David Lama am Cerro Torre - Foto

Die freie Begehung des Cerro Torre galt als eine der letzten großen Herausforderungen im Alpinismus. David Lama nahm sie an und siegte. Hier erzählt er seine unglaubliche Erfolgs-Story.

Der 21. Januar 2012. Ein Tag, an dem im Grenzland von Argentinien und Chile Klettergeschichte geschrieben wurde. Nach einem 24-stündigen Gewaltakt erreichte der österreichische Kletterer David Lama zusammen mit seinem Partner Peter Ortner den Gipfel des Cerro Torre. Der 21-Jährige vervollständigte damit eine alpinistische Meisterleistung, die lange als unmöglich galt: Die Bezwingung des unberechenbaren Berges im Freikletterstil.

Im ersten Teil seines Berichts berichtet Lama, wie aus dem Wunsch einer erfolgreichen Besteigung des Cerro Torre Realität wurde:

2008: Gemeinsam mit fünf Freunden sitze ich in einer kleinen Hütte im Cochamó Valley in Chile. Beim Durchblättern eines alten, zerknitterten Klettermagazins, das schon seit einigen Jahren hier liegen muss, stoße ich auf ein Foto der Headwall des Cerro Torre. Ich habe schon einige Fotos vom Torre gesehen, vielleicht habe ich sogar schon einmal das Foto gesehen, das ich jetzt in meinen Händen halte.
Aber dieses Mal sehe ich auch eine Linie. Sie erscheint mir logisch, ganz klar und auch machbar – sie brennt sich fest in meinen Kopf und lässt mich nicht mehr los. 

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2012: Es ist mein drittes Jahr hier in El Chalten, dem Dorf „am Ende der Straße“. Es ist heiß, windstill und keine Wolken sind in Sicht. Lediglich die aufflackernde Luft stört meine Sicht auf die Wasserstreifen, die sich an der Gipfelwand des Cerro Torre gebildet haben. Noch nie habe ich die Headwall in so guten Verhältnissen gesehen und noch nie war ich mir so sicher, dass ich es schaffen werde frei auf den Gipfel zu klettern.

Bereits letztes Jahr ist es uns, dem Osttiroler Spitzenalpinisten Peter Ortner und mir, geglückt auf den Gipfel des Torre zu steigen. Heuer, denke ich mir, ist es so weit – wieder ist Peter dabei, um mich bei meinem Freikletterprojekt zu unterstützen. Peter ist in Topform, auch ich bin fit und das Wetter und die Verhältnisse scheinen zu passen - wir sind bereit! 

Peter und ich packen unsere Rucksäcke. Zwei Halbseile, eineinhalb Set Friends, neun Klemmkeile, vier Eisschrauben, ein paar Normalhaken, vier Expressschlingen und fünf Bandschlingen. Dazu kommt noch eine abgeschnittene Isomatte, zwei dünne Schlafsäcke, Kocher, Gas und ein paar Riegel. Es hört sich zwar nach viel an, aber wir haben alles auf das absolute Minimum reduziert.

Um drei Uhr nachmittags starten wir in Richtung Nipo Nino. Vorbei an den unzähligen Trekkern, über die Tirolese und weiter über den Gletscher. Nach rund fünf Stunden kommen wir an. Das Nipo Nino, unser erstes Camp, ist wie immer wenn das Wetter passt, gut besucht. Ganz hinten sitzt eine Gruppe Amerikaner, etwas weiter vorne sitzen drei argentinische Kletterer. Peter und ich machen es uns am vorderen Ende des Camps gemütlich. Bevor wir schlafen gehen kochen wir Wasser für und trinken lauwarmen Café. 

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Um zwei Uhr morgens läutet der Wecker. Darauf folgen die üblichen Handgriffe: Wasser kochen, anziehen, essen, trinken, Flaschen auffüllen, zusammenpacken, Rucksack schultern und losgehen.

Im Licht unserer Stirnlampen stiegen wir am Norweger Camp vorbei in Richtung Media Luna. Dort ziehen wir uns Steigeisen an. Über Gletscherspalten und an großen Seracs vorbei stapfen wir bis unter die 1500 Meter hohe Ostwand des Torre. Weiter geht es über kombiniertes Gelände. Nach nur viereinhalb Stunden kommen wir auf den Col de la Paciencia. Hier rasten wir noch ein letztes Mal, bevor wir unseren Versuch starten.

Morgen folgt Teil zwei des Reisetagebuchs von David Lama
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Mehr Infos zu David Lama:

Offizielle Homepage
David Lama auf Facebook


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