kicked?” Doch die Herausforderung und der Wunsch sich selbst immer weiter zu verbessern lassen ihn und die anderen Profis diese unglaublichen Höchstleistungen vollbringen.

In den hinteren Reihen, wo viele Fahrer zum ersten Mal dabei waren, war eher mehr der olympische Gedanke „Dabei sein ist alles.“ das Motto. Gerhard B. ist heuer beispielsweise zum siebten Mal dabei und kommt nicht nur wegen der Rennen, sondern vor allem auch wegen des Feelings und der Parties. Dem stimmt Wolfi aus Kärnten zu, der mit seinen Freunden zwecks der „Gaudi“ herfährt und sich auch gleich bei mir beschwert, dass es hier viel zu wenige Mädels gibt. Für einen anderen Fahrer war die Teilnahme am Rennen der Wetteinsatz einer verlorenen Wette.

So locker die Jungs vor dem eigentlichen Start herumspazieren, genau so greifbar ist die Anspannung und die Vorfreude kurz vor dem Kick-off. Wenn die Motoren angeworfen werden, verwandelt sich der Kessel in eine brüllende, knatternde und testosterongeschwängerte Arena. Der Start der ersten Reihe heizt die restlichen Fahrer genauso an wie das Publikum. Taddy Blazusiak, der als einer der wenigen komplett auf Wasser und Brustpanzer verzichtete, konnte sich gleich zu Beginn an die Spitze kämpfen.

Es ist unglaublich zu beobachten wie scheinbar mühelos die Profis lospreschen, unglaubliche Steilhänge erklimmen und dann in Staubwolken verschwinden. Ein extremer Gegensatz, wenn man sieht, wie sehr sich die Starter der hinteren Reihen an diesen Passagen abmühen, welche Dramen sich abspielen wenn die Fahrer es ständig neu versuchen müssen, stürzen und manchmal auch scheitern.

Bei der Besichtigung der schwierigen Passagen war ich beeindruckt davon, was sich dort alles abspielt. Der ganze Erzberg ist belagert von Fans, die herumwandern, auf der Suche nach den besten Schnappschüssen sind oder die Fahrer tatkräftig unterstützen, indem sie diesen mit Seilen über die Steilhänge hinauf helfen. Es ist laut, staubt und stinkt nach Benzin. Fahrer tauchen über und über mit Schlamm bedeckt aus dem Gebüsch auf, versuchen irgendwo ihre Maschinen wieder in Gang zu bringen und lamentieren („Geh reiß ob“) oder reißen Witze („Des is a guata Checkpoint, da sind fesche Mädels“). Es gibt so viel zu entdecken und erleben, dass mir immer noch der Kopf schwirrt und dieser Blog wieder viel zu lang wird. ;)

Das Red Bull Hare Scramble ist das härteste Offroad-Motorradrennen der Welt, welches Taddy Blazusiak meiner Meinung nach heute verdient gewonnen hat. Dieses Race ist ein unglaubliches Erlebnis, sowohl für alle Fahrer die sich dieser extremen Herausforderung stellen, als auch für Zuschauer wie mich. Ich bin jetzt über und über mit Staub bedeckt (Was absolut dazugehört - Wer nicht dreckig ist, war nicht am Erzberg), müde und von der Sonne geröstet. Trotzdem war das Erzbergrodeo einmalig, ungeschlagen actionreich, mitreißend und sehr empfehlenswert!!!

Hier sind alle Blogs unserer Erzberg-Backstage-Reporterin zum Nachlesen:

Tag 1: Ich packe meine Sachen
Tag 2: Patschnass und überglücklich
Tag 3: Das war Rennfeeling pur

Alle Infos, Blogs und Interviews: www.redbull.at/harescramble
 


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