Peter Hook, ehemaliger Bassist von Joy Division und New Order spricht über seinen neuen Nachtclub, sein neues Buch und seine neue Platte.
Dein Buch „The Hacienda: How Not to Run a Club“ erscheint dieser Tage. Warum hast du gerade jetzt einen neuen Club eröffnet?
Diesmal waren wir vorsichtig! Wir möchten in dieser Location neuen Bands die Möglichkeiten für Gigs bieten. Die Simon Cowells dieser Welt versuchen ja gerade, die Musik zu Grabe zu tragen, anstatt ihr zu helfen, darum freut es mich, dass ich da jetzt involviert bin. Wäre das Leben perfekt, würden wir Fehler nur einmal machen. Leider ist das aber nicht so, darum werde ich dann noch ein Buch herausbringen mit dem Titel „How Not to Run a Club 2“ oder „How to Run a Club“. Hoffentlich Letzteres.
In deinem Buch schreibst du über eure Fehler. War es für dich rückblickend eine schöne Zeit?
Immer, wenn ich betrunken bin, kommt irgendwann der Punkt, an dem ich anfange, der Hacienda nachzutrauern. Was für ein wundervoller Ort das war, mit all seinen Höhen und Tiefen. Es gibt so viele Anekdoten über den Club zu erzählen. Damals hätte niemand von uns gedacht, dass sich damit Geld verdienen ließe. In erster Linie wollten wir einfach einen Ort haben, an dem wir uns volllaufen lassen konnten.
Dennoch habt ihr das mit der Musik sehr ernst genommen, oder?
Ja, klar. Aber als Musiker bist du einfach ein Jammerlappen. Sogar zur Hoch-Zeit der Hacienda haben wir uns beschwert. Aber natürlich, ohne irgendetwas zu unternehmen. Sonst hätten wir ja nicht so schön weiterjammern können.
Dabei warst du doch eigentlich ziemlich erfolgreich…
Es gibt zwei Arten von Erfolg. Die eine wird an Geld gemessen, die andere an der Reputation. Ich denke, das Interessante an meinen Bands New Order und Joy Division war, dass wir zwar sehr angesehen waren, im finanziellen Sinn aber immer kämpfen und hart arbeiten mussten.
Und dennoch machst du noch immer Musik.
Die erste Platte von Freebass (Peter Hooks neuer All-Star-Band mit Mitgliedern von Primal Scream und The Smiths; Anm.) ist gerade fertig geworden! Ich muss zugeben, die Fertigstellung des Albums hat länger gebraucht, als ich dachte. Kein Wunder, Mani (Gary Mounfield; Anm.) ist bei Primal Scream sehr eingespannt, Andy Rourke lebt in New York. Aber ich finde, die Zeit hat der Platte gutgetan. Momentan überlegen wir, in welcher Form wir sie nun verkaufen sollen.
Wie meinst du das?
Keiner kauft heute noch Musik, die Leute laden sie sich illegal aus dem Netz. Die Verkäufe von New Orders physischen Tonträgern sind zuletzt ungefähr um 98 Prozent zurückgegangen. Und wenn dann jemandem wie Lily Allen der Kragen platzt und sie sich darüber beschwert, machen sich alle über sie lustig. Mal ganz ehrlich: Wenn ich zum Beispiel Stuckateur wäre und die Leute am Ende des Tages beschließen würden, mir für meine Arbeit doch kein Geld zu geben, wäre ich auch ziemlich sauer.
Deine erste Band Joy Division gilt heute als Inbegriff düsterer Gitarrenmusik.
Das Ding mit Joy Division war folgendes: Wenn wir uns trafen, war alles sehr ernst. Konzerte spielen, Songs schreiben und damit Erfolg haben, das war alles, worum es ging. Außerhalb der Band aber waren wir stinknormale Typen. Wir waren keine Diven, die auch abseits der Bühne ihr Image pflegten. Ohne die Klammer Joy Division waren wir einfach dumme junge Rowdys.
Zurück zur Hacienda. Wie kam es zum Durchbruch des Clubs?
New Order war für den frühen Erfolg sehr wichtig. Als dann so um 1987 House- und Dance-music aufkam, fand diese in der Hacienda ein perfektes Heim. Mitbesitzer Tony Wilson nannte unseren Laden damals Teufels Tempel, weil sich alle Verrückten bei uns trafen. Das Tolle an der Zeit um 1987 war, dass es keine Gewalt gab. Die Leute wollten einfach tanzen, die Atmosphäre genießen, ihre Freiheit ausleben.
Klingt so, als hättet ihr den Laden damals gut im Griff gehabt.
Na ja, wir haben damals umgerechnet zwischen zehn und dreißig Millionen Euro in den Club gesteckt. Beziehungsweise verpulvert. Das ist übrigens der Grund, warum ich heute noch arbeiten gehen muss. Die Leute in Manchester können sich wirklich glücklich schätzen. Wir haben sie verwöhnt, jahrelang. Aber ich bereue nichts, ich bin froh, dass ich damals aufgestanden bin. Dass ich die Brieftasche gezückt und den Menschen in Manchester Nächte voll Freude geschenkt habe. Nicht viele Bands können von sich behaupten, eine Stadt fünfzehn Jahre lang unterhalten zu haben. Schon gar nicht auf ihre eigenen Kosten!
Kannst du dich daran erinnern, wann die Hacienda für dich gestorben war?
Als einer unserer Türsteher kündigte, sagte er mir zum Abschied: „Wenn das so weitergeht, torkelt bald ein durchgeknallter Siebzehnjähriger mit einer Uzi durch den Club. Willst du das?“ Meine Antwort war klar: Nein.
Peter Hook: „The Hacienda: How Not to Run a Club“, Verlag Simon & Schuster, 224 Seiten.
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