Die vielfach ausgezeichnete Extremski-Doku „Mount St. Elias“ läuft derzeit in Österreichs Kinos. Hauptdarsteller Axel Naglich im Interview.
Axel, als du dich selbst das erste Mal auf der Leinwand gesehen hast, lief es dir da nicht noch immer kalt den Rücken runter?
Das nicht. Aber ich war überwältigt, wie gut der Film geworden ist und wie stark die Aufnahmen wirken.
Der Film wurde bereits vor dem Kinostart mit Preisen überhäuft: Sieben Auszeichnungen bei sieben Festivals, darunter der „Best Documentary Award“ beim prestigeträchtigen Fort Lauderdale Filmfest. Was beeindruckt die Kritiker so sehr?
Es gibt ja einige Filme in dieser Richtung, doch „Mount St. Elias“ ist anders. Die Dramaturgie, der Spannungsaufbau passen ... aber das Wichtigste: Er ist authentisch. Wir haben unsere eigenen Szenen nur einmal drehen können, eine Wiederholung war nicht möglich.
Hatte es dir der Mount St. Elias auch deswegen angetan, weil noch niemand zuvor die „längste Vertikale der Welt“ vom Gipfel bis zum Meer befahren hatte?
Klar erhöht das den Reiz. Und abgesehen von der längsten schneebedeckten Abfahrt der Welt, ist der Berg mit 5489 Metern – was die relative Höhe angeht – auch der höchste. Das hatte schon was.
Bis zu 60 Grad steile Eishänge, unzählige Gletscherspalten und die ständige Lawinengefahr ... Was hat am Gipfel überwogen, die Freude über den Aufstieg oder der Respekt vor der Abfahrt?
80 Prozent Respekt, 20 Prozent Freude. Und Erleichterung, denn am Gipfel war mir klar: Spätestens jetzt haben wir genug Material für einen Film, und egal was jetzt noch kommt: Der Film wird gemacht!
Auf diesem Berg sind 2002 zwei Alpinisten tödlich verunglückt. Welche Situation war auf deiner Tour die gefährlichste?
Es gab mehrere Situationen, in denen es brenzlig wurde. Wenn ich an die Schneebretter denke oder an den Abrutscher von Günther (Anm.: Günther Göberl, Kameramann), wo du einfach tatenlos zuschaust und nur hoffen kannst, dass es gut geht. Zum Glück rutschte Günther ja relativ bald in flacheres Gelände ...
Wie war das Gefühl auf den letzten Metern der Abfahrt, als du wusstest, dass du es geschafft hast? Hast du diesen Moment in vollen Zügen genossen?
Nicht wirklich, denn ich brauche länger, um das zu realisieren. Aber man ist zumindest relaxt und weiß: Jetzt kann nicht mehr viel passieren.
Was bewirkt eine solche Grenzerfahrung mental?
Man genießt den Luxus der Zivilisation umso mehr. Eine Dusche, zum Beispiel, wird nach solchen Strapazen zum Erlebnis.
Welche Szene im Film ist die stärkste?
Definitiv der Gipfel-Shot! Bei dieser Szene hatten wir enormes Glück, weil alles gepasst hat. Wir waren ja auf den Hubschrauber angewiesen, der jedoch auf einer Höhe von 5.500 Metern ganz anders zu manövrieren ist. Mit dem richtigen Timing zum Gipfel trugen wir unseren Teil dazu bei, und der Pilot mit all seiner Erfahrung machte es perfekt.
Bei Filmen spielt in der Regel ja auch der kommerzielle Erfolg eine wesentliche Rolle. Wie siehst du das?
Also, wenn mir jemand 10 Millionen Euro in die Hand drückt, nehm’ ich sie (lacht). Aber Geld bleibt ein Nebeneffekt. Ich bin keiner, der danach trachtet, ständig sein Vermögen zu vermehren. Denn dann wäre ich nicht das, was ich bin. Ich halte meine Bedürfnisse in Grenzen, habe alles, was ich brauche und kann gut damit leben.
Wenn es nicht ums Geld geht, worum dann?
Ich liebe es einfach, Dinge zu machen, die sonst niemand macht und Sachen zu haben, die sonst niemand hat. Darin liegt für mich der Reiz.
www.mountstelias.com
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