mick by agustinmunoz © Agustin Muñoz /Red Bull Photofiles

Mick Fanning (28) hat am vergangenen Wochenende seinen zweiten Weltmeistertitel an Land gezogen. Nun stehen für ihn eine Menge Partys an. Bevor die Korken knallten, beantwortete uns der König der Surfer noch ein paar Fragen.

Gratuliere, Mick! Wie fühlst Du dich?
Um ehrlich zu sein: ich fühle mich gerade den Tränen nahe. Ich war ja schon 2007 auf der ASP-Tour Weltmeister, aber ich war mir nicht sicher, wie es sich beim zweiten Mal anfühlen würde. Ich dachte mir, ich wäre emotional drauf vorbereitet, aber nun ist alles anders. Es liegt sicher auch daran, dass Joel (Joel Parkinson, Micks Rivale, aber auch ein alter Freund; Anm.) bis zum Schluss sein Bestes gab. Als ich den Sieg allerdings in der Tasche hatte, war ich einfach nur erlöst. Bis zu diesem Moment der Befreiung war es eine ganz schön anstrengende und stressige Zeit, obwohl ich mir natürlich nichts anmerken lassen wollte.

Wie war es für dich, dir mit deinem alten Kumpel Joel die letzten Wellen der Tour zu teilen?

Es war schon eine seltsame Melange von Gefühlen. Ich war ziemlich aufgeregt, aber als Joel in Runde drei gegen Wildcard-Rider Gavin Gillette verlor, tat es mir schon Leid für ihn ... er ist ein wirklich guter Freund, wie ihr inzwischen wisst. Nachdem mein Sieg feststand, war er auch einer der ersten, die zu mir rausgepaddelt kamen, um zu gratulieren. Und wenn er nicht im ersten Drittel der Saison verletzt gewesen wäre, hätte ich mir sehr schwer mit meinem Comeback getan. Er wird 2010 brandheiß sein, so viel steht fest.

Bei euch Australiern ist es Tradition, dass der Sieger eines Bewerbes keinen Fuß an Land setzen muss, um aufs Podium zu gelangen: Er wird in einem Sessel aus der Brandung bis zum Stockerl getragen.
Ja, diesmal haben mich Joel und Dean Morrison befördert, das war echt crazy. Das werde ich auch nie vergessen.

Am Tag, als Du die ASP-Tour 2007 in Brasilien gewonnen hast, hattest Du ein gutes Gefühl beim Aufstehen. Wie ging’s dir diesmal?
Ich war entsetzlich nervös. 2007 war ich dem Rest der Meute punktemäßig weit voraus, also kam es nicht auf den letzten Event an und daher war ich weit nicht so aufgeregt wie heute. Zudem kannte ich ja Joels Performances hier an der North Shore vom letzten Winter. Ihm liegt die Pipeline, deswegen wusste ich, dass es ein Kampf bis zum bitteren Ende werden würde. Also konzentrierte ich mich nur auf mich und blendete Joels Performance vollkommen aus. Ich war vor Parko in Runde drei dran und seine Welle war eher sanft. Deswegen sah mein Heat schon etwas spektakulärer aus.

Hast Du heute an deinen Bruder Sean gedacht? (Sean Fanning kam bei einem Autounfall vor elf Jahren ums Leben; Anm.)
Ich denke fast immer an ihn. Und heute war er sehr präsent in meinen Gedanken. In diesen großen Momenten, in denen es drauf ankommt, entspannt mich das unglaublich. Ich hoffe, er ist stolz auf mich und meinen zweiten Weltmeistertitel.

Zur Halbzeit der Saison hattest Du noch kein einziges Finale erreicht und Joel hatte schon drei von fünf Events gewonnen. Wie hast Du das noch mal umdrehen können?
Also, um ehrlich zu sein, hisste ich schon die weiße Fahne, als Joel im Juli in Jeffreys Bay gewann. Danach lagen wir aber gleich auf und in Australien hatte ich Gelegenheit, mich selbst und wichtige Punkte zu sammeln. Ich hatte starke Unterstützung hinter mir und das war es, was bei mir diesen unglaublichen Turbo zugeschaltet hat. Also nahm ich auch noch an den US-Open teil, bevor die ASP-Tour in Trestles gastierte. Und von da an ging es aufwärts. Ich wusste plötzlich, das Blatt würde sich wenden – so sind die Gezeiten des Lebens nun mal.

Nach Trestles warst Du in Frankreich erfolgreich und hast einen dritten Sieg beim Ripcurl Pro Search in Portugal fixiert. Es begann so auszusehen, als seiest Du plötzlich unaufhaltbar.
Als die Tour nach Europa kam, begann ich mich wirklich wohl und stark zu fühlen. Mein Board-Designer DHD stellte mir ein magisches Brett zur Verfügung, ich war verletzungsfrei und nach Trestles voller Selbstvertrauen. Meine Frau war auch in Europa mit, das half mir extrem, meine Gedanken von Joels massivem Vorsprung zu lösen. Ich hätte in Frankreich nicht besser vorbereitet sein können. In Portugal wiederum kam mir die Größe und Gewalt der Wellen sehr entgegen.

Wie sah Dein Training in der Saison 2009 aus?
Ich arbeite seit Jahren mit dem australischen Therapeuten-Team CHEK zusammen, so war es auch in diesem Jahr. Mir liegen deren Trainingseinheiten sehr. Meine Coaches dort wissen genau, welche Übungen und Tricks mich physisch und mental aufbauen. Und dann fuhr ich ja auch noch mit Red Bull Surfing zum High Performance Check Up auf die Mentawai Inseln – davon profitierte ich ebenfalls enorm.

Und wie sehen Deine Partypläne aus?

Ich setze mich jetzt erstmal eine Zeit lang vor meinen Pokal und lasse die Erfahrungen der vergangenen Saison auf mich einwirken. Partys? Ja, da gibt’s einige. Zum Beispiel heute Abend an der North Shore, wo Deano Morrison seine Hochzeit feiert. Danach wird daheim in Australien weitergefeiert.


http://www.redbullsurfing.com/
http://www.mickfanning.com.au/
 


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