Christian Schiester (c) Roland Bogensperger

Der Startschuss zum Sahara Race ist gefallen, die erste Etappe absolviert. Wieder zeichnet sich ein spannendes Rennen an der Spitze ab, in dem der Steirer Christian Schiester kräftig mitmischt.

Christian Schiester: Nach einer langen Busfahrt sind wir gestern erst um ein Uhr morgens im Basislager eingetroffen. Die Nacht war also kurz, vor allem weil sich um sechs Uhr die ersten Frühaufsteher unter den 128 Startern bereits lautstark auf den Start vorbereitet haben. Die Wahl des dünnen Schlafsacks habe ich schon mehrmals bereut, es kühlt hier mitten in der Wüste doch empfindlich ab. Umso mehr konnte ich es kaum erwarten, bis um neun Uhr endlich der Startschuss fiel.

Gleich zu Beginn setzte sich Mehmet Danis, Gewinner des Atacama Crossings, wieder an die Spitze. Wie erwartet wird er wohl mein schärfster Konkurrent werden. Bis zum ersten Checkpoint hab’ ich ihn spüren lassen, dass ich sein Tempo durchaus mitgehen kann. Danach habe ich mich etwas zurückfallen lassen, um nicht bereits zu Beginn ein Kräfte raubendes Duell einzugehen. Auf einer ebenen Fläche ging es fast 25 Kilometer auf feinem, fast orangen, Sand in Richtung Norden. Immer wieder tauchten neben der Strecke bizarre Felsformationen und abgestorbene Sträucher auf. Die Hitze schien anfangs noch erträglich, doch ab etwa elf Uhr kletterten die Temperaturen bereits auf über 40°C. Gleichzeitig machte sich auch ein erstes Ziehen auf meiner Haut bemerkbar, die UV-Strahlung ist offensichtlich enorm.

Auf den letzten Kilometern entwickelte sich ein Showdown der Verfolger: Im ständigen Positionswechsel duellierten sich Amerika, Deutschland, Spanien, Frankreich und Österreich um die Plätze zwei bis fünf. Die schneeweißen, bizarren Felsformationen mitten im orangen Sand wirkten auf den letzten fünf Kilometern fast surreal. Schließlich erreichte ich mit einer Zeit von 03:24:19 nach 34,3 Kilometern als Zweiter das Ziel. Vor allem der stetige Anstieg im letzten Drittel hat mir bereits auf der ersten Etappe einiges abverlangt. Aber ich konnte meine Vorgabe einhalten: Noch nicht an die Reserven gehen, noch nicht mit offenen Karten spielen, aber den Rückstand nicht zu groß werden lassen. Das Rennen wird erst auf den letzten beiden Etappen entschieden, bis dahin werde ich mich tunlichst zurückhalten. Fehler werden hier hart bestraft und Selbstüberschätzung kann böse enden.

Morgen beträgt die Distanz bereits 44 Kilometer, mehr als ein Marathon also. Wir verlassen langsam die ebene, weiße Wüste und werden Bekanntschaft mit den ersten Sanddünen machen. Darauf freue ich mich, solche Kraftetappen liegen mir besonders.

Run on, Christian Schiester

 

Ranking nach Etappe 1:

1. Mehmet Danis (CAN)                
2. Christian Schiester (AUT)        
3. Tobias Frenz (GER)                   
4. Luis Marcos Silvestre (ESP)    
5. George Chemiel (USA)              
 


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