Sebastian Vettels RB6-Bolide ist mehr als nur eine Evolution des erfolgreichen Vorgängers. Hier erklärt Red Bull Racing-Chefdesigner Adrian Newey die wichtigsten Merkmale seines Geniestreichs auf vier Rädern.
1. Motor:
„Unsere Partnerschaft mit Renault war immer sehr gut. Wir wurden immer gleich behandelt wie das Werksteam. Bisher gab es ein, zwei Motoren, die unserem punkto Leistung überlegen waren. Der Hauptgrund dafür war, dass Renault den reglementbedingten Entwicklungsstopp sehr genau respektiert hat, während andere Hersteller in den letzten Jahren wahrscheinlich gleich viel in die Motorenentwicklung investiert haben wie eh und je. Heuer sollte Renault jedenfalls wieder voll konkurrenzfähig sein.“
2. Kühler:
„Der größere Tank macht die Positionierung im Auto schwierig. Das Auto muss also in die Länge oder in die Breite wachsen, um das größere Reservoir unterzubringen. Theoretisch wäre Zuwachs in der Breite besser, allerdings hätte das kleinere Kühler zur Folge, was wiederum den Motor stärker belasten würde. Beim RB6 haben wir einen Kompromiss gewählt: geringfügig mehr Radstand, geringfügig kleinere Kühler.“
3. Unterboden:
„Man muss den Unterboden in Kombination mit dem Heck verstehen. Ausgehend von den zwei Evolutionsstufen, die wir im Vorjahr am RB5 gebracht haben (in Silverstone, Juni, und Singapur, September, Anm.), konnten wir diese Richtung beim RB6 weiter ausfeilen. Auch, weil wir bestimmte Dinge ändern konnten, die beim RB5 unverrückbar waren, etwa die Form des Getriebegehäuses.“
4. Reifen und Balance:
„Größerer Tank hin oder her: Man soll den Einfluss der schmäleren Vorderreifen nicht außer Acht lassen. Autos werden heuer mehr zum Untersteuern neigen als bisher. Wir begegnen dem beim RB6, indem wir mehr Gewicht nach hinten gepackt haben.“
5. Diffusor:
„Bis auf drei Teams haben im Vorjahr alle Teams den Doppel-Diffusor erst im Nachhinein ans Auto gebastelt. Auch der RB5 war ursprünglich ohne Doppel-Diffusor konzipiert. Heuer konnten wir von einem weißen Blatt Papier weg an einem Heck arbeiten, das perfekt auf den Doppel-Diffusor abgestimmt ist.“
6. Hinterachse:
„Wir haben das Pull-Rod-Design aus dem RB5 beibehalten, auch wenn es wegen des Doppel-Diffusors schwerer ins Auto zu packen ist als noch im Vorjahr. Wir haben auch ein konventionelles Push-Rod-Design erwogen, aber unterm Strich hat Pull-Rod noch immer Vorteile. Das einzige Team, das bislang unser Design aufgegriffen hat, war Toro Rosso. Deren Vorteil ist, dass sie auf die Erfahrungen mit dem RB5 zurückgreifen können und daher um Stärken und Schwächen Bescheid wissen.“
7. Benzintank:
„Wegen des Nachtank-Verbots ist der Tank heuer fast doppelt so groß wie im Vorjahr. Weil man das Setup zwischen Qualifying und Rennen nicht ändern darf, müssen Autos sowohl mit wenig Sprit in der Quali als auch mit vollem Tank beim Rennstart gut funktionieren.“
8. Bremsen:
„Mehr Sprit bedeutet mehr Gewicht, das heißt stärkere Beanspruchung der Bremsen, vor allem zu Rennbeginn. Bremsverschleiß wird dieses Jahr einer der bestimmenden Faktoren sein. Darum haben wir auf die Kühlung der Bremsen besonderes Augenmerk gerichtet.“
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