Zur diesjährigen Festspielzeit präsentiert der Hangar-7 in Salzburg einen außergewöhnlichen Künstler: Jos Pirkner, der Osttiroler Bildhauer, überrascht das Publikum neben malerischen Arbeiten besonders mit fulminanten Skulpturen.
In der Ausstellung Jos Pirkner – Material, Form und Raum (ab 31. Juli) werden Arbeiten der jüngeren Vergangenheit als auch Beispiele aus einer ganz neuen Werkgruppe gezeigt: monumentale Stiere aus Bronze. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog.
Der Künstler Jos Pirkner weist einen Lebenslauf und ein Werk auf, das nur mit wenigen anderen vergleichbar ist. Seine Ausbildung zum Bildhauer erhielt er in Graz und Salzburg. Dann ging er nach Holland auf die freie Akademie Utrecht um mit dem Atelier Brom, einer weithin bekannten Werkstatt für Gold- und Silberbildhauerei zu arbeiten.
Mit seinen Skulpturen in Silber, Bronze oder Glas hatte Pirkner rasch große Erfolge in Europa und den USA. Über 25 Jahre lebte er in den Niederlanden, wo er sein eigenes Atelier eröffnete, um 1978 wieder nach Osttirol zurückzukehren, wo er seitdem lebt und arbeitet.
Immer schon ist Pirkner von den Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Figur fasziniert: als Torso, in einzelnen Figuren, aber auch als Paare oder Gruppen von Menschen, ineinander verschlungen oder dynamisch bewegt, für verschiedene Kontexte, Innenräume oder den öffentlichen Raum.
Selber sagt der Künstler dazu: „Nicht die Anatomie ist die Herausforderung für mich, nicht der Körper selbst, sondern seine Sprache. Sie ist vielsagend und eindeutig zugleich.“
Als Beispiele seien genannt die großen Figuren für eine Brunnenanlage in Wattens, der monumentale Brunnen am Sparkassenplatz in Innsbruck oder das Grab für Julien Green, angelehnt an die Geschichte der Jünger von Emmaus, in der Stadthauptpfarrkirche St. Egid von Klagenfurt. Der Schriftsteller (gestorben 1998 in Paris) hatte sich die Bestattung in Kärnten und die Gestaltung des Grabes durch Pirkner gewünscht.
Immer stärker sind in den letzten Jahren Skulpturen von Pferden und Stieren sowie Themen aus alten Mythologien hervorgetreten. Zu ihnen gehören im Besonderen für Jos Pirkner der Visionär Dädalus und sein Sohn Ikarus.
In den Arbeiten wird die große Imaginationskraft des Bildhauers abermals deutlich, sein inhaltlich und formal kraftvolles und nuanciertes Ausbalancieren zwischen Narration und Abstraktion: Dädalus, der sich und seinen Sohn von Kreta wegbringen und aus Minos‘ Gewalt befreien möchte, doch Land- und Meerweg sind versperrt und so bleibt nur das Hinaufschwingen in die Luft – ein ungeheuerlicher Gedanke, denn nur Götter vermögen zu fliegen.
Doch vermeintliche Unmöglichkeiten, scheinbare Probleme reizen den nimmermüden Künstler erst recht und so startete er jüngst die Erstellung einer 14-teiligen Gruppe von heranstürmenden Stieren, von denen zwei Exemplare beispielhaft in der Hangar-7 Ausstellung zu sehen sind.
Die gesamte Gruppe wird es einmal im Headquarter von Red Bull in Fuschl am See zu sehen geben. Denn auch dieser Bau geht auf Jos Pirkners Idee und Entwurf zurück. Architektur als Fortführung der Bildhauerei. Seine Worte dazu: „Als Bildhauer habe ich nur drei Ausdrucksmittel: das Material, die Form und den Raum“.
© Red Bull
Die Ausstellung im Hangar-7 in Salzburg ist zu sehen vom 31. Juli bis Mitte September 2010.
Anlässlich der Ausstellung erscheint im August 2010 im Heyne Verlag München ein umfangreicher Katalog mit ausführlichen Fotostrecken zum Prozess des Gießens der Stiere in der Bronzegießerei Noack in Berlin und Textbeiträge unter anderem folgender Autoren:
Gert Ammann, Kunsthistoriker, Autor (ehem. Direktor des Tiroler Landesmuseums Innsbruck).
Andreas Hapkemeyer, Kunsthistoriker, Kurator (Museion - Museum für moderne und zeitgenössische Kunst Bozen).
Katharina Helwig, Kunsthistorikerin und Kritikerin, Berlin.
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