110 Snowkiter hatten beim Red Bull Ragnarok die Zeit ihres Lebens. Wildcard-Gewinner Daniel Schur war so begeistert, dass er uns einen Erlebnisbericht zukommen ließ. Prädikat: Lesenswert!
Ein Dienstagmittag: Meine Wenigkeit sitzt gerade beim McDonalds - den halben Burger im Mund, die andere Hälfte in der Hand. Ich lese am Handy eine eben empfangene Nachricht und bin zwar fähig, dieselbige zu verstehen, aber kaum fähig, das Glück begreifen zu können.
Am Wochenende zuvor war der letzte Snowkitecontest der Saison in Österreich. Der Winter war für mich ziemlich gut gelaufen. Trotzdem war ich mit dem Kopf schon beim Kitesurfen und bei der Beschaffung eines neuen Neoprenanzugs und nicht beim gefrorenen Nass mit all seinen Tücken und Fiesheiten.
Mit diesen Gedanken traf ich in Obertauern auf die anderen Haudegen aus Österreich. Als jedoch der Wind ordentlich auffrischte und man mit dem 10er hübsch Gas geben konnte, schwanden diese sofort wieder. Am Ende landete ich in der Kategorie Freestyle-Ski auf dem ersten Rang. Der Preis für war eine Wildcard für RED BULL RAGNAROK in Norwegen!!!! Als man mir sagte, dass Red Bull sich demnächst bei mir melden würde, hatte ich die ganze Sache noch nicht mal so richtig realisiert.
Ich war mit den Gedanken schon bei der Beschaffung eines neuen Neoprenanzugs und nicht beim gefrorenen Nass mit all seinen Tücken und Fiesheiten.
Zurück zum Anfang. Ich halte beim McDonalds die Nachricht von Red Bull in der Hand, huste den Burger vor Aufregung fast wieder aus und die Augen rasen über den Bildschirm meines IPhones:
"Hallo Daniel... Gratuliere! ,..dein Zug nach Wien: Mittwoch 6 Uhr morgens, dein Flug: Mittwoch 13 Uhr, Ankunft 15 Uhr in Oslo, Nachtzug nach Haugastol, Donnerstag 4 Uhr morgens Ankunft... Viel Spass!!"
Cool, Mittwoch ist ja erst morgen!! Den Burger hatte ich schnell verschlungen. Dann düste ich zum Passamt, um noch in Windeseile einen Notpass zu organisieren, weil meiner blöderweise seit Juli 2009 abgelaufen war. Schließlich ging es wieder nach Hause um das ganze Zeugs für’s Snowkiteparadies Norwegen zu packen. In der Nacht vor der Abreise konnte vor lauter Aufregung kaum schlafen.
Um 5 Uhr Früh am nächsten Morgen begann dann die Wahnsinnsreise, bei Regen und Kälte in Salzburg. In Wien ist das Wetter nicht anders. Am Bahnhof werde ich freundlich von Beni Mooslechner empfangen. Sein Sohn Xaver hat die Wildcard für die Snowboard-Disziplin bekommen und so sitzen wir beide wenig später im Flieger nach Oslo, wo uns strahlender Sonnenschein und frühlingshafte Temperaturen erwarten!
Oslo ist eine tolle Stadt. Jeder ist hilfsbereit und freundlich!! Nur teuer wie Norwegen halt so ist, hat uns die Taxifahrt vom Flughafen ins Zentrum fast in den Ruin getrieben: „200 Euro bitte!“, erklärt uns der Fahrer mit einem schelmischen Grinsen. Meine Frage, ob das ein Scherz sei, verstand er allerdings nicht so recht. Als wir dann diesen ersten Schock mit einem kühlen Schluck Bier verdrängen wollten, kam auch schon der zweite: „8 Euro bitte!“. Leute, bitte meidet besonders Taxifahrer und Alkohol in Norwegen, diese Sachen kosten dort ein Vermögen. Und lieber ein paar Eulen mehr einstecken, als vor Ort in den sauren Apfel zu beißen!!
