Red Bull Road Rage (c) Christophe Margot/Red Bull Photofiles

72 Zweiradritter jagten am 24. Oktober auf der Passstraße Rengg nach Entlebuch (Schweiz) das goldene Geschoss, das den schnellsten Asphalt-Cowboy am Red Bull Road Rage auszeichnet. Den Schlussspurt bei Tempo 90 entschied Sebastian Körber (GER) vor Jonas Köhler (IRL) und Michael Schäfer (SUI) für sich.

Samstag, 24. Oktober 2009, auf der Rengg bei Entlebuch: Kuhglocken bimmeln, saftig grün dampfen die Wiesen in der Morgensonne, ein Schweinetransporter rollt heran und bleibt im Gewühl stecken: Rennvelos, Mountainbikes und Menschen in bunten Bike-Outfits drängen sich auf dem Passübergang. Der Ausnahmezustand auf der Rengg-Passstraße hat einen Namen: Red Bull Road Rage. 72 Zweiradritter sind in die Zentralschweiz gereist, um zwei Fragen zu klären: Wer ist der Schnellste der Schnellsten? Und ist es ein Gümmeler oder ein Downhiller? Sie kamen aus einem halben Dutzend Länder und aus allen Ecken des Zweiradsports: Downhill-Biker, Straßenrennradfahrer, Cross Country-Spezialisten, und sogar ein Bahnsprinter war dabei. Ihre Kleidung war so unterschiedlich wie die Vehikel, die sie zu Tal steuerten. Doch eines war für alle gleich: Das Rennen, das sie hier bestritten, war völlig anders, als alles, was sie sonst mit ihrem Rad anstellen.

99 Sekunden für 2100 Meter

Lieblich schlängelt sich die Kampfbahn bergab: 2100 Meter Asphalt mit zehn Prozent Gefälle, engen und noch engeren Kurven, gekrönt von einer Hochgeschwindigkeitsgeraden. 99 Sekunden brauchte Jonas Köhler, der Schnellste in den Einzelzeitläufen, mit 76km/h im Durchschnitt. „Hier ohne Gegenverkehr hinunter zu fahren, ist das Startgeld schon wert“, meinte Pascal von Holzen aus Gersau, für den das Rennen nach der Qualifikation beendet war. Jene 32 Fahrer, die sich in den Einzelzeitläufen für die K.o.-Runde qualifizierten, sind nicht nur zum Mitmachen gekommen. Ihr Geschwindigkeitsgen ist vom Wettkampfvirus befallen. Zu viert stürzten sie sich die Startrampe hinunter und beschleunigten ihr Rad auf Höchstgeschwindigkeit. In den Serpentinen auf der ersten Streckenhälfte behaupteten sich ein paar pedalkräftige Biker gegen die sich immer mehr abzeichnende Übermacht der Straßenrennradler. Diese drehten spätestens im zweiten Abschnitt auf. Jenseits der 80km/h-Grenze wurde die Luft dünn für die kleinen Räder. Die ersten jedes Laufs erreichten die nächste Runde. Der Sieger des Red Bull Road Rage in Frankreich, der Tour de France erprobte Ex-Profi Frédéric Moncassin, musste nach dem Viertelfinale sein Velo parkieren, ebenso Thomas Schäfer, der Gewinner der deutschen Ausgabe.

Rennräder im großen Gang

Immer wieder zogen Nebelschwaden über die Sonnen beschienene Rennstrecke. Im Finale erreichte die Stimmung dann endgültig den Siedepunkt. Wie in all seinen Vorläufen lag der Lokalmatador Michael Schäfer aus Burgdorf nach den vier engen Kurven vorne, konnte sich danach aber nicht gegen die Riesenübersetzungen der Gümmeler durchsetzen. Den Schlussspurt bei Tempo 90 gewann schließlich Sebastian Körber (GER) vor Jonas Köhler (IRL). Michael Schäfer rettete mit dem dritten Platz die Ehre der Biker und der Schweizer. „Nächstes Jahr komme ich mit einer größeren Übersetzung wieder“, versprach Schäfer. Wieder kommen will auch Sebastian Körber, im Arm das goldene Geschoss, das den schnellsten Ritter der Passstraße auszeichnet.
 


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