Hans-Peter Steinacher Action

Roman Hagara (44) und Hans-Peter Steinacher (42) über die neue Herausforderung Extreme Sailing. Ein Gespräch über Sprachverwirrung am Big Boat und die Neudefinition des Ernährungsplans.

Die Doppelolympiasieger im Tornado-Segeln, Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher, starten mit ihren Teamkollegen David Vera (Spanien) und Gabriele Olivo (Italien) als Red Bull Extreme Sailing Team. Beim Auftakt in Sète (Frankreich, von 27. bis 30. Mai) erreichte die neu zusammengesetzte Crew Platz sieben.

Seid ihr mit den bisherigen Ergebnissen in der neuen Disziplin zufrieden?
Hans-Peter: Wir sind neu in der Klasse und machen unsere Lernphase durch. Wir brauchen noch ein bis zwei Jahre, bis wir wirklich ohne Fehler mitfahren können und das Material soweit im Griff haben. Das Podium ist immer unser Ziel. Wenn es klappt, ist es traumhaft. Wenn nicht, ist es auch kein Beinbruch. Unser Handicap ist, dass wir noch keine konstante Leistung zeigen können. Aber das kommt mit der Zeit und mit der Erfahrung.

Der Umstieg vom Tornado-Segeln aufs Big Boat erfordert viel Kraft. Wie macht sich das bemerkbar?
Hans-Peter: Wir bräuchten eigentlich sechs Leute an Board, aber das ist verboten (lacht). Wir brauchen für jeden Handgriff noch zu viel Energie. Körperlich sind wir am Limit. Für vier Leute zu segeln ist dann doch ein anderer Anspruch. Wir brauchen für jedes Manöver zu viel Kraft. Das liegt einfach daran, dass uns im Gegensatz zur Konkurrenz Segeltage fehlen. Sobald wir alles automatisiert haben und besser greifen, können wir auch besser abschneiden.
Wir haben pro Tag sechs bis acht Wettfahrten, das ist sehr viel. Gegen Ende der Woche setzt die Müdigkeit ein, sodass wir ziemlich ausgepowert sind. Es ist schwierig, in einem hochklassigen Feld zu bestehen. Es gibt neun hochprofessionelle Teams. Aber wir kämpfen uns da durch und dann sieht das in Zukunft auch besser aus.

Bleibt da noch Zeit zum Entspannen?
Hans-Peter: Wir sind den ganzen Tag am Wasser und bekommen keine warme Mahlzeit. Wir ernähren uns nur von Riegeln. Sobald wir vom Boot runterkommen, schauen wir, dass wir schnell etwas zu Essen bekommen. Dann wird nur noch geschlafen oder regenerativer Sport getrieben, um von 180 runter zu kommen.

Habt ihr einen Ernährungsplan?
Roman: Wir hatten einen strengen Plan, als wir noch Tornado gefahren sind. Jetzt macht das Gewicht nicht mehr so viel aus. Ich finde es sogar sehr angenehm, dass man nicht darauf achten muss, was man isst (lacht).

Wie sind die Aufgaben auf dem Boot verteilt?
Hans-Peter: Ich bin der Taktiker/Traveller: Während der Wettfahrt bespreche ich mit Roman, welchen Kurs er einschlagen soll, wie zum Gegner gefahren und auf welcher Seite gestartet werden soll. Ich gebe die Informationen über die Windverhältnisse weiter und entscheide mit Roman gemeinsam.
Roman ist unser Steuermann/Skipper: Er kann relativ wenig machen, weil man das Boot mit sehr viel Gefühl steuert. Er muss schauen, dass sich das Boot möglichst schnell vorwärts bewegt.
Gabriele ist der Trimmer: Er schaut, ob die Segel richtig getrimmt sind. Er ist dafür verantwortlich, das Boot schnell und richtig zu trimmen. Während des Segelns können ständig Veränderung vorgenommen werden.
David ist der Bowman: Er ist der Kräftigste von uns drei. Er muss die Segel setzen. Sein Körper wird bis zum Limit belastet. Er bekommt abwechselnd von Gabriele und mir Unterstützung, weil sein Körper sonst komplett übersäuert.

