Thomas Morgenstern im Interview: über den Saisonauftakt, Gregor Schlierenzauer und Tischtennis-Duelle in Ägypten.
Thomas, am 27. November findet in Kuusamo (Finnland) der Saisonauftakt statt. Schon nervös?
Überhaupt nicht. Dafür ist die Vorfreude umso größer. Denn ich habe meine Hausaufgaben gemacht und gut trainiert. Der Aktivurlaub mit dem Team in Ägypten hat mir auch geholfen, mental abzuschalten. Das ist in unserem Sport extrem wichtig. Das Kribbeln ist jetzt da, von mir aus kann’s also losgehen.
Im Gegensatz zum vergangenen Jahr gehst du heuer nicht als der Gejagte, sondern als Jäger in die Saison. Macht das die Aufgabe leichter?
Nein, denn ich habe mich auch in der Rolle des Gejagten sehr wohl gefühlt. Nun ist die Situation eine andere. Nicht nur, weil ich angreifen kann, sondern weil mich nur noch wenige auf der Rechnung haben ...
Nur noch wenige? Stapelst du jetzt nicht doch ein bisschen tief?
Na ja (lacht) … Vielleicht ist das ein wenig übertrieben. Aber man rechnet mit mir sicher weniger, als mit manch anderem. Für mich geht’s jetzt darum, die Leute, die an mir zweifeln, zu überzeugen.
Der neue Gejagte wird wohl Gregor Schlierenzauer sein, der dich als Weltcup-Gesamtsieger beerbt hat ...
Mir fallen spontan auch Namen wie Simon Ammann oder Adam Malysz ein. Auch Ahonen ist wieder da, er wird aber nicht bei jedem Bewerb dabei sein. Aber klar, Gregor ist der absolute Top-Favorit. Das ist man als Gesamtweltcup-Titelverteidiger immer.
Wie ist eigentlich deine persönliche Beziehung zu Gregor?
Wir kommen super miteinander aus. Natürlich ist es nicht immer leicht, wenn beide um den Sieg kämpfen. Aber das ist zugleich das, was uns verbindet: Wir sind beide wahnsinnig erfolgshungrig.
In einer Zeitung war kürzlich zu lesen, dass du raus aus dem „Schatten von Gregor Schlierenzauer möchtest". Fühlst du dich tatsächlich im Schatten von Schlieri?
Das ist schwer zu sagen. Natürlich fühlt man sich ein bisschen so, wenn ein anderer an einem vorbeizieht. Das Springen ist nun mal ein ständiges Auf und Ab. Andererseits weiß ich ja, was ich schon alles erreicht habe ... und links liegen gelassen habe ich mich ja ohnehin nie gefühlt.
In Ägypten hast du deine Freizeit mit Beachvolleyball und Tauchen eher aktiv verbracht, während Gregor die Ruhe und Abgeschiedenheit gesucht hat. Wie sehr unterscheidet ihr euch, was die mentale Vorbereitung betrifft?
Das handhabt jeder auf seine Weise. Ich zum Beispiel muss nicht stundenlang in der Sonne schmoren. Stattdessen hab’ ich mich mit dem Wolfgang Loitzl im Tischtennis und Beachvolleyball gemessen. Das hilft mir, den Kopf frei zu bekommen und abzuschalten. Und was noch dazukommt: Solche Duelle wecken den Killerinstinkt in mir.
www.thomasmorgenstern.com
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