P-38 © Garth MIlan / Red Bull Photofiles

Die P-38 Lightning klingt wie zwei Ferraris. Hier erklärt Sigi Angerer, Chefpilot der Flying Bulls, wie sie ihren Weg in den Salzburger Hangar-7 fand.

D. M. wollte ja eigentlich eine Mustang. Ich konnte ihn aber überzeugen, dass mittlerweile fast jeder Flugzeugsammler über dieses Modell verfügt und sie ergo nichts Besonderes mehr wäre. Die P-38 allerdings ist eine Rarität – es gibt nur vier flugtaugliche Flugzeuge dieses Typs. Eine dieser vier ist das „Glacier Girl“, das aus dem ewigen Eis Grönlands geborgen wurde.

Eine andere ist unsere P-38, die drei Jahre lang in Texas restauriert wurde und aus dem Besitz des Flugzeugsammlers Lefty Gardner an die Flying Bulls überging. Gardner war 2001 mit ihr auf dem Heimweg von einer Air Show in Kansas notgelandet, weil eines der Triebwerke in Brand geraten war. Zu seinem großen Glück war gerade ein Farmer mit einem Tankwagen voll Wasser zugegen, der die Maschine löschte. In Texas wurde sie repariert und sollte eigentlich von mir nach Europa pilotiert werden.

Leider wurde daraus nichts. Ich hatte schon ein Schlauchboot (für eine mögliche Notlandung im Eismeer) und ein Gewehr (gegen die Eisbären darin) in die Maschine gepackt, im Endeffekt brauchte ich beides nicht. Denn wegen kleineren Problemen mit dem Propeller und dem Generator, die auf einem Langstreckenflug schnell zu größeren werden können, einigten wir uns, die P-38 mit dem Schiff nach Europa zu schippern.

Geflogen bin ich sie aber in den Staaten einige Male: bei einer Air Show in Las Vegas und von Breckenridge, Texas, nach Florida, von wo sie ihren Seeweg antrat. Was für eine Privatmaschine wie unsere demilitarisierte P-38 in den amerikanischen Militärhäfen auch nicht einfach war: Weil ein großes Kriegsschiff der US-Navy in den Hafen von Mayport einlief, verloren wir unseren Verladeplatz. Dank eines Base-Comanders der US-Navy konnte die P-38 dann doch ihre Fahrt von Pensa Cola, Florida, durch die Karibik in den Atlantik antreten.

Während der ganzen Überstellung wurde sie von unserem Techniker Hubert begleitet, der immer wieder die Sicherungsgurte nachziehen musste, um das Flugzeug in seiner Position zu halten. Von Hamburg aus flog ich sie dann in Richtung Salzburg, kam aber nach einer Flugzeit von 100 Minuten wegen des schlechten, winterlichen Wetters nur bis Oberpfaffenhofen in der Nähe von München.

Zwei Tage später wurde ich mit der B-25 wieder raufchauffiert, startete von Oberpfaffenhofen und landete um 17.32 Uhr beim Hangar-8 – glücklich, denn bei dem Schneesturm war das Pilotieren des Oldtimers kein Genuss. Vor dem Hangar-8 wurde sie dann zufrieden und glücklich von den Flying Bulls und der Presse empfangen, womit eine fünfjährige Odyssee zu Ende ging. Danach konnte ich mich endlich mit ihr in den Hangar-8 zurückziehen.

Beim ersten schönen Wetter startete ich das Flugzeug, um sie endlich wieder zu hören, denn besonders ihr Motorengeräusch ist mir ans Herz gewachsen: Es klingt wie zwei Ferraris, und ich bin bisher nur einen auf einmal gefahren. Ihre Piloten bei Airshows sind Daniel Angerer und Raimund Riedmann. Die P-38 ist der Stolz unserer Sammlung bei den Flying Bulls: Von 10036 gebauten Fliegern gibt es heute weltweit nur mehr fünf flugtaugliche Maschinen dieses Typs. Sie ist die einzige in Europa und eine seltene Schönheit.

TV-Tipp: Die Doku „Phönix aus der Asche“ – wie Sigi Angerer dem abgestürzten Vogel wieder fliegen lehrte, 27. Dezember 2009, 22.00 Uhr, im Red Bull TV-Fenster bei auf ServusTV.

www.flyingbulls.at
www.servusTV.com
 


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