Die Beachvolleyball World Tour 2010 ist eröffnet. Weltmeister Julius Brink (27) über Größenunterschiede und Sixpacks, Fluchen am Platz und Höllentraining im Bergwerk.
Julius, du giltst als sehr emotionaler Spieler. Wenn es auf der World-Tour eine Fluch-Kasse geben würde, wie viel Geld wäre da am Ende der Saison drin?
Da würde schon ein ordentlicher Betrag zusammenkommen.
Genug für einen Fernseher oder ein Auto?
Nee, so schlimm ist es nicht. Man flucht ja auch nicht unbedingt so, dass es unter die Gürtellinie geht. Außerdem fluche ich auch viel über mich selbst, mehr als über andere.
Du bist mit 1,86 Meter einer der kleinsten Spieler auf der Tour. Wie gleichst du dieses Defizit aus?
So schlimm ist es gar nicht, weil man gerade als Abwehrspieler viele Möglichkeiten hat, das zu kompensieren. Mir gehen durch meine Größe zwar Punkte verloren, doch diesen Nachteil kann ich ausgleichen, etwa durch Aufschläge. Ich muss mir überlegen, wie ich einem Gegner mit meinen Mitteln möglichst große Probleme bereite. Und wie ich Jonas bestmöglich einsetzen kann. Unser Zusammenspiel und die Tatsache, dass wir uns sehr gut ergänzen ist unser Erfolgsgeheimnis.
Kannst du dich noch an den Tag erinnern, an dem du zum ersten Mal Beachvolleyball gespielt hast?
Das war schon sehr früh, so ungefähr mit zehn oder elf. In Leverkusen, wo ich das Hallenvolleyballspielen erlernt habe, gab es einen Biergarten mit angrenzendem Beachvolleyballplatz. Ich war noch viel zu klein für den Biergarten und mein Bruder hat mich mitgenommen, um mit seiner Mannschaft ein wenig zu spielen.
Hat dich dieser Sport gleich fasziniert?
Mich hat anfangs eher Hallenvolleyball gepackt, ein klassischer Mannschaftssport. Wir hatten in Leverkusen einen Trainer, der sehr viel Wert auf Disziplin gelegt hat. Ich bin dort auch durch alle Jugendteams gegangen. Der Schritt in Richtung Beachvolleyball ging nebenher. In Deutschland war diese Sportart damals nur ein Ausgleich zur Hallenvolleyballsaison
Ihr habt 2009 eine Menge Preisgeld eingespielt. Seit ihr mittlerweile so erfolgreich, dass ihr nach zehn Jahren Sport nie wieder arbeiten müsstet?
Dann wäre ich ja geistig arm, wenn ich nie wieder arbeiten müsste. Das war nie mein Ziel. Ich bin zum Beachvolleyball gekommen, weil es für mich eine Art Berufung war. Es ist der Sport, bei dem ich mich selbst verwirklichen kann. Das ist es, was mich sehr reich macht. Einfach Dinge, die für mich als Mensch viel zählen.
Dann wäre ich ja geistig arm, wenn ich nie wieder arbeiten müsste - Julius Brink
Beachvolleyball lebt für die Zuseher auch von den körperlichen Reizen. Habt ihr auch Groupies?
Es gibt schon Leute, die sich unsere Fotos gerne anschauen und zu unseren Spielen kommen. Natürlich auch weil wir sehr tolles Beachvolleyball spielen können. Wir haben auch Fans, die einfach sehen wollen, wie Beachvolleyball in der Weltspitze aussieht und es toll finden, dass ein deutsches Team die besten Teams der Welt geschlagen hat. Es gibt auch immer mal wieder unmoralische Angebote. Die werden dann von meiner Sachbearbeiterin beantwortet (lacht). Nein ehrlich, ich bin in festen Händen.
Wie lange muss man eigentlich trainieren, um ein herzeigbares Sixpack zu bekommen?
Wir beide trainieren nicht jeden Tag mit dem Ziel, ein Sixpack zu bekommen. Ich glaube es ist die Gesamtanzahl an Trainingsstunden, die bei uns von der Körperform her wenige Fettreserven übrig lässt. Außerdem spielt eine gesunde und ausgewogene Ernährung eine wichtige Rolle. Ein Sixpack verschwindet übrigens auch schnell wieder, vor allem nach der Saison (lacht).
Wie hast du euer „Höllentraining“ im Bergwerk Merkers erlebt?
Uns als Team hat schon immer ausgezeichnet, dass wir völlig neue Wege beschreiten. Das Salzwerk war eine faszinierende Location für die Trainingseinheiten. Dieses mystische Gefühl bleibt auch beim Spielen erhalten. Man kann die Atmosphäre dort nicht ganz ausblenden wenn man weiß, dass man sich fast 1000 Meter unter dem Meeresspiegel befindet.
An der tiefsten Stelle hatte es 30 Grad und nur 30 Prozent Luftfeuchtigkeit. Habt ihr viel geschwitzt?
Man hat schon gemerkt, dass auf die Dauer das Atmen schwerer fällt, besonders beim Krafttraining. Wir haben im Februar keine sommerlichen Temperaturen und auch keinen Strand vor der Haustür.
Wir setzen alles daran, 2012 auf unserem Zenit zu sein - Julius Brink
2012 finden die Olympischen Spiele in London statt. Ist das schon ein Thema für euch?
Natürlich, wir haben unser Projekt und unsere Zusammenarbeit darauf ausgelegt. Wir setzen alles daran, 2012 auf unserem Zenit zu sein. Das ist natürlich schwierig, wenn man im ersten Jahr gleich Weltmeister wird und alles gewinnt, was man gewinnen kann.
Du hast nach deiner Olympiateilnahme 2008 deinen Zugang zu den Spielen neu definiert. Wie lautet deine Erkenntnis?
Das Schöne war eigentlich der Weg dorthin. Dieses im Team auf ein Ziel hinarbeiten – der Weg ist das Ziel. Das war für mich eine tolle Erfahrung. Die Olympia-Qualifikation, der immense Druck, der zwei Jahre auf einem lastet. Was er mit einem anstellt, wie er einen vorantreibt. Die Olympischen Spiele bleiben ein großer Traum. Aber ich muss nicht morgens aufstehen und an London denken, um mich für das Training zu motivieren. Ich fahre gerne zum Training. Ich quäle mich auf gerne für die Sache an sich.
Wie wird dein Tagesablauf aussehen, wenn du einmal 60 Jahre alt bist?
Ich hoffe, dass mich der Leistungssport nicht so sehr gezeichnet hat, dass ich körperliche Blessuren habe. Mit 60 blicke ich hoffentlich auf eine unglaublich vollkommene Zeit zurück, die mir viel gegeben hat. Und schon jetzt kann ich sagen, dass der Sport das Beste war, was mir im Leben passieren konnte.
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