kurier_fischhuber_photofiles.jpg Foto: Ulrich Grill/Red Bull Photofiles.

Österreichs Weltklasse-Sportkletterer Kilian Fischhuber (26) über Wunderkinder in der Wand, Herausforderungen im Gebirge und den neuen Kletter-Boom im Flachland.

Du hast am Wochenende den Boulder*-Weltcup-Auftakt in Greifensee (Schweiz) gewonnen. Deinen Finalkonkurrenten nennst du „Wunderkind“. Wer war dieser Kletterer?
Adam Ondra aus Tschechien. Er ist Jahrgang 1993 und ja: Er ist ein Wunderkind, das muss man einfach akzeptieren. Es ist etwa so wie mit Usain Bolt beim Sprinten. Adam klettert einfach auf einem anderen Level, und keiner weiß wirklich wieso.

Aber du hast ihn am Wochenende geschlagen.
Ja, ich habe die Möglichkeit genutzt. Normalerweise kann ich mich nicht beschweren, wenn er mir davon klettert. Aber dieses Mal hat es geklappt und deshalb war es ein besonderer Sieg für mich.

Wie ist das Finale abgelaufen?
Adam konnte immer vorlegen und ich war in der schwierigen Situation, dass ich nachziehen musste. Er hat dann im Finale die Boulder Nummer drei und vier geflasht, also im ersten Versuch durchgeklettert. Ich musste nachziehen und habe es auch geschafft. Letztendlich ging das Finale unentschieden aus, was wirklich sehr selten vorkommt und ich habe aufgrund meines besseren Abschneidens in der Vorrunde gewonnen.

Du bist vierfacher Weltcupsieger. Hilft dir in solchen Fällen deine Erfahrung?
Ja, denn beim Bouldern kommt es nicht nur auf die Fitness an, sondern auch viel auf Taktik und somit auf Erfahrung. Bei komplizierten Sprüngen bin ich sicherlich noch im Vorteil. Wenn man in diesem Sport mental nicht immer auf der Höhe ist, kann es sein, dass man nicht einmal das Finale erreicht.

Du hast den Boulder-Weltcup in den vergangenen drei Jahren gewonnen. Wie sehen deine Ziele für 2010 aus?
In den letzten Jahren hat es immer gut funktioniert, natürlich ist der Weltcup auch dieses Jahr ein Ziel von mir. Ich bin voll motiviert und möchte jeden Wettkampf gewinnen. Mit Adam habe ich aber einen sehr schweren Gegner. Er sieht eigentlich nicht mal wie ein typischer Kletterer aus, aber er fällt einfach nicht aus der Wand (lacht).

Österreich bringt seit einigen Jahren immer wieder Weltklassekletterer wie Angy Eiter oder David Lama hervor. Woran liegt das?
An der guten Jugendarbeit, am guten Umfeld und daran, dass es immer mehr Kletterhallen im Land gibt. Ich sehe es ja zum Beispiel am Leistungszentrum Tivoli in Tirol. Die guten Kletterer pushen sich dann auch gegenseitig.

Kannst du als Weltklassekletterer von deinem Sport leben?
Momentan schon. Red Bull ist mein Hauptsponsor, außerdem bin ich Heeressportler und dort angestellt. Es ist aber sicher nicht so, dass ich nach meiner aktiven Karriere nicht mehr arbeiten brauche. Abgesehen davon, dass ich das auch nicht wollen würde. Arbeit kann ja auch sehr erfüllend sein. Ich studiere in Innsbruck Lehramt Sport und Englisch und möchte in drei Jahren damit fertig sein.

Reizt dich das Klettern im alpinen Gelände?
Mich reizt alpines Sportklettern. Das heißt, ich möchte den Schwierigkeitsgrad vom Bouldern in der Felswand klettern. Extrem sollte es aber nicht sein, die alpine Wildsau bin ich nicht (lacht). Aber ich bin 2009 „Des Kaisers neue Kleider“ geklettert (eine 340 lange Route am Fleischbankpfeiler im Wilden Kaiser in Tirol mit Schwierigkeitsgraden bis zu 8b+, Anm.). Das war schon etwas Besonderes für mich.

Der Boulder-Weltcup macht am 28. und 29. Mai in Wien Station. Warum sollte man sich diesen Bewerb als Laie ansehen?
Weil es eine tolle Show ist. Wir haben sehr kompetente Sprecher bei den Bewerben, die die Details und Fachausdrücke für das Publikum erklären. Also unbedingt vorbeischauen. In Tirol war ja jeder schon mal klettern. Ich glaube in Wien wird das bald auch so sein.

www.boulder-worldcup.com

*Bouldern: von engl. „boulder“ (Felsblock). Sportklettern ohne Seil in Absprunghöhe.
 


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