Auf der dritten Etappe des Sahara Race erreichte die Hitze einen neuen Höhepunkt. Viele Athleten mussten den enormen Strapazen erstmals Tribut zollen – so auch Christian Schiester.
Christian Schiester: Der verlorene Schlafsack hat mir keine angenehme Nacht bereitet. Nur in meinem Overall und der Rettungsdecke wurde es in den frühen Morgenstunden bitterkalt. Umso motivierter habe ich kurz vor dem Start das Zelt verlassen. Über tiefen Sand näherten wir uns nach dem Startschuss einer leicht ansteigenden Ebene, eingebettet in sanfte Dünen, die sich links und rechts majestätisch in den tiefblauen Himmel erhoben. Der Sand hatte durch den Wind die charakteristische Wellenform und war nach wenigen Kilometern hart gepresst. Ich startete eine Attacke und konnte mich schnell von meinen Verfolgern absetzen.
Bis nach dem zweiten Checkpoint konnte ich Mehmet Danis und Tobias Frenz in Schach halten. Langsam machten sich aber meine Muskeln bemerkbar, die auch schon in den ersten beiden Tagen erste Anzeichen von Krämpfen zeigten. Ich fühlte mich irgendwie leer, ein typischer Hänger. Die Venotrain-Strümpfe verschafften mir zusätzliche Kraft. Gleichzeitig stieg die Temperatur weit über 40°C und ich bemerkte früh, dass das Wasser nicht reichen würde. Nach dem zweiten Checkpoint wurde das Laufen stellenweise unmöglich, nur Frenz hielt sein Tempo eisern durch und zog davon. Mir kam es vor wie im Backofen, mit Ober- und Unterhitze.
Schließlich erreichte ich den Checkpoint, der direkt vor der Oase Ain El Serw lag. Traurig war nur, dass ich von dem Wasser, das aus den grünen Palmen hervorquellte und nach einigen Metern im Wüstensand versickerte, keinen Schluck trinken durfte (so das Reglement). Die letzten sieben Kilometer hatte ich keine Flüssigkeit mehr bei mir und war extrem dehydriert. Immer wieder verschwamm das Bild vor meinen Augen, meine Hände und mein Gesicht wurden zunehmend taub. Eine Fliege hat mich ständig gequält, ich konnte aber meine Arme nicht mehr heben, um sie zu vertreiben. Ich wankte dem Ziel entgegen, nahm alles nur noch wie im Traum wahr – die Schmerzen aber blieben. Als ich die Ziellinie überquerte, nahm ich alles um mich nur noch als Rauschen wahr. Ich brauchte fast zwanzig Minuten, um mich von diesem Zustand zu erholen.
Obwohl ich mit meiner Attacke wohl zu leichtsinnig war, kann ich mit dieser Etappe zufrieden sein. Der führende Danis Mehmet hat sein hohes Tempo in den ersten Tagen bereits büßen müssen und auf mich zwei Stunden verloren. Nur Frenz zeigt nach wie vor keine Anzeichen von Müdigkeit. Auch der Italiener Barghini und der Spanier Silvestre haben ein starkes Lebenszeichen von sich gegeben. Die heutige Etappe hat gezeigt: Es kann noch alles passieren, und es ist noch alles offen.
Run on, Christian Schiester
Ranking nach Etappe 4:
| 1. Tobias Frenz (GER) | 12:51:03 |
| 2. Christian Schiester (AUT) | 13:48:48 |
| 3. Paolo Barghini (ITA) | 13:57:04 |
| 4. Luis Marcos Silvestre (ESP) | 14:06:18 |
| 5. Mehmet Danis (CAN) | 15:04:53 |
| 6. Ash Mokhatari (CAN) | 15:41:36 |
Kommentare
Einen Kommentar hinzufügen