Die zweite Etappe beim Sahara Race führte die Starter tief in die Wüste. Am Grat der Sanddünen entlang ging es Kräfte raubend in Richtung Ziel, wo auf Christian Schiester jedoch eine böse Überraschung wartete.
Christian Schiester: Heute fiel um acht Uhr der Startschuss zur zweiten Etappe. Nach den ersten Kilometern verließen wir langsam die weiße Wüste mit ihren bizarren Steinformationen. Gleich zu Beginn setzte sich das Spitzentrio ab und näherte sich Schritt für Schritt den sandigen Weiten der Sahara. Kurz vor dem ersten Checkpoint unternahm ich einige Attacken und konnte mich ein Stück absetzen. Mein Plan ging auf: Mehmet Danis und Tobias Frenz konterten und duellierten sich ständig um die Führung. Ich ließ mich wieder auf mein Tempo zurückfallen und beobachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung, um mich ja nicht zu einem Kräftemessen hinreißen zu lassen.
Nach etwa 20 Kilometern kamen die ersten Sanddünen in Sichtweite. Mittlerweile liefen wir auf tiefem Sand und die Sonne näherte sich dem Zenit. Die Hitze war auf dem reflektierenden Boden teilweise fast unerträglich, nur der Wind verschaffte hin und wieder Abkühlung. Die Luftspiegelung gaukelte mir in der Ferne immer wieder Oasen, Palmen und Wasser vor – wohl eine Mischung aus Fata Morgana und Wunschdenken. Schließlich erreichten wir die Sanddünen. Über den Grat – manchmal zu schmal, um darauf laufen zu können – ging es bergauf und bergab in Richtung Camp, das sich bereits am Horizont abzeichnete. Teilweise war es so steil, dass das Laufen fast unmöglich wurde und man bei jedem Schritt wieder zurückrutschte – eine sehr Kräfte raubende Angelegenheit und der bisher anstrengendste Teil des Sahara Race.
Nach 44,2 Kilometern erreichte ich als Dritter das Ziel. Danis und Frenz haben sich bis zuletzt um den Etappensieg gematcht und damit sicherlich viel Kraft verbraucht. Ich bin meiner Taktik treu geblieben und noch nicht an meine Reserven gegangen. Zufrieden marschierte ich in das Zelt, wo es für mich – nach Behandlung meiner ersten Blasen – ein böses Erwachen gab: Bei einem Sturz habe ich unbemerkt meinen Schlafsack verloren. Somit blieben mir nur zwei Möglichkeiten: 35 Kilometer zurückzulaufen und zu suchen oder eine Zeitstrafe und sehr kalte Nächte in Kauf zu nehmen. Ich entschied mich für die zweite Variante. Eine Zeit lang habe ich mich natürlich sehr darüber geärgert. Aber das hilft mir jetzt auch nicht weiter. Daher: Selbst schuld, abhaken und mit dem Motto „Jetzt erst recht!“ in die dritte Etappe gehen – zuvor aber natürlich die nächtlichen Temperaturen von etwa fünf Grad überstehen. Über das Ausmaß der Zeitstrafe wird erst morgen entschieden.
Run on, Christian Schiester
Ranking nach Etappe 2:
| 1. Mehmet Danis (Can) | 8:05:43 |
| 2. Tobias Frenz (GER) | 8:18:57 |
| 3. Christian Schiester (AUT) | 8:26:59 |
| 4. Luis Marcos Silvestre (ESP) | 9:03:06 |
| 5. Paolo Barghini (ITA) | 9:14:45 |
| 6. George Chemiel (USA) | 9:29:39 |
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