„That’s It, That’s All“ ist das 60-minütige Extrakt von zwei abenteuerlichen Jahren im Leben von Travis Rice und Curt Morgan. Der Film definiert das Genre des Snowboard-Movies ziemlich neu.
Curt Morgans Stimme krächzt in halben Sätzen aus dem Handy, bis die Verbindung ganz abbricht. Fünf Minuten später ruft er zurück. „Ich sitz hier in einem Helikopter, mitten in der kalifornischen Wüste, praktisch direkt auf einer Cineflex-Kamera, mit einem Laptop auf den Knien."
In ungefähr dieser Art verliefen zwei Jahre lang die meisten Telefonate im Leben des 26-jährigen Filmemachers. Wenn es nicht Wüste war und nicht Kalifornien, dann waren es schneebedeckte Gipfel oder Gletscher in Alaska, Neuseeland oder Kanada.
Zwischen seinen Telefonaten bediente Morgan mit Daumen und Zeigefinger das hochkomplizierte Kamerasystem an der Nase des Hubschraubers, während er dem Piloten Anweisungen zubrüllte und unter ihm einige der weltbesten Snowboarder ihre Linien in frischen Pulverschnee zauberten. Und wenn er nicht im Helikopter saß, war irgendetwas anderes zu tun.
„Er ist ein unglaubliches Energiebündel", sagt Morgan über seinen Partner Travis Rice, „er jagt dich um sechs Uhr früh aus dem Bett, pusht dich den ganzen Tag: Hier hat er noch eine Idee, dort gibt er dir Feedback."
Die zwei Jahre waren nicht die beschaulichsten in Curt Morgans Leben. Doch sie haben sich ausgezahlt. Denn am Ende dieser Odyssee steht der sehr wahrscheinlich beste Snowboardfilm aller Zeiten. That's It, That's All, das gemeinsame Projekt von Filmproduzent Curt Morgan und Snowboard-Superstar Travis Rice, wurde von Fans gefeiert und mit Preisen überhäuft.
Erst kürzlich wurde das sechzigminütige Meisterstück beim X-Dance Action Sports Film Festival in Salt Lake City, Utah, gleich doppelt ausgezeichnet: beste Kamera, bester Film. Brian Wimmer, Gründer und Direktor des Festivals, dessen Preise als die Oscars der Extremsportfilme gelten, schwärmte: „Bei diesem Film stimmt einfach alles: Kameraführung, Schnitt, Soundtrack, Action, Story. That's It, That's All ist die neue Messlatte in unserem Genre."
Morgan und Rice kümmerten sich über zwei Jahre lang nicht nur um Snowboards und Kameras: Die beiden gründeten zunächst eine Produktionsfirma als organisatorische Homebase des Projekts, sorgten für dessen gesamte Finanzierung, rekrutierten namhafte Snowboarder aus der ganzen Welt – und übten sich in Geduld.
Mehr als einmal zwang schlechtes Wetter die gesamte Crew zu mehrwöchigen Pausen, die Terminkalender der Fahrer mussten koordiniert werden, das High-Tech-Equipment wollte ebenso organisiert sein wie geeignete Helikopter-Piloten. Auch darum kümmerten sich Rice und Morgan persönlich – eine heikle Aufgabe: „Jemanden zu finden, der einen Helikopter fliegen kann, ist kein Problem. Aber jemanden zu finden, der außerdem einem Rudel Snowboarder folgt und gleichzeitig darauf achtet, dass die Kamera richtig positioniert ist ... das ist eine Challenge."
Curt Morgan hat Wurzeln als aktiver Snowboarder. Nach mehreren schweren Verletzungen sattelte er um, besuchte eine Filmschule, arbeitete bei verschiedenen Projekten mit, darunter beim Herr der Ringe-Dreh auf Island, machte sich mit Skate- und Musikvideos einen Namen.
Rice zählt zu den besten Snowboardern der Welt. Er holte zweimal Gold bei den X Games, gewann unzählige Contests, prägte den Sport durch Tricks wie den Double Backflip 180, mit dem er 2006 beim Air & Style in München siegte. Das Snowboarder Magazine reihte ihn auf Platz 13 der wichtigsten Rider der letzten zwanzig Jahre.
Morgan und Rice hatten einander bei einem anderen Filmprojekt kennengelernt, „Community Projects" von Oakley. „Wir verstanden uns auf Anhieb so gut, dass wir unbedingt etwas miteinander machen wollten", sagt Rice. Die beiden fanden in Red Bull einen Partner, der ihnen ermöglichte, ihre Ideen zu realisieren - und damit neue Standards in Sachen Snowboardfilm zu setzen.
Luftaufnahmen wie die von Rice und dem Rest seiner Crew - darunter Mark Landvik, Jeremy Jones, John Jackson, Nicolas Müller und Terje Håkonsen - hat man davor noch nicht gesehen. Mitunter fühlt sich der Betrachter des Films nicht wie ein Zuseher, sondern wie einer der Rider. Eine der atemberaubendsten Szenen des Films entstand freilich nicht ganz geplant: Sie zeigt Rice in Alaska auf der Flucht vor einer riesigen Lawine, die nur haarscharf gelingt, ähnlich wie bereits im Genre-Meisterwerk First Descent.
Doch es sind nicht nur die Motive, die That's It, That's All so außergewöhnlich machen. Der Film beeindruckt auch durch seine innovative Aufnahmetechnik. „Wir wollten neue Wege finden, wie man Snowboarding filmen kann, ohne dabei eine Kamera aufs Stativ zu setzen", so Morgan. Er fand diesen Weg - vor allem dank des revolutionären, direkt an der Nase des Hubschraubers sitzenden Cineflex-Kamerasystems, das zuvor nur aus aufwendig produzierten Naturserien wie Planet Earth der BBC bekannt war.
„Es ist das perfekte System, um Snowboarding zu filmen", sagt Morgan - und sieht sich darin einig mit Big Mountain Freestyler Jeremy Jones, der in der Bonus Section der DVD schwärmt: „Dank der Cineflex-Kamera wird nicht nur unser Snowboarding auf eine neue Art und Weise gezeigt, sondern du fühlst dich auch als Teil dieser unglaublichen Landschaft." Darum ging es auch Rice und Morgan. „Wir wollten zeigen, was Snowboarden für uns bedeutet", sagt Rice. Das ist ihm in den rund sechzig Minuten Laufzeit von That's It, That's All eindrucksvoll gelungen.
That’s It, That’s All wird am 1. Jänner 2010 um 0:15 Uhr im Red Bull TV-Fenster bei ServusTV ausgestrahlt.
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