Kackmusikk.jpg

Kackmusikk heißt eigentlich Raphael Spiess, ist Producer und DJ und nimmt an der Red Bull Music Academy in Madrid 2011 teil. Wir trafen den Schweizer und sprachen mit ihm über Heavy Metal im Elternhaus und Luzerner Chuzpe.

Kackmusikk?
Ein Künstlername wie ein Hupkonzert. Die nahe liegende Interpretation: Der Innerschweizer Bassafficionado mag es gerne dreckig. Dreckigen Club-Sound, versteht sich. Und der gedeiht nicht nur in den Metropolen dieses Planeten, sondern auch in Luzern, wo Raphael Spiess herkommt. Diesen Herbst reist er an die Red Bull Music Academy in Madrid.
Einmal, im Zürcher Club Hive, sei ihm der Mixer eingegangen. Plötzlich, scheinbar aus dem Nichts, ohne erkennbaren Grund. Gut, er habe zwar schon ziemlich wild rumgefuchtelt an den Turntables, gibt Kackmusikk im Interview zu erkennen. Da war ein Knall, gefolgt von einem langsam schwächer werdenden Störgeräusch, welches aus den Boxen röchelte. Schwarzes Display am Mixer. Game Over. „Das war dann für mich spannend zu beobachten, wie ich jetzt reagiere: Verliere ich die Nerven vor den Clubbern? Oder schaffe ich es, ruhig zu bleiben? Letzteres war der Fall. Das war für mich dann wirklich cool.“

Heavy Metal im Elternhaus

Kein Zweifel: Es ist ein ungestümer Spieltrieb, den Raphi Spiess beim Mixen an den Tag legt. Dabei hat Raphi Spiess aber meist ein äußerst glückliches Händchen, wenn er Tracks mit Effekten verziert, loopt, auseinandernimmt und wieder zusammensetzt. Wie das stilistisch rüberkommt? Seine Sets verschränken auf äußerst fantasievolle Weise Genres wie Bailefunk und Eurodance. Oft legt er aber einfach auch Bassmusik auf, schwergewichtige Trommelbeats. „Rabiate Beats, die gefallen mir. Da kann es dann schon mal so richtig rocken.“. An diesem Faible seien seine Eltern nicht ganz unschuldig. Die seien große Heavy Metal-Fans. Das hätte weitaus größeren Einfluss auf seinen musikalischen Werdegang gehabt als der obligate Flötenunterricht in der Primarschule, schmunzelt Spiess.

Rambazamba
Als Produzent habe er zwar habe er schon früh HipHop-Beats geschnitzt, und mit Leuten mit Greis kollaboriert, aber so richtig losgegangen mit dem Clubsound sei es erst vor zirka vier Jahren. Tropical, dieser kunterbunte Basssound der in Städten wie Rio, Caracas oder Kairo produziert wird, war der Zünder.

Rambazamba, hat dem mal der deutsche Tropical-Vordenker Daniel Haaksmann in gänzlich zutreffendem deutschen Kalauer gesagt. Auf Man Recordings, Haakmanns Label, ist ein Remix von Hood Regulators erschienen, der DJ-Combo, bei der Spiess mitwirkt.
„Ich will jetzt nicht pseudoromantisch klingen: Aber ich mag diesen ungeschliffenen Sound, den man fast überall auf der Welt antrifft. Der scheint mir ganz einfach offener und ehrlich zu sein, als so vieles was da in den Clubs gespielt wird.“. Offen und ehrlich: Mit seiner geradlinigen Luzerner Chuzpe hat Kackmusikk auch die Spezialisten der Red Bull Music Academy überzeugt. Vom 23. Oktober bis 4. November weilt Spiess als Schweizer Vertreter in Madrid, wo die Red Bull Music Academy dieses Jahr stattfindet. Was Herr Kackmusikk im Gepäck sicher dabei hat? „Mein Equipment, das darf natürlich nicht fehlen. Und meine Freundin, die soll auch mitkommen.“.

Mehr zu Kackmusikk unter www.myspace.com/backyardbeatsmith.
 


Kommentare

    Einen Kommentar hinzufügen

    * Alle Felder müssen ausgefüllt werden
    Maximal 2000 Zeichen: :
    Gib den Code ein und klicke dann auf "Kommentar posten".

    Artikel Details