Die beiden Segelflieger Kurt Tippl und Ewald Roithner haben zusammen mit dem Skydiver Paul Steiner die "Akte Blani(X) II" verwirklicht. Im Interview sprechen sie über Schwierigkeiten und die Glücksgefühle danach.
Der Stunt ist gelungen! Wie ist das Gefühl, wieder sicher am Boden zu stehen?
Roithner: Jetzt wieder gut! Ich fühle mich wie nach einem Marathon, aber überglücklich.
Wie geht man mit so einer extremen Situation um?
Tippl: Natürlich ist man in den Tagen davor angespannt und denkt viel nach. Aber sobald man in der Luft ist, fällt der Druck ab und man ist nur noch auf seine Aufgabe fokussiert. Wie viel Kraft das erfordert, merkt man erst, wenn man völlig erschöpft wieder aus dem Cockpit steigt.
Könnt ihr bitte den Ablauf aus eurer Sicht erklären?
Roithner: Es war heute ein herrlicher Tag. In der Luft war es allerdings sehr unruhig. Wir hatten nur ein ganz kurzes Zeitfenster, um den Stunt durchzuziehen. Ich wurde mit Paul an Bord in die Höhe geschleppt. 2.100 Meter über Grund hat er dann die Kanzel geöffnet und ist auf der rechten Tragfläche entlang bis ganz nach außen geklettert. Dort hat er sich dann mit einer Rolle vorwärts unten an die Tragfläche gehängt und auf den zweiten Blanik gewartet. Paul kletterte auf den Rumpf von Kurts Segelflugzeug, wo er schließlich aufrecht stand. Ich drehte mich um 180 Grad auf den Rücken. Kurt kam mir in Spiegelflug-Formation immer näher, bis Paul sich mit den Händen an meinem Leitwerk festhalten konnte und einige Sekunden die menschliche Verbindung zwischen unseren „Maschinen“ herstellte. Danach entfernten wir uns wieder, Paul sprang von der Tragfläche ab und landete kurz darauf sicher wieder am Boden.
Tippl: Ich konnte teilweise nicht sehen, wie weit wir noch voneinander entfernt waren und musste blind der Funkeinweisung von Paul vertrauen. Das nennt man Millimeterarbeit!
Ich denke wir haben heute bewiesen, dass wir mit Segelflugzeugen so eng aneinander fliegen können, wie sonst niemand auf der Welt.
Was war für euch der schwierigste Teil dieses Manövers?
Roithner: Wie schon gesagt war es heute in der Luft generell sehr unruhig. Unsere Flugzeuge sind sehr empfindlich. Dieser Stunt setzte Millimeterarbeit voraus und erforderte über Minuten ein Höchstmaß an Konzentration. Besonders schwierig war es, im Spiegelflug mit konstanter Geschwindigkeit möglichst lange stabil zu fliegen.
Das klingt für einen Laien schon sehr waghalsig…
Roithner: Waghalsig ist das falsche Wort. Wir betreiben seit Jahren Kunstflug mit Segelflugzeugen. Als Team kennen wir uns sehr gut und können bzw. müssen uns blind vertrauen. Die Vorbereitung für diesen Blanix Stunt liefen über ein Jahr, unzählige Stunden haben wir beratschlagt, getüftelt, geplant und Risiken minimiert. Natürlich kann man ein gewisses Restrisiko nie ganz ausschließen, aber das gehört in unserer Branche einfach dazu.
Wie ist die Vorbereitung in den letzten Tagen gelaufen?
Tippl: Der Druck ist in den letzten Tagen schon größer geworden. Wir haben seit fast einem Jahr an unserem Projekt gearbeitet, von ersten Planungen bis zur Feinabstimmung sind unzählige Stunden vergangen. Bis zuletzt sind wir alles immer und immer wieder durchgegangen, um auch die letzte Fehlerquelle ausschließen zu können. Auch terminlich ist es eine Herausforderung, bis alle Beteiligten beruflich Zeit haben und das Wetter passt. Da wächst die Anspannung natürlich. Durch unsere professionelle Vorbereitung und die gegenseitige Aufmunterung konnten wir uns selbst aber viel Druck nehmen.
Was war das Erste, das ihr am Boden gemacht habt?
Roithner: Zuerst mit dem Team gejubelt und der Freude einfach freien Lauf gelassen.
www.blanix.com
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