Olympia-Sieger Shaun White im Gespräch über seine Helden, japanischen Tiefschnee und seinen Namensvetter Jack White.
Wie kommt es, dass du so musikbegeistert bist, Shaun?
Das verdanke ich wohl meinem Dad, der ein großer Musik-Liebhaber ist. Jeden Abend, wenn er von der Arbeit heimkam, konnten wir die Anlage seines Autos schon meilenweit hören, bevor er überhaupt in Sichtweite war. Manchmal haben wir ihn sogar schlafend am Fahrersitz gefunden – er ist nämlich der Ansicht, dass ein guter Song zu Ende gehört werden will. Wenn der darauf folgende ebenso gut ist, hört er den auch noch und schon ist er wieder mal am Parkplatz eingedöst.
Du spielst selber fast täglich Gitarre. Hast du schon mal mit Profis musiziert?
Ich hätte bei einem Konzert im Roxy (Musikclub am Sunset Boulevard in L.A.; Anm.) mitspielen sollen, doch ich fühlte mich noch nicht so weit. Aber beim Sundance Festival in Utah habe ich mir schon mal mit ein paar der Jungs von Camp Freddy (Hardrock-Band um Ex-Jane’s Addiction-Gitarrist und Ex-Chili Pepper Dave Navarro) die Bühne geteilt.
Warst du schon mal mit einem Popstar snowboarden?
Ja, ich war schon mal mit Seal shredden. Er kam als Freund eines Freundes mit.
Und, wie steht er am Brett?
Wirklich gut! Zudem ist er ein ganz feiner Kerl.
Welches Luftgitarrenmodell hast du während der amerikanischen Nationalhymne bei der Siegerehrung in Vancouver gespielt?
Meine Les Paul. Ich sollte vielleicht dazusagen, dass ich zwei Tage vor dem Bewerb mit ihr und einem Verstärker im Zentrum des Olympischen Dorfes die Hymne in echt gespielt habe. Jimi-Hendrix-Style! Daran fühlte ich mich während der Zeremonie erinnert, deshalb die Luftgitarreneinlage.
Welche anderen Gitarrenmodelle spielst du?
Ich habe noch zwei weiter Paulas, eine Classic und eine Supreme. Meine erste elektrische Gitarre, eine Fender Stratocaster, besitze ich auch noch und dann gibt es noch eine Randy Rhoads von Jackson, in Flying-V-Form.
Welche Verstärker verwendest du?
Marshall. Ich habe zwar ein paar Fender-Röhrenverstärker, aber lieber sind mir die von Marshall.
Wie findest du deinen Namensvetter Jack White als Gitarrist?
Die White Stripes sind eine meiner absoluten Lieblingsbands. Jack ist ein Riesentalent, ich mag seine Stimme und sein Spiel sehr gern. Ich finde es auch faszinierend, dass man mit einem Schlagzeug und einer Gitarre einen dermaßen mächtigen Sound kreieren kann. Er und Meg veröffentlichen ein Album nach dem anderen auf konstant hohem und abwechslungsreichen Niveau.
Er hat auch ein paar interessante Nebenprojekte, wie die Raconteurs oder Dead Weather.
Ja, und er hat auch ein Album für Countrylegende Loretta Lynn produziert (Van Lear Rose, 2004; Anm.) sowie ein paar Songs für den Film Cold Mountain komponiert.
Hast du die Dokumentation It Might Get Loud gesehen, in der er neben Jimmy Page und The Edge zu sehen ist?
Nein, aber die möchte ich unbedingt sehen, ich habe im Flugzeug den Trailer gesehen. Wie ist sie?
Brilliant gemacht. Am Anfang des Films baut Jack aus einem Stück Holz, ein paar Drähten und einer Glasflasche eine rudimentäre elektrische Gitarre und schreckt damit die Kühe.
Oh ja, die Szene habe ich gesehen. Großartig. Ich frage mich wie viele Leute nach dem Film
in ihrer Werkstatt an einer eigenen E-Gitarre zu basteln begonnen haben (lacht). Ich habe eher Musikfilme über bestimmte einzelne Bands gesehen. Es gibt da eine Doppel-DVD über die Geschichte von The Who, die sehr amüsant gemacht ist. Was ich nicht gewusst habe, ist, dass Pete Townshend viele Songs der Band geschrieben und selber eingespielt hat, bevor er sie an die Bandkollegen zur Ausführung seiner Vorstellungen weitergereicht hat. Er war also The Who. Weißt du was ich meine?