22 Stunden später: Mittlerweile ist es 4 Uhr Morgens und wir stehen mit zwei Russen, die ebenfalls eine Wildcard bekommen haben, am Bahnhof in Haugastol und werden sofort ins Hotel gefahren. Todmüde fallen wir in die Betten, putzmunter stehen wir am nächsten Morgen auf und betreten den Frühstücksraum des „Haugastol Turistsenters“. Links sitzen Aaron Hadlow und Ruben Lenten, die sich gut gelaunt mit Susi Mai unterhalten, einen Tisch weiter sitzen die norwegischen Snowkitestars Remi Meum, Sigve Botnen, Petter Johnnsen und Björn Kaupang, der uns gleich freundlich das Handgelenk schüttelt und uns im Hotel seiner Eltern herzlich willkommen heisst. Wieder einen Tisch weiter sitzt James Brown vom amerikanischen „Drift“-Snowkitemagazin zusammen mit einem großen Haufen von großteils noch unbekannten Fahrern aus allen Ländern Europas.Langsam begreife ich die Dimension des Red Bull Ragnarok: 140 Fahrer sind hier, alle kämpfen um 5000 Euro Preisgeld, alle werden ihr Bestes geben und alle werden versuchen, die fünf Runden mit bis zu je 25 Kilometern so schnell wie möglich hinter sich zu lassen. Und das ohne auf irgendwelche Vorschriften oder Regeln achten zu müssen!
Nach dem leckeren Frühstück geht’s mit dem Bus zum Plateau. Alle haben schon Sabber auf den Lippen vor lauter Geilheit auf die unendlichen Weiten und den regelmäßigen Wind. Am Plateau angekommen versteh ich auch warum: kilometerweit nichts als Schnee, überall verspielte Wechten und einladende Hügel, jeden Tag Wind für Kites von 7 bis 11 und das einzige Hindernis weit und breit ist eine kleine Strasse, auf der nur alle drei Stunden ein paar Autos vorbeifahren. Wir sind im Paradies! Die Jungs und Mädels pumpen ihre Kites auf und hüpfen vor Freude alle im Kreis wie Rumpelstilzchen.
Alle haben schon Sabber auf den Lippen vor lauter Geilheit auf die unendlichen Weiten und den regelmäßigen Wind.
Das Niveau beim Ski-Freestyle hat sich in den letzten Jahren sehr gesteigert, was mich sehr freut! Chris Immers, der holländische Wainman Hawaii-Importeur, rockt mit bis zu sechs Meter hohen F16’s durch die Lüfte, Björn Kaupang backflipt nebenbei ein paar Klippen, während der Trend bei den Boardern eher in Richtung brachialer Wakestyle geht und jede Wechte oder Bodenunebenheit als Kicker für die diversen Passes und Flips dient!! Alle toben sich aus und pushen sich gegenseitig, alle haben ein riesengroßes Lächeln auf den Lippen, und von jedem kommt das Versprechen, so schnell wie möglich wieder hierherzukommen. Als ich meinen Kite am Ende der Session abbaue, beobachte ich amüsiert, wie sogar Ruben Lenten mitten auf der Strasse vor Freude tanzt.
Mittlerweile ist es Abend: Xaver und ich haben unser Gepäck verstaut, unsere Zimmer eingerichtet und mit Freude festgestellt, dass im Zimmer gegenüber Aaron Hadlow, Susi Mai und Ruben Lenten wohnen! Die gößten Stars der Szene nur eine Türe weiter! In dieser Nacht haben wir besonders gut geschlafen...
„Guten Morgen alle zusammen. Packt schnell euer Zeug, um 10 Uhr fahren wir rauf zum Plateau! Heute sind die Bedingungen perfekt fürs Red Bull Ragnarok!!“ Oben angekommen pfeift der Wind und die Sonne lächelt zwischen den Wolken hindurch.
Der große Tag. 110 Fahrer, ca. 300 Kites in der Launch-Area und der Red Bull Truck pumpt Bässe aus den immensen Lautsprechern. Alles scheint perfekt zu sein! Eine halbe Stunde vor dem Start: Der 10er Kite fühlt sich gut an! Ordentlich Druck in der Tüte, die Schi sind gewachselt, die Bindung ordentlich zugeknallt, ich spiele mit dem perfekten Untergrund!