Ihr habt euch einen Italiener und einen Spanier mit an Board geholt. In welcher Sprache kommuniziert ihr?
Roman: (Lacht). Das ist so eine Sache. Unser spanischer Bowman kann leider nicht so gut Englisch. Er fragt dann immer den Italiener und der übersetzt es ihm dann wiederum ins Spanische. Hans-Peter und ich sprechen Deutsch. Es ist manchmal wirklich ein Kauderwelsch und am Ende versteht niemand was. Einige Begriffe gibt es nun mal nur auf Englisch. Der Spanier spricht es zum Beispiel ganz anders aus als wir. Wir ziehen ihn dann immer auf und sprechen es auch so aus wie er. Aber grundsätzlich kann jeder ahnen, was man meint, wenn es ans Eingemachte geht.

Wie ist die Zusammenarbeit auf dem Boot?
Hans-Peter: Ich bin sehr zufrieden mit unseren exotischen Teamkollegen. Sie erwarten nicht, dass alles schon vorbereitet ist, sondern packen selbst mit an. Wir gehen natürlich einen harten Weg. Wir hätten Sportler kaufen können, die schon zwei Jahre gesegelt sind. Wir haben uns aber dafür entschieden, Segler dazuzunehmen, die auch neu auf dem Big Boat sind. Am Ende kommt sicher eine tolle Teamarbeit heraus.
Roman: Die beiden sind wirklich mit Leib und Seele dabei. Sie wollen gewinnen und würden alles dafür geben. Sie zeigen sehr viel Einsatz und Leidenschaft.

Beim Rennen muss alles passen. Von außen sieht es sehr hektisch aus. Wer behält die Kontrolle an Board?
Roman: Ich bin der Böse an Bord. Ich bin am Ruder. Wenn etwas nicht passt, dann kriegen die Anderen das schon zu spüren. Ich hab den Überblick über Wind und Taktik und gebe Feedback an das Team. Generell ist es sehr laut auf dem Boot. Jeder schreit jeden an.

Welche peinlichen Erlebnisse hattet ihr schon?
Hans-Peter: Naja, peinlich genug ist, dass wir mittlerweile schon die 428. Version vom Leine-Einrollen (Furling Line) haben und sie immer noch nicht passt.
Roman: David meinte dann irgendwann, wir haben jetzt 99 Prozent, aber trotzdem war es noch nicht die Endversion.

Wie viel Pflege erfordert so ein Boot?
Hans-Peter: Das Boot braucht sehr viel Liebe und Pflege. Wir gehen sehr vorsichtig damit um, weil es ein sehr teures Sportgerät ist.
Roman: Vor und nach dem Segeln prüfen wir den Zustand des Bootes. Vor allem der Unterwasser-Bereich muss genau beobachtet werden.

Wenn ihr die Wahl zwischen einem schicken Auto und eurem Boot hättet, wofür würdet ihr euch entscheiden?
Hans-Peter: (Lacht). Die Antwort ist doch ganz klar. Wir würden das Boot nehmen. Das hält wenigstens für die Ewigkeit. Und tolle Autos haben wir sowieso schon.

Welche Fußball-Mannschaft ist euer Favorit?
Hans-Peter: Wir schauen beide gar keinen Fußball. Da wir einen Italiener und Spanier im Team haben, bin ich für diese beiden Länder.
Roman: Ich halte zu Spanien.

www.redbullextremesailing.com
www.hagara-steinacher.at
 

Die nächsten Rennen auf einen Blick:

11.-18.07.2010: Portorož (SLO)
31.07.-05-08.2010: Cowes (UK)
26.08.-29.08.2010: Kiel (GER)
23.09.-26.09.2010: Trapanie (ITA)
09.09.-12.10.2010: Andalucia (ESP)

 


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