Ja, ich habe davon gelesen, arg!
Das wusste ich nicht; davor dachte ich, er sei nur der Gitarrist gewesen. Aber er war so was die treibende Kraft hinter der Band, die anderen brachten nur ihren Stil in Townshends fertiges Material ein.
Magst du Neil Young?
Ja, der ist fantastisch, aber ich weiß bei weitem nicht so viel über seine Geschichte, wie ich gern wüsste. Ich hab mal einen Film gesehen, in dem er durch sein Anwesen (die Broken Arrow Ranch südlich von San Francisco; Anm.) führt. Faszinierender Typ, seine Musik ist definitiv eher ... langsam.
Ja, aber mit seiner Band Crazy Horse hat er auch sehr dynamischen Sound eingespielt. Wie findest du die Rolling Stones?
Oh, ich liebe die Stones, aber die haben so viele Songs, das ist einfach unüberschaubar. Ihre neueren Platten mag ich aber nicht so gern. Das ist so bei mir, mit älteren Bands: die behalte ich lieber in Erinnerung so wie sie auf der Höhe ihrer Zeit waren. Ich hatte zum Beispiel Gelegenheit, zum Reunion-Konzert von Led Zeppelin in London zu gehen, habe mich aber dann dagegen entschieden. Wenn sie sich bei einem Solo verspielt hätten, hätte es mir das Herz gebrochen!
Woran stellst du fest, dass du selbst langsam älter wirst?
Daran, dass ich mich öfter rasieren muss.
Du warst schon etwa 30 Mal in Japan snowboarden. Welche Erinnerungen verbinden dich mit dem Red Bull Big In Japan-Ausflug auf die Insel Hokkaido?
Es war eine gute Gelegenheit, Beruf und Spaß zu verbinden. Im Grunde waren wir ein Haufen motivierter Jungs, die es im japanischen Backcountry ausgiebig stauben ließen. Außerdem war es interessant für die Leute da draußen, mich mal auf anderem Terrain als in einer Halfpipe zu sehen.
Terje Haakonsen fährt auch immer wieder gern zum Powdern nach Japan. Welche Rolle spielt er in deinem Leben?
Er war eine Inspirationsquelle seit ich klein war. Für mich war er ganz einfach der Größte. Er hat unseren Sport genommen, ihn rumgeschüttelt und für immer verändert, so wie es Tony Hawk für das Skateboarden getan hat. Terje ist ein mystischer Charakter; nie weiß man was in ihm vorgeht, und dann plötzlich pullt er Tricks und Aktionen die davor noch nie da waren.
Hattest du mal Gelegenheit, Craig Kelly kennen zu lernen?
Ich war tatsächlich mal als Kind auf einem Craig-Kelly-Snowboard-Camp in Kanada. Er war ein inspirierter, ganz besonderer Typ, leider hab ich mit ihm nicht sehr viel Zeit verbringen können ... Craig hat Snowboarden geliebt, er hat ja auch fast gar nichts anderes gemacht. Wegen ihm habe ich damals zu überlegen begonnen, ob und wie ich vom Snowboarden leben könnte.
Gestern Abend hatte ein Nachwuchstalent von den Zillertaler Ästhetikern, Georg Huber, Gelegenheit zu einem überraschenden Meet-And-Greet mit dir – es hätte ihm vor Schreck fast die Ketten ausgehängt. Mit wem könnte man dich ähnlich überraschen?
(Lacht) Wahrscheinlich mit jemandem wie Jimmy Page. Ich habe (Led Zeppelin-Sänger) Robert Plant mal zufällig auf einer Party getroffen. Ich wollte natürlich gleich zu ihm rüber gehen um ’Hi‘ zu sagen, habe aber auf dem Weg zu ihm eine Handvoll alter Bekannter getroffen. Als ich schließlich dort war, war er schon wieder weg. Ich hätte mir die ganze restliche Nacht lang in den Arsch beißen können. Es war schrecklich!
Hoffentlich hast du noch eine Gelegenheit, ihn kennen zu lernen.
Oh yeah, das wäre schön ... Vielleicht liest er das hier, dann wird er wissen dass ich mit ihm abhängen will.
Kommentare
Einen Kommentar hinzufügen