Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft. Dem Triathleten Alexander Brjuchankow ist die Philosophie von Läuferlegende Emil Zátopek zu wenig anstrengend: Er kombiniert, bloß ersetzt er Fliegen durch Radfahren.
Im Hallenbad von Tábor riecht es wie in allen Hallenbädern. Das Personal arbeitet zwar auch in dieser böhmischen Stadt großzügig mit Schmierseife und Salmiak, doch Badegäste duschen und schwimmen sich eben nicht nur den Schweiß vom Körper. Die jungen Sportler in ihren Trainingsanzügen, die sich mit ihren Sporttaschen durch das Drehkreuz beim Eingang zwängen, stört diese Muffigkeit längst nicht mehr. Auch nicht die feuchte Wärme, die ihnen mit jeder Tür, die sie passieren, heftiger entgegenschlägt.
Chlorgeruch sticht in die Nasen. Der Bademeister amtiert in einer Glaskoje, zwei Wasserballtore parken an den Stirnseiten. Von den acht Bahnen im 25-Meter-Becken sind zwei durch Leinen abgetrennt: Sperrgebiet für normale Schwimmer.
Die Sportler beginnen mit ihren Aufwärmübungen, sieben Burschen und ein Mädchen. Arme und Beine wirbeln durch die Luft, verknoten sich, lösen sich wieder, Köpfe kreisen, Muskeln werden gelockert. Die Bewegungen verraten: Hier bereiten sich echte Könner vor, nicht die Neigungsgruppe der Odborná škola, der Berufsfachschule in der Dobrovski-Straße.
Kommandos beenden die Stille. Die Burschen und das Mädchen hüpfen ins Wasser, und dann passieren Dinge, die man hier selten sieht. Egal, welche Lage die Schwimmer einnehmen, Delphin, Rücken oder Kraul: Sie kreuzen durch das Becken wie Schnell-boote, schieben Bugwellen vor sich her, beschließen jede Länge mit einer eleganten Rollwende.
Sie sind ebenso in ihrem Element wie der kleine, rundbäuchige Mann, der kommandiert. Schnurrbärtig, sieht er fast aus wie einer von Dschinghis Khans Reitern, hätte er nicht die Stoppuhr in der Hand und trüge er nicht, so wie Olga, seine Assistentin, -einen russia-Schriftzug auf seinem Shirt. Alexander -„Sascha“ Fetisow ist der Trainer des Moskauer Triathlon-Teams, das hier in und um Tábor seine Trainings-wochen verbringt. Heute wartet Wasserarbeit: Vier, sechs, acht schnelle Längen wechseln mit Längen zum Entspannen, Sascha nennt es „Baden“. Das Tempo ist hoch: Es sind 100-Meter-Zeiten von 1:05 Minuten, eine ganze Übungsstunde lang. Um als Fußgänger am Beckenrand mitzuhalten, heißt es zügig ausschreiten.
Im Pulk der Athleten, die sich in blindem Verständnis die schmalen Bahnen teilen, schwimmt auch Alexander Brjuchankow. 1,88 Meter groß, 75 Kilo schwer, eindrucksvoll geformter Oberkörper, kräftige, aber flache Brustmuskeln, erstaunlich dünne Arme. Später wundert man sich über seinen weichen Händedruck, doch das täuscht: Der 23-Jährige führt nach drei Rennen die Dextro Energy World Championship Series an, die oberste Triathlon-Kategorie für die olympische Distanz: 1,5 Kilometer Schwimmen, vierzig Kilometer Radfahren, zehn Kilometer Laufen, natürlich am Stück.
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