Doch, was ist jetzt los? Alle Kites fliegen fast vom Himmel, der Wind geht runter auf ca. drei Windstärken, 10 Minuten später hat sich nichts geändert, die Leute werden langsam ein bisschen nervös... Viele wechseln auf einen grösseren Schirm, alle sind sich einig, dass das eine gute Entscheidung ist. Alle, bis auf die wenigen norwegischen Locals, die interessanterweise energisch ihre kleinsten Kites aufpumpen und mühsam damit zur Startlinie raufkreuzen. Plötzlich schläft der Wind komplett ein, alle Kites fliegen zu Boden wie Blätter im Herbst. Die Ruhe vor dem STURM!
Als sich die ersten gen Horizont drehen und die weisse Walze näherrollen sehen wird alles klar: die norwegischen Locals hatten verdammt noch mal Recht! Welcher Dämon wurde da heraufbeschworen? Aus dem Nichts donnern uns acht Windstärken entgegen, der feine Pulverschnee wird meterhoch in die Luft gewirbelt und verschleiert uns die Sicht auf die Kites. Das Startsignal ertönt und alle donnern vollkommen überpowert in Richtung erster Wendeboje, den Hang hinauf und müssen mit Schrecken feststellen, dass es hier oben noch mal deutlich mehr pfeift als unten! Weltuntergangsähnliche Szenarien entstehen, Schirme verheddern sich, Rider werden in die Luft gerissen, Trapeze reissen komplett durch und die Kites fliegen herrenlos durch die Lüfte! Man munkelt bereits von den ersten bösen Verletzungen, das halbe Starterfeld hat bereits am Fuß des Berges aufgeben müssen, weitere 40 (inklusive mir) am Gipfel! Xaver beisst sich eine Runde durch, muss dann allerdings auch aufgeben.
Welcher Dämon wurde da heraufbeschworen?
Aaron Hadlow meint später im Interview, dass es am Berg oben der schrecklichste Moment seiner ganzen Kitekarriere war! Einige Hartgesottene kämpfen weiter, inklusive des Tschechen Zack ‚Murphy’ Marek, der in meinen Augen der verrückteste Snowkiter aller Zeiten ist! Wer ihn einmal eine 40 Meter hohe Klippe minutenlang hinuntersegeln sieht, weiß auch warum!! 3 Stunden später rasen die ersten über die Ziellinie... 110 Fahrer, und nur vier Helden, die es über die Ziellinie geschafft haben. Das Red Bull Ragnarok machte seinem Slogan alle Ehre: ‚Only the strongest survive!’ Bei den Skiern war es das Skifreestyle-Ass Björn Kaupang, der das Rennen für sich entscheiden konnte. Bei den Boardern sein norwegischer Landsmann Sigve Botnen. Gratuliere den beiden, sie haben sich den ersten Platz verdient wie sonst niemand!
Am nächsten Tag ist Pause angesagt! Ein immenser Schneesturm fegt über das Plateau, die Strasse ist gesperrt und alle Rider sind gezwungen, im Hotelbereich zu bleiben. Dafür wird der hauseigene Cablepark auf Herz und Nieren getestet! Wer sich ein bisschen mit Wakeboarden auskennt, weiss, was das bedeutet! Eine Art Lift mit einer langen Leine und einer Bar am Ende zieht die Rider über diverse Slider und Kicker. Bisher gab es das nur am Wasser, doch nun rocken die Jungs auch mit den Snowboards und Skis übers gefrorene Nass. Remi Meum gewinnt eindrucksvoll den Cable Contest vor Aaron Hadlow. Die Jungs schrecken vor nichts zurück, von Tantrum to blinds, bis flat7’s und S-Bend’s werden die Tricks vom Wasser direkt auf den Schnee übertragen! Die Verletzungsrate war allerdings auch dementsprechend hoch!
