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Er ist zwar ein internationaler Rockstar, aber in seinem Kleidungsstil ist Paul Weller so englisch wie Fish’n’Chips mit HP Sauce.

Paul Weller (*1958) wurde als Sänger und Gitarrist mit The Jam Mitte der 70er weltberühmt, in den 80er Jahren setzte er seine musikalische Laufbahn mit The Style Council etwas weniger beachtet fort. Die 90-er waren wieder eine Up-Periode für den Briten, der mit seinem Mod-Look auch gern stilistisch Akzente setzt.

Seine bekanntesten Soloalben sind „Wild Wood“ (1993), „Stanley Road“ (1995) und „22 Dreams “ (2008). Weller ist Vater von fünf Kindern aus verschiedenen Beziehungen, lebt in London und ist als erbitterter Gegner der unter englischen Aristokraten beliebten Fuchsjagd bekannt.

Zufälligerweise wohnt Weller in meinem Viertel, gleich ums Eck. Noch nie habe ich den Modfather anders gesehen als perfekt durchgestylt – sogar wenn er morgens in seinem Mini Cooper zum Zeitung holen ausfährt. Nun hat er mir bei einer Tasse Tee die Feinheiten seines Stils erklärt.

Paul, was ist der Ausgangspunkt deiner lebenslangen Mission in Sachen guter Geschmack?

Ich bin in einer Pendlersiedlung im Einzugsgebiet von London aufgewachsen. Mir und den Kids aus der Nachbarschaft war es der beliebteste Zeitvertreib, sich scharf anzuziehen. Das ist so ein bisschen eine Working-Class-Eigenheit. Wenn du nicht so gut womöglich gestylt bist, hattest du einfach kein Leiberl bei deinen Kumpels. Man arbeitet in einem Teilzeitjob und sparte auf die Klamotten, die den Unterschied machten. Am Wochenende ging’s zur Party des örtlichen Fußballclubs, wo wir zu Ska und Northern Soul tanzten und feststellten, dass die Top-Jungs plötzlich ihren Style gewechselt hatten und wir zwar immer noch jünger waren, aber im Vergleich zu ihnen alt aussahen.

Klingt nach Wettbewerb.

Ja, das war es auch, aber es gehörte nun einmal zu unserer Jugend. Es sind meine Wurzeln, Mate, und denen bleibe ich treu.

Von welchem Zeitraum sprichst du?

Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger. Wir waren zu jung um echte Skinheads zu sein, also nannten wir uns Suede-Heads, das war ungefähr dasselbe, nur smarter. Taschengeld bekamen wir wenig, aber irgendwie bekamen wir diesen amerikanischen College-Look hin, mit seinen Loake Loafers oder Wingtips von Dr. Martens, beide natürlich mit weißen Socken, den Sta-Prest-Hosen, Buttoned-Down-Hemden und Ärmellosen Jumpers.

Nicht zu vergessen die Bomberjacke, oder?
Über all dem trugen wir natürlich die unvermeidliche Harrington [Baracuta G9] Bomberjacke, eine der ikonischsten Jacken, die je entworfen wurden, ein echter Klassiker. Sie war fixer Bestandteil meiner Jugend und auch heute trage ich sie noch gern. Heute kann ich mir die originale G9 leisten, damals trugen wir billigere Kopien.

Was ist mit Ben Sherman-Hemden?
Vor ein paar Jahren designte ich eine Limited Edition für Ben Sherman, basierend auf einem originalen Sixties-Hemd, das sie mir gaben. Ich brachte nur ein paar zeitgemäße Änderungen ein und das Resultat konnte sich echt sehen lassen. Aber in Woking mussten wir alle kräftig sparen, um uns unsere Ben Shermans leisten zu können. Ein günstigerer Ersatz waren Brutus-Hemden. Mit 12 oder 13 bekam ich mein erstes echtes Ben-Sherman-Hemd – in Zitronengelb. Es war mir zwar viel zu groß, aber ich wusste, ich würde hineinwachsen.

Was bedeutet echter Stil für dich?

Liebe zum Detail, das ist so ein Mod-Ding, aber mittlerweile kommt es bei mir von selber, weil ich schon so lange detailversessen bin (lacht). Es bedeutet, das absolut perfekte Taschentuch in der Sakko-Brusttasche zu haben, das passende Hemd dazu und so weiter. Bei mir kommt das alles sicher aus meinen Suede-Head-Tagen, Anfang der Siebziger. Das muss mich echt sehr beeindruckt haben: Die Kleinigkeiten im Schnitt der Hemdkrägen und Hosenstege. Es muss alles zusammenpassen – genau wie in meiner Musik. Ich glaube aber auch, dass niemand unter meinen Jugendfreunden dermaßen besessen von Style war wie ich.

Die sind aber auch nicht Paul Weller.
Das mag ein guter Grund sein, ja (schmunzelt).


Paul Wellers neues Album „Wake Up The Nation“ ist gerade erschienen, hier gibt’s das Video zur Single:


www.islandrecords.co.uk
www.paulweller.com
 


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