Am Abend ist Party angesagt: das Red Bull Ragnarok hat seine Sieger gekürt! Als aus der Wohnung von Aaron und Ruben immer lautere Bässe hinüberpumpen, fassen wir uns ans Herz und beehren die Meute, wo uns gleich ein kühles Bier in die Hand gedrückt wird. Eine Viertelstunde später ist bereits die Bude voll mit lauter Partyhungrigen aus ganz Europa! Um halb 11 fährt uns der Bus nach Geilo, wo dann die offizielle Party steigt!! Bis spät in die Nacht tanzen alle wie wild zu den Ragga- und Reggae-Beats des DJs, bevor uns der Bus wieder zurück ins Hotel bringt.
Am nächsten Morgen sitzen wir glücklich am Frühstückstisch und lassen verträumt den Event Revue passieren, doch die Nachricht, dass die Strasse wieder geöffnet ist, wirft uns wieder in die Realität zurück! Um 9 Uhr stehen wir also wieder auf dem Plateau, derselbe Wind, dieselbe Sonne, dasselbe Lächeln auf jedermanns Lippen. Wir genießen den vorerst letzten Tag im Paradies!
Um 2 Uhr morgens verlassen wir Haugastol mit grossartigen Erinnerungen an tolle Erlebnisse und steigen in den Nachtzug, der uns dann am nächsten Morgen in Oslo ausspuckt! Dort am Flughafen angekommen, stellen wir mit Freude fest, dass auch unser Rückflug wegen diesem lieblichen Vulkan aus Island mit seiner reizenden Asche gecancelled wird. Hurra, auf nach Oslo!
Zurück in Oslo bei der Fastfood-Kette mit dem gelben M. Auf meinem Iphone erhalte ich wieder zittrig eine Nachricht, der Burger schmeckt mir auch nicht mehr, obwohl dieser dem Preis nach viermal so gut sein sollte! Vielleicht ist ja einfach zu viel isländische Asche in der Friteuse gelandet. Die Nachricht ist diesmal nicht nur an mich, sondern an zehntausende andere gestrandete Passagiere in ganz Europa gerichtet: Europa steht still, kein Flugverkehr bis Ende der Woche! Die Weltuntergangsszenarien beim Ragnarok waren mir ehrlich gesagt fast lieber...
Vielleicht ist ja einfach zu viel isländische Asche in der Friteuse gelandet.
Da hat man uns aber einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht, was ungefähr so viel bedeutet wie drei Tage länger in Oslo. Könnte allerdings schlimmer sein: Im Hafen vertreiben wir uns die Zeit mit der lokalen Skateszene, die uns sehr freundlich und offen empfangen hat! Das Niveau ist erstaunlich hoch, man sitzt da wie im Kino und beobachtet die Jungs, wie sie mit ihren Boards den Asphalt regieren. Keine Treppe ist sicher, keine Mauer bleibt unberührt. Die Zeit vergeht schnell, und schon ist es wieder Mittwochmorgen und unser Flug nach Wien ist einer der wenigen Flüge, die nicht gecancelt worden sind! Mittwoch um 13 Uhr stehen wir wieder auf heimatlichem Boden, wir werden vom Wettergott mit 20 Knoten Wind auf dem Wiener Flughafen empfangen.
Alles in allem war es eine unvergessliche Reise und ein HAMMER-Event in Norwegen! Mit ganz vielen tollen Erlebnissen und neuen Freunden und Bekanntschaften komme ich schließlich in Salzburg an und vermisse bereits die unverspurten Weiten des weißen Plateaus. Norwegen ist auf jeden Fall eine Reise wert! Wir wurden überall so herzlich und freundlich aufgenommen, und an dieser Stelle möchte ich ein herzliches Dankeschön an die Jungs und Mädels von Red Bull aussprechen, die mir diese unvergessliche Reise ermöglicht haben! Das Ragnarok ist meiner Meinung nach eine geniale Idee und ich hoffe, dass es die nächsten Jahre mit ähnlichen Events weitergeht!
Tusen takk, tausend Dank, Red Bull!
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